Beliebte Ausflugsregion als Zecken-Risikogebiet eingestuft

Aufgrund wachsender Krankheitsfälle wird im fünften Kreis Sachsens vor FSME gewarnt. Im Sommer soll eine Zeckenplage drohen.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat gestern nun auch den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge als FSME-Risikogebiet eingestuft. Vier solche Gebiete gibt es bereits in Sachsen: den Vogtlandkreis, die Landkreise Bautzen und Zwickau sowie den Erzgebirgskreis. Zum Risikogebiet werden Gebiete erklärt, in denen mindestens ein FSME-Fall pro 100.000 Einwohner innerhalb von fünf Jahren gemeldet wird.

FSME - die Frühsommermeningoenzephalitis - wird durch Zeckenstiche übertragen. Es ist eine heimtückische Erkrankung, die in Stadien verläuft. Hirnhautentzündung, schwere Lähmungen, Nervenschäden und Tod können die Folgen sein.

"2018 war ein Rekord-Zeckenjahr. Die Zeckendichte hat sich fast verdoppelt, wenn auch hauptsächlich in Süddeutschland", sagt Dr. Gerhard Dobler vom Konsiliarlabor für Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) in München. Laut RKI wurden deutschlandweit 587 Erkrankungen gemeldet.

Im neu hinzugekommenen Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gab es laut Gesundheitsministerium 2015 und 2018 jeweils einen FSME-Fall, 2016 und 2017 jeweils zwei Fälle. Ganz Sachsen hatte 2018 zwölf Erkrankte, wobei die Dunkelziffer höher liegt. Bei den betroffenen Sachsen handelte es sich um ein siebenjähriges Kind und elf Erwachsene zwischen 20 und 80 Jahren. Neun mussten im Krankenhaus behandelt werden, weil bei ihnen die Erkrankung so schwer verlief.

Schutz bietet eine Impfung. Jetzt im Winter ist die beste Zeit dafür. "Wir empfehlen die Impfung für Menschen, die sich aus beruflichen Gründen oder in der Freizeit in Risikogebieten aufhalten", sagt die sächsische Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU). In diesen Fällen übernimmt auch die Krankenkasse die Kosten. Die meisten übernehmen sie aber auch über die Region hinaus als Reiseimpfung.

Vollständig geimpft war letztes Jahr nur einer der Erkrankten in Sachsen. Ein weiterer hatte 2008 die letzte Impfung bekommen. "Das unterstreicht, dass die FSME-Impfung regelmäßig aufgefrischt werden muss", so das Ministerium. Zur Grundimmunisierung gehören drei Impfungen. Zwischen der ersten und der zweiten Dosis sollten höchstens drei Monate liegen, zwischen der zweiten und dritten neun bis zwölf Monate. Dieser Schutz hält laut RKI mindestens drei Jahre, dann muss er aufgefrischt werden. Werden nur zwei Termine wahrgenommen, reiche der Schutz nur ein Jahr.

Laut AOK Plus ließen sich im letzten Jahr 79 Prozent mehr Sachsen gegen FSME impfen als 2017. Der Trend gilt auch deutschlandweit. Laut Medizindatenbank Insight health verordneten Ärzte 2018 knapp vier Millionen Impfdosen - 30 Prozent mehr als 2015. "Das ist eine gute Entwicklung, doch von Impfraten wie in Österreich und der Schweiz sind wir noch weit entfernt", sagt RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher. "Deshalb wird sich wohl der Trend fortsetzen, dass jedes Jahr neue Risikogebiete dazukommen." Sind sie einmal festgelegt, bleiben sie es ihr zufolge auch für mindestens 20 Jahre. "Selbst wenn in einem Jahr dort einmal keine Erkrankungen auftreten, will man kein unnötiges Risiko eingehen." Die Ausweitung der FSME-Gebiete zeigt aber auch eine lange beobachtete Tendenz: Die Zecke zieht immer weiter gen Norden.

