Bombardierung Dresdens: Historiker warnt vor Relativierung

Dresden (dpa/sn) - Der Militärhistoriker Jens Wehner hat davor gewarnt, die Luftangriffe auf Dresden im Februar 1945 mit bis zu 25 000 Todesopfern für eine Umdeutung des Zweiten Weltkrieges zu missbrauchen und deutsche Schuld zu relativieren. Die Bombardierung sei «kein singuläres Ereignis» im Kriegsgeschehen gewesen, sagte der 41-Jährige der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. Es sei ein «normaler» Angriff mit einer ungeheuren Wirkung gewesen. Deshalb hätten auch viele Wissenschaftler darüber geforscht und publiziert: «In Tokio sind bei einem Angriff etwa 100 000 Menschen ums Leben gekommen. Beispiellos waren auch Hiroshima und Nagasaki

Die Frage, ob die Bombardierung Dresdens ein Kriegsverbrechen war, wird laut Wehner von einigen Völkerrechtlern bejaht. Man müsse das jedoch mit einem großen «Aber» versehen: «Man kann Dresden nicht ohne Kontext zum Kriegsverlauf sehen. Wenn Dresden ein Kriegsverbrechen war, dann waren das auch viele andere Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg – ob nun von Deutschen oder Alliierten begangen.» Dresden tauge nicht zur Umdeutung des Krieges. Es gebe auch keine Belege dafür, dass Tiefflieger hier Jagd auf Menschen gemacht hätten. Möglicherweise seien aber bei Luftkämpfen zwischen deutschen und amerikanischen Jägern am 14. Februar Salven bis zum Boden gelangt.

Wehner zufolge war Dresden im Februar 1945 kaum auf Luftangriffe vorbereitet. «Es gab so gut wie keine Luftverteidigungskraft. Auf dem Flughafen standen ein paar Nachtjäger, die unter Spritmangel litten. Die meisten Flugabwehrgeschütze waren abgezogen.» Die Bevölkerung habe geglaubt, dass Dresden als Kulturstadt verschont bliebe. Zu Kriegsbeginn hätten die Briten bei ihren Luftangriffen militärische Ziele ins Visier genommen, dann die Rüstungsindustrie. 1942 sei die Entscheidung gefallen, die Angriffe auf Wohnviertel auszudehnen - um die Moral der Deutschen zu treffen. Die Bombardierung Dresdens sei aber auch in Großbritannien kritisch gesehen worden.

Wehner ist Kurator am Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden und gilt als Experte für den Luftkrieg.

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