Bahn nach Leipzig: Die alten Wagen bleiben

Der Austausch der Züge ist vorerst gescheitert. Nun ist offen, wie es weitergeht. Bis die Strecke Chemnitz-Leipzig elektrifiziert ist, dauert es mindestens noch zehn Jahre.

Chemnitz.

Seit zwölf Jahren ist die Region vom Eisenbahn-Fernverkehr abgehängt. Doch es wird noch Jahre dauern, bis sich daran etwas ändert. Das wurde bei einer Tagung der Industrie- und Handelskammer in Chemnitz zum Thema Bahnpolitik deutlich. Schlechte Neuigkeiten gab es auch für eine der wichtigsten Nahverkehrslinien im Freistaat.

Auf der Strecke Chemnitz-Leipzig sollten ab Frühsommer die alten Wagen aus DDR-Zeiten durch modernere Waggons ersetzt werden. Bereits Ende 2018 wurde bekannt, dass die Züge keine Klimaanlage haben werden. Nun erklärte Harald Neuhaus, Chef des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS), dass das Tauschkonzept vorerst gescheitert ist. Ein Partner sei ausgestiegen. Die Gründe seien nicht bekannt. Nun müsse man neu nachdenken. Nach viel Kritik an den Zügen hatten sich die Verkehrsverbünde VMS und ZVNL aus Leipzig und der Betreiber Mitteldeutsche Regiobahn (MRB) auf den Austausch verständigt. Laut Neuhaus hat die MRB-Mutter Transdev die Vertragsänderung noch nicht unterzeichnet. Transdev erklärte, dass man bereits mit anderen Firmen in Gesprächen sei, die anstelle des bisherigen Projektpartners entsprechende Fahrzeuge kaufen und umbauen würden. Transdev sehe das Thema "Wagenmodernisierung" daher nicht als gescheitert an.

Die Elektrifizierung der Strecke Chemnitz-Leipzig könnte nach Ansicht von Eckart Fricke, Bevollmächtigter der Deutschen Bahn für Sachsen, 2028 geschafft sein - "wenn alles zügig geht". Im Bundesverkehrswegeplan wurde die Strecke über Borna (Grafik) für die Elektrifizierung ausgewählt, weil zwischen Borna und Leipzig bereits Fahrdraht hängt. So muss nur Chemnitz-Geithain ausgebaut werden. Hierfür liefen die Planungen. Laut Fricke überarbeitet die DB aber mit Geld des Freistaates zugleich frühere Vorplanungen für die Route über Bad Lausick. Experten sehen die für Fernzüge als geeigneter an. Im November sollen die Pläne für den Verkehrswegeplan "nachgemeldet" werden.

Bei der IC-Linie von Rostock nach Dresden, die 2022 über Chemnitz, Plauen und Regensburg nach München verlängert werden sollte, kann laut Fricke der Zeitplan nicht gehalten werden, weil die Planungen für den Ausbau in Bayern überarbeitet werden müssten. Die IC-Linie bis nach Dresden kommt aber schon Ende 2019. Theoretisch könnten die IC-Züge auch bis Chemnitz fahren, allerdings können sie hier nicht abgestellt werden, weil es keine Reinigungsanlage für die WCs gibt.

Erste IC-Züge von Chemnitz über Gera ins Ruhrgebiet könnten ab Ende 2028 rollen. Bis dahin soll die Strecke Gera-Gößnitz elektrifiziert sein. Einen Zwei-Stunden-Takt nach Düsseldorf werde es aber erst 2032 geben. Fricke begründete das mit Verkehrsverträgen im Ruhrgebiet, wo der letzte erst dann ausläuft.

Bewertung des Artikels: Ø 3.7 Sterne bei 6 Bewertungen
8Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    Zeitungss
    29.03.2019

