Bonpflicht in Sachsen weiter in der Kritik

Ab Januar gilt in den Läden die Bonpflicht. Zu jeder Ware muss dem Kunden ein gedruckter Kassenbeleg angeboten werden. Das soll Steuerhinterziehung erschweren. Handels- und Handwerksverbände fühlen sich gegängelt.

Dresden (dpa/sn) - Die Kritik an der ab Jahresanfang geltenden Bonpflicht im Einzelhandel reißt auch in Sachsen nicht ab. «Das passt nicht in unsere Zeit», sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Sachsen, René Glaser, in Dresden der Deutschen Presse-Agentur. Es sei ein «Gesetz auf dem Rücken des Einzelhandels». Diesem werde pauschal Kriminalität unterstellt. Glaser zufolge wird bei der Ausstattung von elektronischen Kassen mit zertifizierten technischen Sicherheitseinrichtung (TSE) eine zusätzliche Bonpflicht zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung nicht gebraucht. Die Pflicht zur Ausrüstung der Kassen mit einer TSE ist auf Ende September verschoben worden.

Zuvor hatte schon Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer die Bonpflicht als «Blödsinn» bezeichnet. «Die Betriebe fühlen sich gegängelt und vorgeführt», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die Unternehmen müssten viel in die neuen elektronischen Kassen investieren.

Der Präsident der Handwerkskammer Dresden, Jörg Dittrich, sprach von «falschen Auswüchsen der Bürokratie». Diese belaste die Handwerksbetriebe zusätzlich, erschaffe eine sinnlose Zettelwirtschaft und sei zudem schädlich für die Umwelt. Statt das Handwerk mit immer neuen Vorschriften und Hürden weiter einzuschränken, müsse der umgekehrte Weg eingeschlagen werden und endlich ein substanzieller Bürokratieabbau beginnen.

Vor allem die Bäcker waren gegen die Bonpflicht Sturm gelaufen. «Der Anteil der Kunden, die einen Bon brauchen, liegt bei unter drei Prozent», sagte der Dresdner Bäckermeister und Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks, Michael Wippler. In Zeiten, in denen unsere Betriebe und die Gesellschaft zunehmend auf Nachhaltigkeit und Abfallvermeidung achten, ist es geradezu unsinnig, wenn für den Kauf von ein paar Brötchen ein Kassenzettel gedruckt werden muss.»

Mit dem 2016 verabschiedeten Kassengesetz soll der Steuerbetrug etwa durch manipulierte Ladenkassen bekämpft werden. Dem sächsischen Finanzministerium zufolge werde mit der sogenannten Belegausgabepflicht nur eine Regelung eingeführt, die es schon in 21 weiteren EU-Ländern gebe. Die neuen Anforderungen erhöhten den Schutz vor Manipulation an den Aufzeichnungen der elektronischen Kassensysteme. Kunden hätten zudem zukünftig einen Anspruch auf Aushändigung des Bons. «Sie sind aber nicht verpflichtet, den Bon entgegen zu nehmen», hieß es.

Wie viel Steuern dem Staat etwa durch manipulierte Kassen entgehen, konnte das Ministerium nicht sagen. «Uns liegen keine konkreten Berechnungen vor», hieß es. Der in den Medien und einigen Länderministerien genannte Betrag von etwa zehn Milliarden Euro, der dem deutschen Fiskus in allen Branchen jährlich an Steuereinnahmen entgehe, werde aber als plausibel erachtet.

Kay Görner von dere Verbraucherzentrale Sachsen empfiehlt den Kunden, vor allem bei werthaltigeren Artikeln den Kassenbon mitzunehmen. Das sei vor allem bei Reklamationen ein Nachweis, den Gegenstand erworben zu haben. Ob die Bonpflicht für die Bekämpfung der Steuerhinterziehung erforderlich sei, könne er jedoch nicht beurteilen.

9Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    harzruessler1911
    05.01.2020

    https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/mann-besteht-auf-bonpflicht-nach-besuch-in-saunaclub-16566200.html

    Am Besten in dem Artikel gefiel, dass man nicht wüßte, warum der Mann auf den Kassenbon bestand :) man braucht also einen Grund??? Hat sich unser Gesetzgeber doch selbst eingebrockt, genau dies ist doch eine der Branchen, wo gewerbsmäßiges Schwarzgeld und Geldwäsche üblich sein dürfte.

