Sachsen
Ausstellung zu Sensationsfund: Mikwe als 3D-Modell

Bei Ausgrabungen im Zentrum von Chemnitz stießen Archäologen 2022 auf Reste einer Mikwe, eines rituellen jüdischen Bades. Der Fund steht nun im Fokus einer Ausstellung. Das erwartet Besucher.

Chemnitz.

Die 2022 bei Ausgrabungen entdeckte Chemnitzer Mikwe, ein rituelles jüdisches Bad, ruht wieder sorgsam konserviert im Souterrain eines neuen Geschäftshauses im Zentrum der Stadt. Doch das Staatliche Museum für Archäologie lässt den Sensationsfund nun in einer Ausstellung für Interessierte auferstehen. Kern der Schau ist ein koloriertes 3D-Modell der Mikwe, die in der Zeit vom späten 17. bis ins 18. Jahrhundert hinein genutzt worden sein soll. 

"Es ist das einzig erhaltene jüdische archäologische Denkmal, das wir in Sachsen haben", erläutert Rebecca Wegener vom Landesamt für Archäologie.

Verblüfft waren die Experten über den Fund, weil es Juden zu der Zeit verboten war, sich hierzulande anzusiedeln. 1349 war bei Pogromen die gesamte jüdische Bevölkerung in Sachsen ermordet und vertrieben worden. Erst ab 1868 sei es Jüdinnen und Juden wieder möglich gewesen, in Sachsen zu leben und ihren Glauben offen auszuleben, so die Fachleute.

Mikwe als Angebot für jüdische Reisende

Doch warum gab es dann überhaupt in Chemnitz eine Mikwe? Die Stadt sei eine Mautstelle für Händler auf dem Weg von Böhmen zur Messe in Leipzig gewesen, erklärt Wegener. Jüdische Händler durften hier übernachten. Die Hypothese geht so: Ein geschäftstüchtiger Wirt hat die Mikwe quasi als Service für diese Gäste eingerichtet. Wegener: "Ich halte das für sehr wahrscheinlich."

Auch ein altes "Hebräisch-Teutsches Handwörterbuch" gehört zu den Ausstellungsstücken.
Auch ein altes "Hebräisch-Teutsches Handwörterbuch" gehört zu den Ausstellungsstücken. Bild: Hendrik Schmidt/dpa

Die Mikwe selbst ist für Interessierte nicht zugänglich. Einerseits habe es schon fertige Bauplanungen für das neue Gebäude samt Mietverträgen gegeben, erklärt Wegener. Andererseits seien die Überreste des Denkmals sehr fragil. Mit einem archäologischen Fenster etwa würde Licht das empfindliche Mauerwerk zu einer Brutstätte von Algen und Pilzen machen. Das archäologische Denkmal sei per 3D-Scan aufwendig dokumentiert und vor Ort speziell verpackt worden.

Schau zeigt weitere Zeugnisse jüdischen Lebens in Sachsen

Neben vielen Informationen rund um die Mikwe werden in der Schau weitere Zeugnisse jüdischen Lebens in Sachsen zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert gezeigt. Dazu gehören Nachbildungen zweier Grabsteine aus Meißen aus dem Spätmittelalter, alte Hebräisch-Wörterbücher, Souvenir-Münzen von Pilgern am Nachbau des Heiligen Grabes in Görlitz sowie das Faksimile des Leipziger Machsor, einer Sammlung von Gebeten für die hohen jüdischen Feiertage. 

Die Ausstellung im Foyer ist bis 8. März zu sehen, der Eintritt ist frei. Sie ist ein Beitrag des Museums zum Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen. (dpa)

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