    Gestern 21.45 Uhr ARD Panorma. Man möchte die Zustände nicht in die Öffentlichkeit bringen, mehr war von der DB nicht zu erfahren. Es würde auch voraussetzen, dass in der Führungsriege diese Zustände erst einmal erkannt werden. Der ehemalige Kanzleramtschef regiert heute den Geschäftsbereich Infrastruktur, er merkt es nicht einmal, dass dieser Bereich EINER der Hauptverursacher im Chaos Bahnverkehr ist, woher soll er es auch wissen. Er ist damit noch nicht ausgelastet und kümmert sich gleich noch um die Braunkohle. Als Versorgungsfall ist er bei der DBAG gut aufgehoben, mehr aber auch nicht. Eine fundierte Ausbildung ist in Führungsetagen heute nicht mehr nötig, Gagezettel lesen sollte langen. Die Ergebnisse liegen auf der Hand.
    Es ist schon eine Spitzenleistung, ein Unternehmen dieser Größe in 25 Jahren zur Unfähigkeit verkommen zu lassen, die Privatisierung ist dabei der Schlüssel zum Erfolg. Wer es nicht glaubt oder glauben darf, sollte Reisen kreuz und quer durch Deutschland mit der Bahn machen, es kommt mit Sicherheit die Erleuchtung.

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    Zeitungss
    28.03.2019

    Ich hoffe noch immer auf die Durchsetzung des sächsischen Wirtschaftsministers, die 5 Verhinderungsvereine und Pfleger der Kleinstaaterei, dem Bahnkunden vom Hals zu schaffen. Seit Gründung der Reichsbahn im vergangenen Jahrhundert und deren Übergang in die Deutsche Bahn, gab es nicht annähernd solch ein Chaos auf deutschen Schienen. Einige Landräte und Bürgermeister hocken in einem Verkehrsverbund um ihr "Fachwissen" einzubringen und sich dafür fürstlich honorieren zu lassen, Ergebnisse sind landesweit sichtbar. Selbst die Reichbahn der DDR kannte solche Spielchen auf Kosten der Kunden nicht, trotz wesentlich schlechterer technischer Bedingungen.
    @ Klemmi, guter Kommentar, die Verantwortlichen werden ihn nur nicht verstehen, es wäre etwas Fachkompetenz gefragt, welche dort leider nicht vorkommt. Eigentlich sollten diese Leute Komunalpolitik betreiben, damit müßten sie auch ausgelastet sein. Bei der Beschaffung von Dienstwagen für ihre Bereiche spricht auch kein Mensch über Gebrauchte, es sollte schon die neueste Variante sein, finanziert durch Steuern und Abgaben.

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    Klemmi
    27.03.2019

    Dieser Artikel zeigt beeindruckend, welche "Kompetenzen" unsere Infrastruktur planen und gestalten. Nachdem von Qualitätsmerkmalen wie WLAN auf dem RE 6 die Rede war und sukezessiv die Versprechen sich relativierten, ist der VMS wieder beim Status quo. Eine Neuanschaffung von Fahrzeugen wurde immer mit der Argumentation, der ungewissen Entwicklung dieser Strecke, abgelehnt. Moderne Wagen (Doppelstockwagen) sind in der Lage, mittels Dieseltraktion oder später als E-Traktion, die Verkehrsströme zeitgemäß zu bewältigen- soviel zum Thema Kompetenz beim VMS. Zum Klo-Problem: Dann baut eine WC-Reinigungsanlage oder: Wenn schon Ende 2028 die ersten IC's aus dem Ruhrgebiet in Chemnitz enden, hoffe ich, dass die DB jetzt schon die ersten Gutachterfirmen beauftragt hat, welche berechnen, ob und ab wieviel Liter Fäkalien sich eine derartige Anlage in Chemnitz rechnet. Oder wo gedenkt die DBAg 2028 diese Toiletten zu reinigen? Zum Bayernproblem: Hauptproblem ist die geballte "Kompetenz" innerhalb der CSU. Nachdem zum X-ten Mal diese Magistrale im BVWP steht, plant man scheinbar immer noch, vermutlich am Lärmschutz für Getreidesilos oder was weiß ich. Welche Verträge hindern einen 2h-Takt im Ruhrgebiet? Ich denke, der Fernverkehr, wird im Sinne der Bahnreform, eigenwirtschaftlich betrieben? Oder wäre dort der zweite Korridor dieser IC-Linie, welche durch öffentliche Gelder subventioniert wird?
    Wenn man Staatsversagen mit Chemnitz verbindet, dann gerne zum zweiten Mal aber diesmal auf der Schiene und nicht vorm Nischel. Wenn derartiger Murks seit 12Jahren einen Standortnachteil für diese Region bringt, wird es schwierig die politische Mitte für einen Pro-Demokratie-Kampf zu begeistern.