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    Franziskamarcus
    26.12.2019

    Meine Aussage, wir brauchen Kassenbons, entbehrt nicht des Sarkasmusses. Da fehlt halt leider mein vorheriger Beitrag. Ich brauche keinen,beim Bäcker nicht, beim Fleischer nicht und beim bekannten, der mein Auto macht auch nicht. Wenn diese das Geld in die Hosentasche stecken, bleibt es wenigstens bei dem, der die Leistung erbrachte und hat was davon und verschwindet nicht beim gefräßigen Staat. Dafür werden diese Leistungserbringer schon genug gemolken,gegängelt und bestraft. Und deren Steuergelder sowie Abgaben verprasst.

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    Hinterfragt
    26.12.2019

    Man sollte das Schwarzbuch (https://www.steuerzahler.de/service/publikationen/das-schwarzbuch/) evtl. als Kassenbon werten ...

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    harzruessler1911
    26.12.2019

    @ vomdorf

    Ihrem jetzigen Beitrag stimme ich zu, (außer das es nicht an den Lehrern liegt, dazu später) gehe nun davon aus dass Ihr erster Beitrag, dass Sie die Bäckereiverk. heranzogen, wohl eher dem geschuldet war, weil dieses Thema meist im Zusammenhang mit Bäckereien gebracht wird.

    Auch ich habe mich schon sehr unglücklich ausgedrückt...

    Ich habe die Anfänge dieser unmöglichen Lehrweise in Bayern noch bei einem meiner eigenen Kinder erleben müssen. Aktuell hatten wir diese Diskussion bei einem meiner Neffen in Sachsen, da dort ebso vorgegangen wird.
    Sie haben vollkommen Recht, dass Sie die ausgedünnten Lehrpläne kritisieren. Aber diese werden von Lehrkräften oder ehemaligen Lehrern erstellt. Manche Dinge liegen auch im ermessen der Lehrer.

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    vomdorf
    26.12.2019

    @harz.....

    Ich weiß nicht welche Schulen Sie kennen. An denen, die ich kenne, wird schreiben und lesen anders gelehrt. Das unsinnige Einführen der Druckschrift vor der eigentlichen Schreibschrift können sich die Lehrer nicht aussuchen, weil es so im Lehrplan steht. Und dass kein Wert mehr auf Rechtschreibung gelegt wird liegt auch nicht an den Lehrern.

    Der Lehrplan in Mathematik wurde immer weiter ausgedünnt. Es müssen z.B nicht alle Malfolgen mehr auswendig gelernt werden. Und das sind nur wenige Beispiele die dazu führen, dass das Bildungsniveau sinkt.

    Ich habe übrigens grundsätzlich Achtung vor jeder Arbeit. Aber ich habe eben auch oft erlebt, wie schwer sich Schulabgänger mit einfachsten Rechenaufgaben tun, wenn keine „Rechenmaschine“ zur Hand ist. Und nach 46Jahren im Bildungssystem darf ich mir dieses Urteil erlauben.

    Franzis.... hat es eigentlich auf den Punkt gebracht....wir brauchen unbedingt Kassenbons.
    Ich werde meinen allerdings nur dann mitnehmen, wenn ich etwas gekauft habe, das Garantie hat.

  • 2
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    harzruessler1911
    26.12.2019

