Seit dem Jahreswechsel sind die Kraftstoffpreise im Schnitt um bis zu zehn Cent pro Liter hochgeschnellt. Die Erhöhung der CO2-Abgabe rechtfertigt diesen Preissprung nicht.
Seit dem Jahreswechsel sind die Kraftstoffpreise im Schnitt um bis zu zehn Cent pro Liter hochgeschnellt. Die Erhöhung der CO2-Abgabe rechtfertigt diesen Preissprung nicht. Bild: Sven Hoppe/dpa
Sachsen
Benzin und Diesel zu teuer: Experten fordern Behörden zum Eingreifen auf

Seit dem Jahreswechsel müssen Autofahrer im Schnitt bis zu 10 Cent mehr für den Liter zahlen - angeblich wegen der CO2-Abgabe. Forscher widerlegen das jetzt.

Chemnitz/Essen.

Zum Jahreswechsel ist der Spritpreis regelrecht in die Höhe geschnellt. Der ADAC bestätigt: Diesel verteuerte sich im Januar im Schnitt an den Tanksäulen in Deutschland um 9,4 Cent, Super E10 um 8,6 Cent. Inzwischen ist Kraftstoff sogar noch einmal etwas teurer geworden. Laut aktueller ADAC-Auswertung kostete Super E10 zuletzt Mitte Februar im bundesweiten Schnitt 1,758 Euro. Für den Liter Diesel waren 1,711 Euro fällig.

Forscher: Auktionen beginnen erst im Sommer

Eine Erklärung für den Preissprung: die gestiegene CO2-Abgabe. Tatsächlich erhöhte sich der CO2-Preis zum Jahreswechsel auf einen Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne. Im Vorjahr lag er fix bei 55 Euro pro Tonne. Jetzt soll an die Stelle des bisherigen festen CO2-Preises aber ein marktbasiertes Versteigerungssystem für CO2-Zertifikate treten. Offiziell starten die Auktionen allerdings erst am 1. Juli.

Das Essener „RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung“ hat nun nachgerechnet - und stellt fest: Der höhere CO2-Preis rechtfertigt nur einen Aufschlag von maximal 2,8 Cent bei Benzin und 3,2 Cent bei Diesel – inklusive Mehrwertsteuer. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Belastung zwar gestiegen, so RWI-Wissenschaftler Manuel Frondel. Das erkläre aber nur etwa ein Drittel des Preissprungs an den Tankstellen.

CO2-Preiserhöhung macht maximal ein Drittel an der Spritpreisexplosion aus

Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie „en2x“ kommt auf ähnliche Zahlen wie das RWI: 2025 verursachte der CO2-Preis demnach einen Aufschlag von 13,2 Cent (Benzin) und 14,7 Cent (Diesel). In diesem Jahr sind es rein rechnerisch bis zu 15,6 Cent (Benzin) und 17,4 Cent (Diesel). Das sind gegenüber dem Vorjahr bis zu 2,4 Cent mehr für Benzin sowie 2,7 Cent mehr für Diesel und Heizöl.

Wissenschaftler Frondel: Differenz von 4 Cent soll mir mal einer erklären

Selbst wenn man den gestiegenen Ölpreis für die Nordseesorte Brent und die Wechselkurse berücksichtigt: Der Spritpreis ist an der Zapfsäule zu teuer - und zwar laut RWI um diese Schwankungen bereinigt im Vergleich zum Dezember um 6,5 Cent für den Liter Super E10 und um 7,4 Cent für Diesel. „Zieht man davon die maximal gerechtfertigten 2,8 Cent bei Benzin und 3,2 Cent bei Diesel für die CO2-Abgabe noch ab, bleibt immer noch eine Differenz von rund 4 Cent je Liter“, rechnet RWI-Forscher Frondel auf Anfrage der „Freien Presse“ vor. „Das soll mir mal einer erklären! Ich finde, die Verbraucher haben ein Recht darauf, zu wissen, was da jetzt eingepreist wird, obwohl die Auktionen erst im Sommer beginnen.“ Er sehe da auch die Aufsichtsbehörden in der Pflicht.

Zocken die Mineralölkonzerne die Autofahrer ab?