Zu wissen, dass man in einem Risikogebiet wohnt, mache aber auch vorsichtiger, so Glasmacher. Gerade die jetzigen Temperaturen sind ein Vorgeschmack auf den Frühling. Viele zieht es ins Freie. Doch ab sieben Grad über Null kommen auch die Zecken. "Entsprechende Kleidung und die Verwendung von Schutzmitteln auf der Haut können die Spinnentiere vertreiben oder fernhalten", sagte Gesundheitsministerin Barbara Klepsch.

Die Menge an Tieren im Nymphenstadium - einer Vorstufe zur erwachsenen Zecke - lässt für den bevorstehenden Sommer eine Plage erwarten, so Veterinärmediziner Dr. Gerhard Dobler auf dem Parasitologenkongress in Wien. Auf 23 Kontrollflächen in ganz Deutschland zählen Wissenschaftler die Zecken und erforschen ihre Entwicklung. "Stellenweise haben wir 2018 mehr als 400 Zecken auf einem Areal von zehn mal zehn Metern festgestellt. In den Jahren zuvor waren es im Schnitt 260", sagt Dobler. Er sieht den Trend mit Sorge, denn mit der Zeckenzahl steigt die FSME-Gefahr.

Wie man eine FSME-Infektion erkennt 

Etwa jede 100. Zecke ist mit FSME infiziert. Anders als bei der Borreliose werden die FSME-Viren sofort übertragen. Die rasche Entfernung der festgesogenen Zecke verringert demzufolge das Infektionsrisiko nicht. Umso wichtiger ist es, nach einem Stich auf Krankheitszeichen zu achten und dann zum Arzt zu gehen.

Etwa eine Woche nach dem Stich können sich grippeähnliche Beschwerden mit Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen zeigen. Meist bleibt es dabei, doch die Krankheit kann auch in das zweite Stadium übergehen. Es beginnt nach einem beschwerdefreien Intervall von etwa ein bis drei Wochen mit hohem Fieber. Das Gehirn und die Hirnhäute sind entzündet, es treten Lähmungen und komatöse Zustände auf. Ein Prozent der Betroffenen stirbt an FSME, weil es keine ursächliche Therapie dafür gibt.

Die Zahl der schweren Verläufe steigt ab 40. Lebensjahr. Ein vollständiger Impfschutz mit Auffrischungen ist dann besonders wichtig. (sw)

Bewertung des Artikels: Ø 3.5 Sterne bei 2 Bewertungen
3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 7
    1
    Hinterfragt
    16.02.2019

    "...Wie wirksam ist denn diese Impfung dann? Welche Risiken gibt es bei dieser Impfung?..."
    Fragen Sie 3 Ärzte, dann bekommen Sie 5 Meinungen.
    Von unbedingt über sinnvoll bis zu die Risiken sind höher als die Gefahr durch den Biss zu erkranken.
    Zudem gibt es für die größere "Gefahr" der Borelliose keine Impfung.

  • 3
    6
    cn3boj00
    16.02.2019

    HHCL. vielleicht gehörte der Geimpfte ja zu den 3 bei denen die Krankheit nur einen leichten Verlauf hatte. Das erste Stadium ist auch schwer zu diagnostizieren, zu viele viarel Infektionen verlauf gleich, und zur genauen Abklärung der Diagnose haben Ärzte meist weder Zeit noch Geld.
    Ich denke jetzt auf jeden Fall auch über einen Impfschutz nach, vor allem auch für die Kids.
    Und mich würde interessieren, inwieweit die Forschung daran arbeitet, gegen die Ursache, also die Zecke selbst, etwas zu unternehmen? Bei allem Insektensterben - die Zecke auszurotten wäre keine schlechte Idee, denn wenn auf der Erde mal scheinbar alles tot ist werden vermutlich die Zecken als einzige überlebet haben.

  • 9
    1
    HHCL
    16.02.2019

    "Vollständig geimpft war letztes Jahr nur einer der Erkrankten in Sachsen."

    Heißt das, dass er erkrankte, trotz Impfung? Wie wirksam ist denn diese Impfung dann? Welche Risiken gibt es bei dieser Impfung?



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...