Bündnis gegen Ärztemangel: Studienplätze und rollende Praxis

Vor allem auf dem Land fehlt es an Fach- und Hausärzten. Zusätzliche Studienplätze sollen langfristig Abhilfe schaffen. Zudem will Sachsen neue Modelle wie den «Medibus» testen.

Dresden (dpa/sn) - Für die Bekämpfung des Ärztemangels hat das Land Sachsen ein Bündnis mit Landesärztekammer, Kassenärztlicher Vereinigung, Krankenhausgesellschaft und AOK Plus gegründet. «Wir brauchen mehr Ärzte und neue Ansätze in der medizinischen Versorgung in Sachsen», sagte Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU) am Montag. Das in Dresden vorgestellte Papier sieht unter anderem Modellprojekte wie einen «Medibus» als rollende Arztpraxis, finanzielle Unterstützung für angehende Mediziner im Praktischen Jahr (PJ), Entlastung durch Assistenzpersonal sowie mehr Medizin-Studienplätze vor. Die Kosten für das geplante Paket liegen laut Klepsch bei rund 92 Millionen Euro.

Wichtigste Forderung des Bündnisses «Wir versorgen Sachsen» ist die Erhöhung der Medizinstudienplätze an den sächsischen Hochschulen um 100 pro Jahr. Dafür seien allein rund 20 Millionen Euro notwendig, so Klepsch. Man sei im Gespräch mit dem Finanzministerium. Die geförderten deutschsprachigen Studienplätze für Humanmedizin in Ungarn sollen auf 40 verdoppelt werden. Die Finanzierung dieser Studienplätze übernimmt den Angaben zufolge das Land Sachsen.

Nach einer aktuellen Studie des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung fehlen in Sachsen bis 2035 rund 300 Studienplätze jährlich, um den Bedarf an Ärzten zu decken. «Ein entscheidender Baustein bleibt für mich zudem die Einführung einer Landarztquote», betonte Klepsch.

Laut Klaus Heckemann, Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung, zeichnet sich vor allem in den ländlichen Gebieten ein Mangel an Fach- und Hausärzten ab. Das Bündnis will daher in den Modellregionen Weißwasser und Marienberg neue Ansätze wie Impfbusse sowie rollende Arztpraxen oder Patientenbusse testen, die Kranke zum Arzt bringen. Auch telemedizinische Lösungen sollen demnach eine Rolle spielen.

«Warum hat die Ministerin gewartet, bis die Landtagswahl vor der Tür steht?», kritisierte die Linke, die schon länger mehr Medizin-Studienplätze sowie eine Vergütung von Studenten im Praktischen Jahr fordert. Die 92 Millionen Euro reichten zudem «nie und nimmer», so Abgeordnete Susanne Scharper. Auch die SPD-Fraktion verwies darauf, erst im April ein Positionspapier für eine bessere medizinische Versorgung vorgelegt zu haben. Darin werden etwa der Aufbau von neuen Polikliniken, mehr Arztassistenzen zur Entlastung oder Zuschüsse für ein PJ im ländlichen Raum vorgeschlagen.

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