Der ADAC hat eine Vermutung. „Da von Juli an eine Verknappung durch die Auktionen theoretisch möglich ist, kalkulieren Anbieter oft mit Werten im oberen Bereich des Korridors“, zitiert die „FAZ“ einen Sprecher des Automobilclubs. Das bedeutet: Weil die Mineralölkonzerne auf hohe Preise bei den Zertifikate-Versteigerungen ab 1. Juli „wetten“, zahlen die Autofahrer schon jetzt fast den vollen Preis für die CO2-Abgaben.

Für 2027 prognostiziert der ADAC einen noch stärkeren Preisanstieg an der Zapfsäule. Wie die Tagesschau berichtet, geht der Automobilclub um bis zu 19 Cent mehr pro Liter Benzin und Diesel aus. Hintergrund ist auch hier die Reform des Emissionshandels. Dieser wird ab 2027 auch auf den Verkehrssektor und Gebäudewärme umgelegt. (juerg)

Erschienen am: 25.02.2026 | 12:00 Uhr
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
Das könnte Sie auch interessieren
05.03.2026
8 min.
Benzinpreise über 2 Euro: Darum ist Tanken im Ausland so viel günstiger
Die Liter-Preise für Diesel und Benzin haben die 2-Euro-Marke schon vielerorts in Deutschland geknackt.
In Deutschland sind die Preise für Benzin und Diesel in wenigen Tagen um 30 Cent und mehr pro Liter hochgeschnellt. Beim Blick in die Nachbarländer fühlen sich viele Autofahrer abgezockt. Zu Recht, wie der Tankstellen-Interessenverband jetzt der „Freien Presse“ bestätigte.
Jürgen Becker, Patrick Hyslop
20:33 Uhr
4 min.
Neun Bayern holen Zähler bei Bayer – Hecking punktet mit VfL
Turbulentes Spiel in Leverkusen: Bayern-Stürmer Nicolas Jackson (M) sah die Rote Karte.
Mit nur neun Mann und Videobeweis-Pech erkämpft sich der FC Bayern ein Remis in Leverkusen. Dieter Hecking führt Wolfsburg zu einem 1:1 in Hoffenheim, Dortmund und Frankfurt feiern Heimsiege.
12:27 Uhr
4 min.
Krieg in Nahost: Fußballfamilie aus dem Erzgebirge sitzt in Bangkok fest
Anfangs war die Zeit in Bangkok noch schön, inzwischen wird sie zur Nervenprobe für René Uhle und seine Frau Anja.
René Uhle vom 1. FSV Blau-Weiß Schwarzenberg hat mit Ehefrau und Sohn einen Urlaub in Thailand verbracht. Der Trip geht ungewollt in die Verlängerung. Ende offen. Das zehrt an den Nerven.
Anna Neef
20:44 Uhr
5 min.
Zoff um Oligarchen: EU hat Kompromiss zu Russland-Sanktionen
Alischer Usmanow wird von der EU bislang als kremlfreundlicher Oligarch mit besonders engen Verbindungen zu Präsident Wladimir Putin bezeichnet. (Archivbild)
Die EU hat wegen Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine Sanktionen gegen etliche kremlnahe Oligarchen verhängt. Um zwei von ihnen gab es Streit – nun steht kurz vor Fristende ein Kompromiss.
10:58 Uhr
4 min.
Zwei Minuten zu spät: 73-Jährige soll fürs Parken am Edeka-Center in Crimmitschau 30 Euro zahlen
Karin Birnstein geht nicht nur im Edeka-Center einkaufen, die 73-Jährige besucht auch ihre pflegebedürftige Mutter im angrenzenden Wohnkomplex für betreutes Wohnen.
Eigentlich dürfen Autos auf dem Parkplatz inzwischen drei Stunden stehen. Trotzdem fordert der Parkraumbetreiber von der Rentnerin eine Vertragsstrafe – und sorgt damit für Kritik.
Jochen Walther
06.03.2026
2 min.
Spritkosten: Carsharing-Anbieter Teilauto erhöht Preise
88.000 Nutzer, 2.050 Autos – und jetzt höhere Preise: Teilauto zieht Kosequenzen aus den steigenden Spritpreisen. (Symbolbild)
Drei bis vier Cent mehr pro Kilometer: Warum Teilauto-Kunden jetzt tiefer in die Tasche greifen müssen und wie das Unternehmen die Spritkostensteigerung bewertet.
Mehr Artikel