Auf der Bierroute von Sachsen nach Böhmen

Deutsche und tschechische Brauereien im Erzgebirge schließen sich auf einem touristischen Rundweg zusammen. Dabei will man nicht nur den Durst der Besucher löschen.

Annaberg-Buchholz. Hopfen und Malz - Gott erhalt's: Das Freiberger Brauhaus bezieht seinen Hopfen aus dem nordböhmischen Žatec, früher Saaz. Die 20.000-Einwohner-Stadt mit einem historischen Stadtkern, gelegen auf halbem Weg zwischen Chemnitz und Prag, hatten Freiberg-Besucher bisher kaum auf dem Schirm. Doch ein neues touristisches Angebot schickt sich jetzt an, diese Orte für Genießer des Gerstensafts zu verbinden. Im kommenden Frühjahr wollen der Tourismusverband Erzgebirge und die Destinationsagentur Dolní Poohří/Niederes Egertal in Žatec eine sächsisch-
böhmische Bierroute aus der Taufe heben. Brauereien nördlich und südlich des Erzgebirgskamms sollen dann auf einem Rundweg miteinander verbunden sein.

14 Brauereien machen mit. In Sachsen sind es neben Freiberger, Rechenberger und Fiedler in Scheibenberg die Mikrobrauereien Lotters Wirtschaft in Aue, die Bierfabrik Lengefeld, der Braugasthof Zwönitz und das Hotel "Alte Schleiferei" in Erlabrunn. In Tschechien beteiligen sich Karásek a Stülpner (Chomutov), Monopol (Teplice), Na Rychtì (Ústí nad Labem), Pivo Zloun (Louny), Pivo Chalupník (Perštejn), Chrám chmele a piva (Žatec) sowie Pivovar Žatec. "Im sächsischen und böhmischen Erzgebirge gibt es eine jahrhundertealte Brautradition", sagt Karsten Gräning vom Tourismusverband Erzgebirge. Mit der Bierroute wolle man diese nun touristisch erschließen. Geplant ist demnach ein Flyer mit einer Karte, in der alle Standorte verzeichnet sind und vorgestellt werden sowie eine Route, wie diese erschlossen werden können - zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Auto. Beschilderungen an den Straßen sind vorerst nicht geplant, aber perspektivisch vielleicht eine Art Stempelkarte, mit der Besucher, die alle Stationen absolviert haben, ein kleines Souvenir erhalten. Bei der Auswahl der Partner konzentrierte man sich auf Brauereien, die etwas mehr bieten als nur Bierverkauf, etwa eine Brauerei-Besichtigung, eine Ausstellung oder eine stilvolle Ausschankstube.

So gehört etwa zum "Hopfen- und Biertempel" (Chrám chmele a piva) in Žatec auch das Saazer Hopfenmuseum. Es zeigt die Geschichte des Hopfenanbaus in der nordböhmischen Region und ist in einem technischen Denkmal mit Indus-triearchitektur vom Ende des 19. Jahrhunderts untergebracht.

Die Idee der Bierroute stammt von der Brauerei Rechenberg im Osterzgebirge. Geschäftsführer Andreas Meyer startete die Initiative, er sieht hier einiges zusätzliches touristisches Potenzial. "Wir wünschen uns, dass da was läuft zwischen Sachsen und Böhmen", sagt er. Die über 450 Jahre alte Privatbrauerei beherbergt das Sächsische Brauereimuseum mit einem Sudhaus von 1780 und historischen Gewölbekellern. "Ab und zu haben wir hier auch schon tschechische Besucher", berichtet Meyer. Die Museumstexte wurden bereits ins Tschechische übersetzt, neu ist ein Prospekt in der Sprache der Nachbarn.

In Rechenberg soll die sächsisch-böhmische Bierroute auch offiziell eröffnet werden: zum Tag des Deutschen Bieres am 23. April 2018.

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