Bilderberg-Konferenz: Verschworen in Dresden

Um die Bilderberg-Konferenz ranken sich Mythen. Nun tagt sie ausgerechnet in Dresden. Was sagt Regierungschef Tillich dazu?

Dresden.

Für einen Geheimbund, der seit 62 Jahren angeblich geostrategische Weichen zum Wohle des Westens stellt, geben die "Bilderberger" dann doch recht viel preis. Zum Beispiel, wer mal ihr Chef war - Ex-Bundespräsident Walter Scheel - oder es gerade ist: Henri de Castries, Vorstandschef des französischen Versicherungskonzerns Axa. Neben Ex-EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sitzen im Lenkungsausschuss auch zwei Spitzendeutsche: Thomas Enders, Airbus, und Paul Achleitner, Deutsche Bank.

Seit ein paar Tagen verrät die Homepage auch noch den Tagungsort für das traditionelle Jahrestreffen 2016: Dresden. Ausgerechnet. Worüber mindestens 120 Führungskräfte aus Nordamerika und Westeuropa vom 9. bis zum 12. Juni im Taschenbergpalais sprechen, dürfte kurz vor dem Treffen dann in Schlagworten bekannt gemacht werden. So war es im Vorjahr, als die exklusive Runde aus Konzernchefs, Spitzenbankern, Lobbyisten und Ex-Staatschefs mit Gästen wie Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und dem ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger in einem abgeschiedenen Fünf-Sterne-Hotel in Tirol über so verheißungsvoll klingende Themen wie Griechenland, Iran, Nato, Russland, Terrorismus oder die US-Wahlen debattierte.

Was dabei herauskam, ist nicht bekannt. Dass über die Ergebnisse nichts verlautet, gehört zum Selbstverständnis der 1954 auf Einladung von Prinz Bernhard der Niederlande erstmals in seinem "Hotel de Bilderberg" zusammengekommenen Runde. Weder gebe es detaillierte Tagesordnungen, noch würden Beschlüsse gefasst oder politischen Statements veröffentlicht - Ziel sei die Förderung des Dialogs zwischen Europa und Nordamerika, heißt es. Als "Forum für ungezwungene Debatten über Megatrends und die Welt betreffende Probleme" sehen sich die "Bilderberger" selbst. Gemäß der sonst bei Hintergrundgesprächen von Politikern und Presse gebräuchlichen "Chatham House Rule" ist Vertraulichkeit oberstes Gebot: Danach steht es den Teilnehmern - zu denen auch schon der Grüne Jürgen Trittin, Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann oder Hessens Ex-Ministerpräsident Roland Koch (CDU) gehört haben sollen - zwar frei, die Informationen später zu nutzen. Von wem diese stammen, dürfen sie aber nicht aufdecken, auch nicht, mit wem sie da zusammengluckten.

Warum nach dem englischen Watford 2013, Kopenhagen 2014 und dem österreichischen Telfs-Buchen 2015 die 64. Bilderberg-Konferenz in Dresden stattfindet und damit erstmals überhaupt jenseits des früheren Eisernen Vorhangs, ist nicht bekannt. Auch nicht der sächsischen Regierung, die seit Dezember um den Bilderberg-Termin weiß, wie sie gestern mitteilte. Versuche, die erlauchte Runde vom Besuch ausgerechnet im zuletzt sehr demonstrationsfreudigen Dresden abzuhalten, habe es nicht gegeben - im Gegenteil: "Ich freue mich, dass die wichtigen Entscheidungsträger Dresden als Tagungsort gewählt haben", ließ Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) ausrichten - und sprach von einer Chance zur Werbung von Investoren für Sachsen.

Doch wie werden die Pegida-Anhänger auf das Treffen in zwei Monaten reagieren? In Tirol gab es 500 Demonstranten. Der auch gegen die hohen Sicherheitskosten für das streng abgeschirmte Treffen gerichtete Protest verlief friedlich, die Polizei hatte damals 2100 Beamte einsatzbereit. Wie hoch der Aufwand in Dresden sein wird, blieb gestern unbeantwortet - "aus Sicherheitsgründen". www.bilderbergmeetings.org

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9Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    HuiBui
    12.04.2016

    Hoffentlich vergisst kein Aluhutträger vom 9. bis zum 12. Juni seinen Mützchen aufzusetzen. Es könnte sonst sehr gefährlich werden.... :-)

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    Freigeist14
    12.04.2016

    Ich wünsche mir ein Bilderberg-Leaks,damit die Mutmaßungen und Spekulationen aufhören können.Und das Gutgläubige und Freunde der Macht anderer,mit ihrem Spott aufhören müssen.

  • 0
    0
    aussaugerges
    12.04.2016

    Das werden wohl die sein die ihr Geld woanders.........9

  • 1
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    Pixelghost
    12.04.2016

    @hkrmss, und die Illuminati und die Rothschilds.

  • 6
    2
    DerWundePunkt
    12.04.2016

    Das dumme Volk trabt zur Wahlurne und die Entscheidungen werden im teuersten Haus am Platz von denen getroffen, die von denen gesteuert werden, die ihr Kapital jeden Tag umschauffeln müssen. Das ist die "Demokratie" des Kapitalismus.

  • 5
    2
    DieWahrheit
    12.04.2016

    Was muss ich über so eine Konferenz wissen ? Sie ist undurchsichtig, Teilnehmer und -zahl sowie Themen sind bis kurz vor Beginn ganz geheim? Was also ist für mich dabei relevant? Als Bürger bleibe ich außen vor und egal "Wer" dort was sagt, entscheidet und..und. Es wird der Polizei und anderen Sicherungskräften viele Einsatzstunden kosten und der Steuerzahler, naja der bezahlt, obwohl sehr wohlhabendes Klientel vor Ort sein könnte. Geheim, da bin ich aber gespannt.

  • 2
    9
    hkremss
    12.04.2016

    Klapperstorch, Weihnachtsmann und Osterhase sind bestimmt auch da!

  • 10
    5
    aussaugerges
    12.04.2016

    Dort werden die Kriegsziele gesteckt.

  • 10
    3
    berndischulzi
    12.04.2016

    Dort wird die reale Politik gemacht, nicht in unseren Parlamenten.



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