Bilanz: So wütete Sturm "Eberhard" in der Region

Das Tiefdruckgebiet hat Bäume umgerissen, Häuser abgedeckt - und sorgte für Hindernisse auf den Straßen der Region.

Chemnitz/Dresden.

Mit starken Böen ist Sturmtief "Eberhard" am Sonntagabend über Sachsen gezogen. In Chemnitz und Leipzig wurden sogar Orkanböen gemessen, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte. Auf der A 72 bei Chemnitz zog sich ein 47-Jähriger schwere Verletzungen zu, als der Wind seinen auf dem Seitenstreifen angehaltenen Kleintransporter zum Umkippen brachte. Bei anderen sturmbedingten Unfällen wurden zwei weitere Menschen durch umstürzende Bäume in ihren Autos leicht verletzt. 

Notrufzentrale Chemnitz zeitweise überlastet

In Chemnitz wurde das Dach eines Pflegeheims an der Gaußstraße im Stadtteil Siegmar massiv beschädigt. Die Trümmerteile mussten laut Feuerwehr aufwändig von einem angrenzenden Gebäude mittels Drehleiter und Kran entfernt werden. Ein Teil des Gebäudes wurde aus Sicherheitsgründen gesperrt. Eine Kita in Glösa musste geschlossen werden, da ein Baum auf das Gebäude gestürzt war.

Die Feuerwehr Chemnitz meldete 170 sturmbedingte Einsätze. Im Einsatz waren die drei Löschzüge der Berufsfeuerwehr sowie 15 Einheiten der freiwilligen Feuerwehren der Stadt. Insgesamt rückte die Polizei in Chemnitz laut ersten Schätzungen allein am Sonntagabend zu rund 500 Einsätzen aus. Teilweise sei die Notrufzentrale überlastet gewesen, sagte ein Sprecher.

Das Wildgatter Oberrabenstein blieb am Montag geschlossen, um Schäden zu sichten. Auch am Dienstag wird die Einrichtung geschlossen bleiben, teilte die Chemnitzer Stadtverwaltung mit.

Windböen mit mehr als 100 Stundenkilometern sorgten am Sonntagabend am Landgraben (S246) zwischen Wüstenbrand und Mittelbach dafür, dass eine große Fichte auf die Straße kippte. Ein Auto fuhr in den umgestürzten Baum. Gegen 20 Uhr wurden die Feuerwehren von Mittelbach und Oberlungwitz alarmiert und rückten mit mehreren Fahrzeugen an. Eine Person wurde vor Ort im Rettungswagen behandelt. Da sich weitere Bäume im Sturm bedenklich neigten, war der Einsatz für die Feuerwehrleute nicht ungefährlich.

Die B169 zwischen Lößnitz und Aue war wegen mehrerer umgestürzter Bäume in beide Fahrtrichtungen gesperrt. Dort war am Sonntagabend ein Geländewagen von einem Baum getroffen worden. Der 58-jährige Fahrer erlitt schwere Verletzungen. Am Sonntagabend fiel außerdem ein großer Ast auf die Windschutzscheibe eines auf der S 34 fahrenden VW. Verletzt wurde der 31-jährige Fahrer dabei nicht. 

Ungefähr zwei Kilometer vor der A72-Anschlussstelle Rochlitz erfasste am Sonntagabend eine Sturmböe einen auf dem Seitenstreifen mit eingeschaltetem Warnblinklicht stehenden Iveco-Kleintransporter. Dieser kippte um. Der 44-jährige Fahrer wurde in einem Krankenhaus aufgenommen. Die Richtungsfahrbahn war für knapp drei Stunden gesperrt.

Stromausfälle in Chemnitz und Umgebung

In Chemnitz kam es infolge des Okantiefs in mehreren Stadtteilen zu Stromausfällen, weil Bäume in Freileitungen gefallen waren. Betroffen waren laut Energieversorger Eins insgesamt rund 400 Haushalte in Glösa, Adelsberg, Reichenhain und Schönau und Rabenstein. "Wir haben über Nacht unseren Bereitschaftsdienst verstärkt und arbeiten mit allen Kräften an der Wiederversorgung", sagte ein Unternehmenssprecher. Auch in Oberlungwitz war am Montagmorgen teilweise die Stromversorgung ausgefallen, nachdem der Sturm Leitungen beschädigt hat.

Mittelsachsen: Bis zu 10.000 Kunden ohne Strom

Feuerwehren in Frankenberg und Umgebung waren in der Nacht zum Montag 15-mal unterwegs. Umgestürzte Bäume waren im Volkspark, am Schilfteich und auf der Lützelhöhe gemeldet worden. Im Ortsteil Langenstriegis fiel ein Baum in eine Stromleitung. Das größte Aufsehen verursachte ein Einsatz an der Neubauer-Schule. Dort hatten Sturmböen Teile des Daches abgedeckt. Um einen Dachschaden musste sich die Mittweidaer Feuerwehr in der Nacht zum Montag auf der Bernhard-Schmidt-Straße kümmern. Dort war ein Baum auf ein Haus gefallen. Die Sturmschäden in Hainichen schätzt Stadtwehrleiter Sandro Weiß auf eine fünfstellige Summe. Die Wehr wurde bis Montagmittag zu 20 Einsätzen gerufen, um Gefahrenstellen zu beseitigen. So hatte der Sturm eine leerstehende Scheune an der Nossener Straße einstürzen lassen. Viele Bäume landeten auf Autos oder in Freileitungen. Auch Dächer wurden beschädigt.

