Umweltbürgermeister Eva Jähnigen (Grüne) kündigte vollumfängliche Informationen zu den weiteren Untersuchungsergebnissen nach dem PFAS-Fund an. (Archivbild)
Umweltbürgermeister Eva Jähnigen (Grüne) kündigte vollumfängliche Informationen zu den weiteren Untersuchungsergebnissen nach dem PFAS-Fund an. (Archivbild) Bild: Robert Michael/dpa
Sachsen
Bedenkliche Chemikalien in Dresdner Gewässern festgestellt

In mehreren Gewässern wurden Stoffe entdeckt, die als gesundheitsschädlich gelten. Die Landeshauptstadt hat erste Maßnahmen ergriffen und sucht nun nach der Ursache.

Dresden.

In Gewässern im Dresdner Norden sind sogenannte Ewigkeitschemikalien gefunden worden. Betroffen sind die Stadtteile Klotzsche und Weixdorf, wie die Landeshauptstadt mitteilte. Besonders im Ziegeleiteich und beim Waldbad Weixdorf stellte das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie erhöhte Vorkommen von per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) fest. Das Dresdner Leitungswasser ist nicht betroffen.

Höchstwerte bei Fischen überschritten

Bei Fischen aus beiden Gewässern wurden Höchstwerte für die PFAS-Konzentration in Lebensmitteln überschritten, sie dürfen daher nicht in Verkehr gebracht werden, Verkauf oder unentgeltliche Weitergabe sind also untersagt. Auch das Angeln im Ziegeleiteich ist verboten. Das Wasser umliegender privater Gartenbrunnen ist ebenfalls belastet. Die Nutzer wurden vom Gesundheitsamt informiert und sollen es nicht als Trinkwasser nutzen oder vorher aufbereiten. Einem Betrieb der Badestelle Weixdorf im Jahr 2026 steht nach aktuellem Wissensstand und Zeitpunkt nichts entgegen.

PFAS kommen nicht natürlich vor und überdauern je nach Stoff extrem lange in der Umwelt - daher die Bezeichnung Ewigkeitschemikalien. Sie stehen unter anderem im Verdacht, Leberschäden sowie Nieren- und Hodenkrebs zu verursachen. Aufgrund ihrer einzigartigen Merkmale werden die Substanzen in einer großen Zahl vor allem in industriellen Produkten und Alltagsgegenständen verwendet - von Anoraks über Pfannen bis hin zu Kosmetik. 

Ursache für Vorkommen noch unklar

Auch in der Mikroelektronikproduktion kommen PFAS zum Einsatz, zum Beispiel bei der Oberflächenbeschichtung von Mikrochips. Ob eine Verbindung des festgestellten erhöhten Vorkommens im Dresdner Norden zu den dortigen Chipfabriken besteht, ist jedoch laut Angaben einer Sprecherin der Landeshauptstadt unklar. 

Bei der Suche nach der Ursache untersucht das Umweltamt zunächst Gewässer, Sedimente und Brunnen in größerem Umkreis, um die Größe des PFAS-belasteten Gebiets zu bestimmen. Erste Befunde werden Anfang Januar erwartet. "Die Stadt wird die Bürgerinnen und Bürger vollumfänglich über die Ergebnisse der Untersuchungen informieren und in Zusammenarbeit mit den Landesbehörden erforderliche Schutzmaßnahmen veranlassen", sagte Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne).

In der Europäischen Union wird über ein Verbot von PFAS mit einigen Ausnahmen diskutiert. Industrieverbände sehen darin eine Bedrohung für Hightech-Branchen. (dpa)

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