Betonkrebs auf A 4 bremst Autofahrer in Sachsen aus

Jahr für Jahr müssen schadhafte Abschnitte erneuert werden - wie derzeit auf der A4 bei Glauchau. Nun werden alle Betonpisten untersucht.

Chemnitz.

Es vergeht kein Jahr, in dem nicht ein Autobahnabschnitt zum Flickenteppich wird. Die Ursache: Betonkrebs. Aktuell ist ein zwölf Kilometer langer Abschnitt auf der A4 zwischen der Parkplatzanlage "Am Angerberg" bei Glauchau und der Landesgrenze zu Thüringen betroffen. Die Schäden hätten dort in den letzten Jahren stark zugenommen, erklärte das Verkehrsministerium in Dresden. Autofahrer müssen das Tempo teils auf bis auf 60 km/h drosseln. Doch während ein erstes Stück zwischen der Pleißetalbrücke Crimmitschau und der Anschlussstelle Meerane in Richtung Chemnitz bereits erneuert wurde, müssen sich auf den übrigen Abschnitten Reisende in Geduld üben: Die Schadensbeseitigung soll erst im Dezember 2021 abgeschlossen werden. Betonkrebsschäden äußern sich darin, dass die Fahrbahnen vor allem im Bereich der Fugen aufplatzen. Ursache ist Kies, der zu viel lösliche Kieselsäuren enthält. Wird der nass, bildet sich ein quellfähiges Alkali-Kieselsäure-Gel, das weiteres Wasser aufsaugt. Dadurch bläht sich sein Volumen auf - der Belag platzt.

Ein Problem: Schäden auf Betonstrecken lassen sich nicht grundsätzlich der Alkali-Kieselsäure-Reaktion zuordnen, so das Ministerium. Man könne daher auch nicht sagen, wie viele Autobahnkilometer insgesamt betroffen seien. Es laufe aber ein Forschungsvorhaben, um künftig Schäden genau einzustufen. Die Bundesanstalt für Straßenwesen hat zudem 2019 alle Betonpisten befahren lassen, um potenziell geschädigte Teilstücke zu dokumentieren. Vor Mitte 2020 sei aber nicht mit einem Bericht zu rechnen, hieß es. Den Angaben nach werden jährlich etwa 40 Kilometer Richtungsfahrbahnen erneuert - also auf gut 20 Kilometern Autobahnstrecke. Das betreffe sowohl Fahrbahnen aus Beton als auch aus Asphalt. Sachsens Autobahnnetz hat eine Länge von 570 Kilometern, davon wurden 340 Kilometer Strecke in Betonbauweise errichtet. Dies ist teurer als der Bau mit Asphalt. Dafür sollten die Pisten doppelt so lange halten - bis zu 30 Jahre. Doch das ist wohl nicht der Fall: Laut Ministerium waren die Betonstraßen, die in den letzten Jahren erneuert werden mussten, zwischen 15 bis 20 Jahre alt. Der Beton auf dem A-4-Abschnitt ist 16 Jahre alt. An den nun sanierten Abschnitten dürfte aber kein Betonkrebs mehr auftreten, so das Ministerium.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst wirft dem Freistaat unzureichendes Bautempo vor. In anderen Bundesländern gehe das schneller. "Wenn für die Instandsetzung von knapp zwölf Kilometern über zwei Jahre vergehen müssen, ist das für eine derart stark befahrene Autobahn völlig unbefriedigend", so Herbst. Das Ministerium erklärte, die Sanierung könne aus technologischen Gründen nicht in einer Bausaison realisiert werden. Das liege an der Verkehrsführung - hier gebe es je Richtung drei Fahrstreifen und zwei Anschlussstellen.

5Kommentare
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  • 7
    0
    Malleo
    15.11.2019

    Es war die typische Ignoranz der Alleskönner.
    An der Bauakademie in Weimar gab es Forschungen, Gutachten und Hinweise aus welche Gruben keine Zuschlagstoffe verwendet werden dürfen.
    Das alles wurde auch der DEGES übergeben.
    Nach dem Motto, was kümmert es den Mond, wenn ihn ein (Ost)Hund anbellt.
    Verantwortliche vor Gericht?
    Ab und unter den Teppich.

  • 5
    0
    noersch
    15.11.2019

    Ich habe in den letzten zwei Jahren öfter bayrische Autobahnen benutzt,man staunt nur wie flott da gebaut wird,könnte es sein ,daß die letzten drei Verkehrsminister aus diesem Bundesland kommen.In Sachsen ob A4 oder A72 gibt es immer nur Ausreden.Schade das die A72 von Chemnitz nach Leipzig nicht in Bayer liegt-sie wäre bestimmt schon vor 10 Jahren fertig geworden.

  • 3
    0
    Nixnuzz
    15.11.2019

    Vielleicht hätte man miteinander Erkenntnisse durch Tellerrand-überschreitende Gespräche austauschend führen müssen(dürfen..) Ob: billig- billig die Entscheidung betraf oder schnell-schnell? Ich erinnere mich an Artikel in der Zeitung, als die "Schürfrechte" für Kies im Bereich meiner Heimatstadt in Relation zur Baugenehmigung der A44 standen. Welchen Kampf die Bauleiter gegen die "vor-Ort-Lobby" führen mussten, weil das Baumaterial vor Ort nicht geeignet war. Die A44 ist dort seit ca. 1975 in Betrieb.

  • 14
    1
    Hinterfragt
    15.11.2019

    ...warum man diese Erfahrungen beim Autobahnbau ignoriert hat...."
    Devise: Billig, billig ...

  • 17
    0
    hkremss
    15.11.2019

    Die Problematik der Alkali-Kieselsäure-Reaktion ist schon seit Jahrzehnten bekannt, vor allem von bröselnden Beton-Eisenbahn-Schwellen aus Ostseekies schon zu DDR-Zeiten. Es ist mir völlig unverständlich, warum man diese Erfahrungen beim Autobahnbau ignoriert hat.



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