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    Einspruch
    27.03.2019

    Rückkehr zur Dampflok wäre noch möglich, mit Dampfspeicher , Dampf mit Biogas erzeugt.
    Man man , als das industrielle Zeitalter begann, wurden Schienen, Schiffe, Autobahnen, Brücken usw. aus dem Boden gestampft. Heute wird nur vertagt, beraten, verzögert usw. Aber vom Austieg aus der Kohle schwadronieren und der E Mobilität. Das ist alles nur noch lächerlich.
    In China würde sowas wohl kein Jahr dauern.

  • 6
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    Zeitungss
    27.03.2019

    Kurz zusammengefasst, die Bahn ist seit der Wende zur Unfähigkeit verkommen. Viele viele Köche verderben den Brei, eine alte Weisheit, was hier wieder bestens demonstriert wird. Der Audi Scheuer elektrifiziert "seine" Autobahnen und die Bayern setzen bekanntlich auf das Lufttaxi. Die Elektrifizierung Hof - Regensburg sollte 2016 Geschichte sein, es wurde noch nicht einmal damit begonnen, denn die Anwohner befürchten Verkehrslärm. Bei den bisherigen aus Bayern stammenden Verkehrsministern, gehört der Verkehr ohne Ausnahme auf die Straße und neuerdings mittels Lufttaxi in die zweite Ebene. Das Chaos bei der Infrastruktur der Bahn (Chef R. Pofalla) reicht noch nicht aus, der Betrieb wird zur Freude der Kunden in Einzelteile zerlegt um das Abenteuer Bahn auch dem letzten Bürger schmackhaft zumachen. In Sachsen ist der Bahnkunde mit 5 Verhinderungsvereinen besonders abgestraft, stört aber unter dem Strich kurioserweise keinen Nutzer deren "Angebote". Die Reichsbahn brachte es noch auf ca. 330Km Neuelektrifizierung pro Jahr, bevor sie in der Neuzeit und dem damit verbundenen Fortschritt untergegangen ist. Wer diesen Werdegang live und in Farbe miterleben durfte, kann über die jetzigen Zustände nur lautstark lachen.
    Armenhaus Deutschland und es ist nicht nur auf dieses Gebiet beschränkt.

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    timpaule
    27.03.2019

    In 10 Jahren dürfte die Elektromobilität so weit fortgeschritten sein, dass dann vielleicht schon E-Loks mit Akku verfügbar sind, die nichtelektrifizierte Teilstücke überbrücken können. Wartet man bei der Bahn insgeheim darauf, um sich die teuren Oberleitungen ganz zu sparen?

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    fp112
    27.03.2019

    An jeder Stelle wird über Elektromobilität , Flugtaxis, E- Bikes, autonomes Fahren schwadroniert.
    Aber 140 Jahre nach der ersten Elektolokomotive von Werner Siemens gibt es noch immer keine Oberleitung von Chemnitz nach Leipzig.!
    140 Jahre! Und der Verkehrsminister redet von Autobahnen mit Oberleitung.
    1830 zB. wurde erstmals die Eisenbahn von Dresden nach Leipzig vorgeschlagen,
    1839 war das erste Gleis fertiggestellt, der zweigleisige Betrieb begann 1840.
    Das nur mal so zum Vergleich.
    Wir reden von autonomen Fahren und können außerorts oft nicht mal telefonieren.
    Was ist hier falsch gelaufen

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    Haecker
    27.03.2019

    Das ist doch toll! In 9 Jahren soll die Elektrifizierung der Strecke (und ein paar Kilometer 2.Gleis) zumindest bis Geithain geschafft sein - "wenn es zügig geht", d.h. nach aller Erfahrung vermutlich einige Zeit später. Dabei geht es nur um einen Ausbau im Bestand, die Strecke wurde vor erst vor ca. 15 Jahren ausgebaut. Sicher wird bis 2028 noch der eine oder andere Aspekt auftauchen, der neu bedacht werden muss und über den erst mal wieder eine Studie erforderlich ist. Deren Ergebnis muss die weitere Planung natürlich erst mal abwarten.
    Genauso toll ist die Mitteilug, dass eine Verlängerung der neuen IC-Linie Rostock - Dresden über die Sachsen-Franken-Magistrale in 2022 nicht möglich sei, weil in Bayern umgeplant werde und in Chemnitz keine WC-Reinigung möglich sei. Das kann auch in 3 Jahren nicht ermöglicht werden, auch nicht in Zwickau, Plauen oder Hof?



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