    @vornsdorf

    Ich verstehe Ihren Betrag als sarkastisch.
    Das Sie sich allerdings die Bäckereiverkäuferinnen heraus suchten, um die Spitze gegen unser Bildungssystem zu kritisieren finde ich schon daneben.
    Allerdings ist es in der Tat so, dass auch in meiner Region Ausbildungsbetriebe kritisiert hatten, dass es Bewerbern zum Teil an den Grundfähigkeiten in Rechtschreibung und Mathematik fehlte.
    U. a. liegt dies aber auch einer sehr merkwürdigen Lehrweise,:
    z. B. Das die Kinder in der Grundschule, erst mal alles falsch schreiben dürfen, ohne es korrigieren zu müssen. Geht es dann in die Übertrittszeit, werden je nach Lehrer, Schule sogar Rechtschreibung in naturwissenschaflichen Fächern bewertet. Jetzt sollen die Kinder plötzlich dass was sie zuvor über eine sehr langen Zeitraum falsch machen durften, plötzlich richtig machen. Wer profitiert davon, die Familien, welche die wirtschaftliche Grundlage haben sich z. B. Nachhilfe zu leisten, ein Elternteil kann zu Hause bleiben oder ähnliches oder das Kind gehört zu den wenigen begnadeten Hochintelligenten (meine nicht die die dahin getrieben wurden).

    Zu unserem Verkehrsminister haben Sie meinen Zuspruch, dazu hatte ich auch schon mal an anderer Stelle etwas gepostet.

    Jedem Menschen, welcher sein Geld durch harte Arbeit verdient, verdient auch unseren Respekt und unsere Achtung, egal ob Putzfrau oder Uniproffessor. Bei manchen Jobs bin ich froh, dass ich diesen nicht machen muss und habe bereits meinen Kindern vermittelt, dass es nicht in Ordnung auf diese Menschen herab zu schauen oder gar verbal herabzuwürdigen.

    Eine Nachweispflicht ist schon wichtig, aus meiner Sicht aber eher um diesen maffiösen Schwarzgeld Geschäften, einhält zu Gebieten. Ob allerdings eine Bon Pflicht hilft wage ich zu bezweifeln, denn selbst in meinem Bekanntenkreis bin ich die einzige Person welche auch aus dem Supermarkt immer einen Bon verlangt und diese unabhängig von der Summe aufbewahrt (das hat aber andere Gründe).

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    2
    Franziskamarcus
    26.12.2019

    Nachtrag:
    Wir brauchen Kassenbons.

    - Kohl hat keine Angaben über die angeblichen Parteienspender und die schwarzen Kassen der CDU gemacht, -> ohne strafrechtlichen Folgen.
    – Schäuble und die 100000.- DM Spende, nie richtig aufgeklärt, -> heute Bundestagspräsident.
    – SED lässt Millionen des DDR – Vermögens verschwinden, Gysi war wahrscheinlich behilflich, -> bis heute ein gern gesehener Politiker.
    – Rheinland-Pfalz: Nürburgring, Flugplatz Hahn, … , alles unter Kurt Beck , -> keine Ermittlungen keine Bestrafung .
    – BER: bis heute kein Verfahren wegen Unfähigkeit im Amt, Steuerverschwendung…
    – und wahrscheinlich 1000 Fälle mehr

  • 1
    6
    vomdorf
    26.12.2019

    Da das Bildungsniveau vieler, nicht aller !!!, Bäckereifachverkäferinnen so ist, dass sie eher nicht 87 Cent plus 76 Cent im Kopf addieren können, müssen sie die Kasse zu Hilfe nehmen....und somit ist die Summe doch registriert.

    Aber natürlich ist es richtig, dass gegen solche Steuerbetrüger hart durchgegriffen wird. Da fallen die paar Milliönchen, die durch die unausgegorenen Ideen unseres
    Verkehrsministers zu Buche stehen gar nicht ins Gewicht.

    Und am Ende des Tages fragt man sich..... immer wieder..... was stimmt bloß in diesem Land nicht mehr....

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    fnor
    25.12.2019

    Die Bonpflicht ist erforderlich. Nur so kann Druck auf die Händler ausgeübt werden, jeden Bezahlvorgang zu erfassen. Ansonsten kann an der Kasse vorbei und damit steuerfrei kassiert werden. Das schafft gleiche Bedingungen unter den Händlern, weil sich keiner die Umsatzstuer sparen kann. 10 Milliarden sind auch kein kleiner Betrag. Eine Kasse mit noch so guten Sicherheitsmechanismen, kann auch nur abspeichern, was eingegeben wurde. Dass man unbedingt Romane auf Thermopapier ausdrucken muss, ist leider die Schattenseite. Dafür findet sich sicherlich eine Lösung. Thermopapier abschaffen und kurze Kassenzettel wären ein Anfang.



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