Überlastete Krankenhäuser: Sachsen sucht Helfer per Internet-Portal

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Im Freistaat werden mehr Patienten stationär aufgenommen als derzeit ausgeflogen. Krankenhauscluster Südwestsachsen am stärksten betroffen.

Dresden.

Die Krankenhäuser in Sachsen sind durch die vielen Corona-Patienten nach wie vor am Limit. Laut Sozialministerin Petra Köpping (SPD) werden derzeit mehr Menschen in den Krankenhäusern aufgenommen als in andere Bundesländer ausgeflogen werden. Das sagte Köpping auf einer Video-Pressekonferenz in Dresden. Bislang seien 22 Patienten über das Kleeblatt-System in andere Bundesländer verlegt worden, fünf weitere Patienten seien dafür bereits ausgewählt worden.

Um die Pflegerinnen und Pfleger in den Krankenhäusern zu unterstützen, will die Landesregierung noch am Donnerstag ein Internetportal freischalten, in dem sich Freiwillige zur Unterstützung melden können. Unter anderem sollen damit Krankenpfleger, Studenten und Freiwillige zur Administration angesprochen werden. Auch Ärzte werden gesucht - auch solche, die bereits im Ruhestand sind. Die Freiwilligen sollen sich per Internet, Telefon oder direkt bei den Krankenhäusern melden können.

Eine ähnliche Aktion gibt es bereits für die Impfaktion in Sachsen. Dort habe es bislang etwa 700 Rückmeldungen gegeben, so Köpping.

Derzeit befinden sich 2074 Covid-Patienten auf den Normalstationen, 609 auf den Intensivstationen. In den kommenden 14 Tagen rechnet die Sozialministerin mit einem besonders starken Anstieg bei den Krankenhauseinweisungen. Am stärksten betroffen sei derzeit das Krankenhauscluster Chemnitz, welches Südwestsachsen umfasst.

Der zuletzt leicht gesunkenen Inzidenz in Sachsen will Köpping noch nicht ganz trauen. Aufgrund der nach wie vor sehr hohen Fallzahlen würde es zu Meldeverzögerungen kommen, die die Aussagekraft der täglich gemeldeten Zahlen schmälert.

Die Anzahl der täglichen Impfungen konnten im November planmäßig erhöht werden. Bei 72 Prozent der durchgeführten Immunisierungen handelte es sich um Booster-Impfungen. In den kommenden Wochen sollen die Kapazitäten erneut erhöht werden. Die Impfstellen in Chemnitz, Dresden und Leipzig sollen ausgebaut werden, die festen und mobilen Impfangebote werden erweitert. In der vergangenen Woche habe es zudem erstmals mehr als 100.000 Impfungen in den Arztpraxen gegeben.

Krankenhäuser an Belastungsgrenze

Hinter den sächsischen Krankenhäusern liegen bereits jetzt harte Wochen, so Sachsens Krankenhauskoordinator Michael Albrecht am Donnerstag. Es habe teils sprunghafte Anstiege bei Patientenzahlen gegeben - das sei auch nach wie vor der Fall. Das Stress- und Frustrationslevel der Angestellten in den Kliniken sei teils sehr hoch. In Hinblick dessen zeigt sich Albrecht froh über das Portal für zusätzliche Kräfte.

Pro Nacht gebe es 180 Anrufe, um die Patientenverteilung innerhalb von Sachsen zu koordinieren. Das Ziel der Umverlegungen sei es, Zustände wie in Bergamo zu verhindern. Bislang habe das auch gut funktioniert. Die Verlegung von Intensivpatienten sei aber ein enormer Aufwand.

Auch Albrecht weist darauf hin, dass das Ausfliegen von Patienten auf Dauer nicht reicht - auch, weil in anderen Teilen Deutschlands ebenfalls immer mehr Patienten in den Krankenhäusern ankommen.

Aufgrund des hohen Anteils von Covid-Patienten finde in Sachsens Krankenhäusern bereits seit Wochen eine Priorisierung von Behandlungen statt. Von Triage will Albrecht deshalb aber nicht sprechen - die Entscheidungen seien koordiniert und überlegt. Albrecht wies zudem mit Nachdruck darauf hin, dass bei der Behandlung nicht zwischen Geimpften und Nichtgeimpften unterschieden werden soll. Damit wolle er Gerüchten vorbeugen.

Für die kommenden Tage und Wochen zeichnet der Krankenhauskoordinator aber ein düsteres Bild. Es sei abzusehen, dass weitere Betten geschafft werden und Kapazitäten "herausgepresst" werden müssen. Dies werde weitere Einschränkungen im Normalbetrieb als Folge haben. (luka)

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