In der Gemeinde Rossau waren laut Bürgermeister Dietmar Gottwald "unzählige Bäume" unter anderem im Nonnenwald und Rossauer Wald von Sturmfolgen betroffen. Mehrere Strommasten einer Freileitung waren in Oberrossau umgefallen. Zeitweise bis zu 10.000 Kunden in Mittelsachsen waren laut Mitteldeutscher Netzgesellschaft vom Stromausfall betroffen, darunter Einwohner von Oberschöna, Oederan und Dittersbach. Der Staatsbetrieb Sachsenforst sperrte aufgrund der wachsenden Gefahr, dass weitere Bäume umstürzen könnten, Waldgebiete im Forstbezirk Chemnitz. Laut Sachsenforst-Referentin Annette Waechter betrifft dies unter anderem den Rossauer Wald, den Hainichener Wald, den Zellwald und den Nonnenwald.

Über 40 Einsätze im Landkreis Zwickau und im Vogtlandkreis

Beamte der Polizeidirektion Zwickau rückten ab Sonntagnachmittag zu mehr als 40 Einsätzen wegen Unwetterschäden im Landkreis Zwickau und dem Vogtlandkreis aus. Meist führten umgestürzte Bäume zu Einsätzen, außerdem waren Dachziegel von Dächern gefallen und Strommasten umgeknickt.

Windböen von mehr als 100 Stundenkilometer sorgten am Landgraben (S246) zwischen Wüstenbrand und Mittelbach dafür, dass eine große Fichte auf die Straße kippte. Ein Ford fuhr in den umgestürzten Baum. Dabei wurde die 59-jährige Fahrerin leicht verletzt.

In St. Egidien war auf der Achatstraße ein Baum auf die Motorhaube eines Skodas gefallen. Der 36-jährige Fahrer blieb unverletzt. In Glauchau stürzte eine Litfaßsäule auf ein Auto. Im Stadtteil Rothenbach war der Strom ausgefallen, weil ein Oberleitungsmast umgekippt und die Leitungen gerissen waren.

In Limbach-Oberfrohna stürzte ein Baum auf ein Auto, an dem Totalschaden entstand. In Callenberg stürzte ein Baum auf die Callenberger Straße. Ein 29-jähriger VW-Fahrer konnte nicht mehr bremsen. Er blieb bei dem Zusammenstoß unverletzt, es entstand Sachschaden von 4000 Euro. 

In Bergen im Vogtland fielen Oberleitungen auf zwei Autos. Schaden: 12.000 Euro.

Große Schäden im Sachsenforst

Der Staatsbetrieb Sachsenforst rechnet derweil damit, dass Sturm «Eberhard» am Wochenende größere Schäden angerichtet hat. Noch seien die Forstmitarbeiter draußen, um die Folgen zu begutachten, sagte Sachsenforst-Sprecher Renke Coordes am Montag. Es würden aber aus allen Teilen des Freistaates Waldschäden gemeldet.

Etwa 2500 Bäume sind am Sonntag allein im Forstrevier Grünheide umgeknickt. Das Ausmaß sei mit dem Sturmtief "Friederike" vergleichbar, sagte Sprecherin Christin Leuschner. "Hauptsächlich sind Fichten auf nassen Standorten am Vogtlandsee sowie zwischen dem Zinsbachtal und Albertsberg, aber auch auf Bergkuppen umgekippt. Wegen ihrer flachen Wurzel finden die Fichten auf diesen Standorten keinen Halt." Die Waldarbeiter würden die Wege am Montag freischneiden und am Dienstag mit den Aufräumarbeiten im Wald beginnen. "Die entstandenen Lücken werden genutzt, um standortgerechte Baumarten einzubringen", sagt Leuschner, die vor hohen Gefahren für Spaziergänger im Wald warnt. 

Nächstes Sturmtief schon auf dem Weg

Ganz so windig wie am Wochenende wird es in den kommenden Tagen in Mitteldeutschland nicht. "Aber es bleibt ungemütlich und nicht gerade frühlingshaft", sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes am Montag. Bis zum Abend können einzelne Gewitter auftreten. Bis in tiefere Lagen sind Schnee- oder Graupelschauer möglich. Vorübergehend besteht Glättegefahr. Im Bergland können in Staulagen bis 15 Zentimeter Neuschnee fallen. Dabei herrscht leichter Frost bei -1 bis -3 Grad, im Tiefland liegen die Temperaturen um 0 Grad. In der Nacht zum Dienstag sollen Wind und Schneeschauer nachlassen. Unterdessen greifen nach «Dragi» «Eberhard» am Sonntag greifen voraussichtlich am Dienstag «die Ausläufer von Sturmtief «Franz» auf Deutschland über. Bis zum Wochenende werde es «windig bis stürmisch bleiben, hieß es beim Deutschen Wetterdienst. (dpa/fa/ule/ar/jl/fhob/fp)

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