Seit dem Jahreswechsel müssen Autofahrer im Schnitt bis zu 10 Cent mehr für den Liter zahlen - angeblich wegen der CO2-Abgabe. Forscher widerlegen das jetzt.
Zum Jahreswechsel ist der Spritpreis regelrecht in die Höhe geschnellt. Der ADAC bestätigt: Diesel verteuerte sich im Januar im Schnitt an den Tanksäulen in Deutschland um 9,4 Cent, Super E10 um 8,6 Cent. Inzwischen ist Kraftstoff sogar noch einmal etwas teurer geworden. Laut aktueller ADAC-Auswertung kostete Super E10 zuletzt Mitte Februar im bundesweiten Schnitt 1,758 Euro. Für den Liter Diesel waren 1,711 Euro fällig.
Forscher: Auktionen beginnen erst im Sommer
Eine Erklärung für den Preissprung: die gestiegene CO2-Abgabe. Tatsächlich erhöhte sich der CO2-Preis zum Jahreswechsel auf einen Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne. Im Vorjahr lag er fix bei 55 Euro pro Tonne. Jetzt soll an die Stelle des bisherigen festen CO2-Preises aber ein marktbasiertes Versteigerungssystem für CO2-Zertifikate treten. Offiziell starten die Auktionen allerdings erst am 1. Juli.
Das Essener „RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung“ hat nun nachgerechnet - und stellt fest: Der höhere CO2-Preis rechtfertigt nur einen Aufschlag von maximal 2,8 Cent bei Benzin und 3,2 Cent bei Diesel – inklusive Mehrwertsteuer. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Belastung zwar gestiegen, so RWI-Wissenschaftler Manuel Frondel. Das erkläre aber nur etwa ein Drittel des Preissprungs an den Tankstellen.
CO2-Preiserhöhung macht maximal ein Drittel an der Spritpreisexplosion aus
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie „en2x“ kommt auf ähnliche Zahlen wie das RWI: 2025 verursachte der CO2-Preis demnach einen Aufschlag von 13,2 Cent (Benzin) und 14,7 Cent (Diesel). In diesem Jahr sind es rein rechnerisch bis zu 15,6 Cent (Benzin) und 17,4 Cent (Diesel). Das sind gegenüber dem Vorjahr bis zu 2,4 Cent mehr für Benzin sowie 2,7 Cent mehr für Diesel und Heizöl.
Wissenschaftler Frondel: Differenz von 4 Cent soll mir mal einer erklären
Selbst wenn man den gestiegenen Ölpreis für die Nordseesorte Brent und die Wechselkurse berücksichtigt: Der Spritpreis ist an der Zapfsäule zu teuer - und zwar laut RWI um diese Schwankungen bereinigt im Vergleich zum Dezember um 6,5 Cent für den Liter Super E10 und um 7,4 Cent für Diesel. „Zieht man davon die maximal gerechtfertigten 2,8 Cent bei Benzin und 3,2 Cent bei Diesel für die CO2-Abgabe noch ab, bleibt immer noch eine Differenz von rund 4 Cent je Liter“, rechnet RWI-Forscher Frondel auf Anfrage der „Freien Presse“ vor. „Das soll mir mal einer erklären! Ich finde, die Verbraucher haben ein Recht darauf, zu wissen, was da jetzt eingepreist wird, obwohl die Auktionen erst im Sommer beginnen.“ Er sehe da auch die Aufsichtsbehörden in der Pflicht.
Zocken die Mineralölkonzerne die Autofahrer ab?
Der ADAC hat eine Vermutung. „Da von Juli an eine Verknappung durch die Auktionen theoretisch möglich ist, kalkulieren Anbieter oft mit Werten im oberen Bereich des Korridors“, zitiert die „FAZ“ einen Sprecher des Automobilclubs. Das bedeutet: Weil die Mineralölkonzerne auf hohe Preise bei den Zertifikate-Versteigerungen ab 1. Juli „wetten“, zahlen die Autofahrer schon jetzt fast den vollen Preis für die CO2-Abgaben.
Für 2027 prognostiziert der ADAC einen noch stärkeren Preisanstieg an der Zapfsäule. Wie die Tagesschau berichtet, geht der Automobilclub um bis zu 19 Cent mehr pro Liter Benzin und Diesel aus. Hintergrund ist auch hier die Reform des Emissionshandels. Dieser wird ab 2027 auch auf den Verkehrssektor und Gebäudewärme umgelegt. (juerg)





