Besetztes Grundstück in Dresden geräumt: Demo gegen Einsatz

Protest gegen Wohnungsnot ist auch in Dresden nichts Neues. Seit dem Wochenende halten Akteure ein Grundstück in der Neustadt besetzt - bis die Polizei die Häuser räumt.

Dresden (dpa/sn) - Nach fünftägiger Besetzung in der Dresdner Neustadt hat die Polizei am Mittwoch die drei leerstehenden Häuser und das Grundstück geräumt. Insgesamt verließen 21 Personen das Areal, acht davon freiwillig, wie ein Sprecher sagte. Sechs von ihnen mussten zur Feststellung ihrer Identität in Gewahrsam genommen werden. Acht Hausbesetzer wurden von speziell für solche Fälle geschulten Beamten des Spezialeinsatzkommandos (SEK) sicher von den Dächern zweier Gebäude sowie von einem Baum geholt und dann wie vier weitere aus den Häusern und dem Gelände getragen. «Die Räumung ist beendet.» Der Einsatz an der Königsbrücker Straße dauerte mehr als acht Stunden, daran waren etwa 200 Beamte beteiligt. Nach Angaben des Polizeisprechers verlief er friedlich.

Die Hausbesetzer sprachen hingegen von einem unverhältnismäßigen Vorgehen der Polizei. «Wir finden es bezeichnend, mit welchen Repressionen Menschen überzogen werden, die nichts anderes tun, als leerstehenden Raum zu nutzen», sagte Lann Schmidt, Sprecher des Bündnisses «Wir besetzen Dresden». Besonders der SEK-Einsatz gegen die nach ihrer Meinung friedliche Besetzung sah die Gruppe kritisch: «Konfrontativer hätte man diese Situation kaum lösen können.»

Bei einer Kundgebung gegenüber dem Gelände protestierten nach Polizeiangaben rund 50 Menschen gegen die Räumung. Ein Drittel der Teilnehmer setzte sich auf die für den Verkehr gesperrte Straße - eine Nord-Süd-Verbindung in der Landeshauptstadt - und ignorierte Aufforderungen, auf den Fußweg umzuziehen. «Trotz allem ist die Lage entspannt und friedlich», sagte der Polizeisprecher. «Sie sind nicht auf Kampf aus, wollen aber auch nicht von sich aus gehen.»

Plakate und Transparente mit Forderungen wie «Leerstand zu Wohnraum» an Fassade und Grundstückszaun zeugten vom Protest der Organisatoren gegen Mietwucher und Wohnungsnot in der Stadt. Sie wollen, dass das verfallende Gelände als Wohn- und Begegnungsort unabhängig genutzt werden kann. Die Pläne, die unter anderem einen Gemeinschaftsgarten, eine offene Fahrradwerkstatt und Veranstaltungsräume vorsehen, lägen dem Eigentümer vor. Der begann nach erfolgter Räumung damit, die Gebäude vor unbefugtem Zutritt zu sichern.

Das Bündnis «Wir besetzen Dresden» hatte am Freitag ein Grundstück mit drei leerstehenden Häusern in der Dresdner Neustadt besetzt. Auf diese Weise sollte das verfallende Gelände nutzbar gemacht werden. Am Montag stellte der Eigentümer, die Argenta KG aus München, Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung. Man werde sich auch in Zukunft mit allen rechtlich zulässigen Mitteln gegen die rechtswidrige Besetzung zur Wehr setzen, hieß es. Das Bündnis erklärte indes, «dass man nicht aufhören werde, den Leerstand in der Stadt zu problematisieren und für ein Recht auf Stadt für alle Menschen zu streiten».

11Kommentare
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  • 2
    4
    Freigeist14
    24.01.2020

    Malleo@ ATTAC zum Beispiel . Die Bewegung ,die den Status der Gemeinnützigkeit entzogen bekam . So ein Pech aber auch .

  • 7
    4
    Malleo
    23.01.2020

    EZB, Null Zinsen.
    Ergo, Betongeld als Renditechance.
    So funktioniert Kapitalismus.
    Wer besetzt die EZB?

  • 3
    10
    Freigeist14
    23.01.2020

    peggi@ Na , zum Glück wurden Sie nicht gefragt . Der Andere Kommentator sieht gleich beim Vergleich Rendite=Wohnraum die Gesellschaft in Gefahr . Der Ring Deutscher Makler wird sich bedanken können .

  • 5
    1
    Hinterfragt
    23.01.2020

    "...Aber in Chemnitz wird wohl kein leer stehender Raum besetzt und genutzt ..."

    Leipziger Straße...

  • 11
    2
    peggi
    23.01.2020

    Frei...: wir wollen hier keine Haarspalterei betreiben. Natürlich gibt es keine legalen Hausbesetzungen. Ja, es gibt Wohnraum als Rendite Objekt. Trotzdem kein Grund illegal Häuser zu besetzen.

  • 4
    1
    Interessierte
    23.01.2020

    Diese Häuser sehen aus wie die 2 Villen am Dresdner Platz und die Villa an der Ecke Gellertstraße und die auf der StraNa vor der Zöllnerstraße

    Und dann steht noch das Schlößchen auf der Dresdner ..
    Und dann steht noch das Wohnhaus an der Ecke Hainstraße / Augustusburger
    Und an der Müllerstraße steht noch das Kippig-Haus
    Und an der Hartmann-/ Ecke an der Markthalle stehen hüben und drüben Häuser leer
    Und ggü. der Kaßbergauffahrt …
    Und am Zöllnerplatz fallen die Häuser in sich zusammen ...usw. Palmstraße …

    Aber in Chemnitz wird wohl kein leer stehender Raum besetzt und genutzt ???
    Es gibt noch genug leeren Wohnraum und es wird recht viel neu gebaut ……..

  • 13
    0
    acals
    23.01.2020

    Zumindest ein wenig Zurückhaltung ist angeraten, wenn man die Kapitalisten anprangert sie hätten nur die Rendite bezgl Wohnraum in Sicht.

    Angebot und Nachfrage. Wenn Angebot knapp und Nachfrage hoch können die Preise steigen. Dt. hatte in 2019 Rekordbevölkerung - die soll sich nicht aus der geburtenrate speisen, sondern der Zuzugsrate, "hört man unken". Liest man schwarz-auf-weiss!

    Wasser auf die Mühlen derer, die meinen das 1.5 Mio "Zuzügler" auch nachhaltig uns verändern - die ausufernden Mietpreise könnten hierfür als Beleg herangezogen werden.

  • 3
    11
    Freigeist14
    23.01.2020

    Peggi@ zeigen Sie mir doch mal legale Hausbesetzungen .Zum Thema Wohnraum als Renditeobjekt schweigen Sie sich aus .

  • 14
    2
    peggi
    23.01.2020

    Frei...: Und da besetzt man einfach illegal Häuser? "Interessante" Rechtsauffassung" offenbar von linker Seite.

  • 5
    16
    Freigeist14
    23.01.2020

    peggi@ jetzt verstehen ich auch Ihren Einwand zur Schreckensherrschaft in Karl-Marx-Stadt . Das in Dresden die Mieten seit 2012 explodiert sind scheint Sie ja brennend zu interessieren .

  • 15
    5
    peggi
    23.01.2020

    Richtig so, und das mit ALLEN illegal von linksextremen besetzten Häusern in Berlin, Leipzig, Hamburg usw. Genauso.



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