Bündnis plant Volksantrag für längeres gemeinsames Lernen

Sachsens Linke unterstützt eine Initiative, um Gemeinschaftsschulen zu ermöglichen. Reicht die Zeit, um alle Sachsen 2019 abstimmen zu lassen?

Hoyerswerda/Dresden.

Übermorgen will das Bündnis "Gemeinschaftsschule in Sachsen - Länger gemeinsam Lernen" seinen Volksantrag vorstellen, bereits am Samstag bekannte sich die Linke dazu: Der Landesparteitag in Hoyerswerda stimmte einmütig für die Unterstützung der Bürgerinitiative, die sich gegen die bisherige Aufteilung der Kinder nach Klasse vier in Oberschule oder Gymnasium richtet.

In dem ohne Gegenstimmen und bei wenigen Enthaltungen angenommenen Beschluss heißt es, dass die Initiative zwar nicht für das von der Partei geforderte "verpflichtende längere gemeinsame Lernen" eintrete, aber "den notwendigen ersten Schritt zur Realisierung unseres Anspruchs" gehe. Der Linken zufolge will das Bündnis, für dessen Präsentation am Mittwoch mit Professor Wolfgang Melzer auch ein Erziehungswissenschaftler und Schulforscher der TU Dresden angekündigt ist, eine Änderung des Sächsischen Schulgesetzes erreichen.

Demnach soll nach dem Vorbild von Thüringen das Optionsmodell eingeführt werden, um Schulen selbst entscheiden zu lassen. Dazu sei mit dem Schulträger - in der Regel die Gemeinden - das Einvernehmen herzustellen, heißt es weiter. Das Kultusministerium wiederum solle dann "an das Votum der Experten vor Ort" gebunden sein.

Linke-Fraktionschef Rico Gebhardt sagte, dass der Volksantrag "die unsinnige und erzwungene Trennung der Kinder nach Klasse 4 beenden" wolle. Zudem gab er an, dass die Unterschriftensammlung für den Volksantrag "hoffentlich" in wenigen Tagen starten werde - und die Linke in dem Bündnis neben "vielen anderen Initiativen und Verbänden" auch "mit Mitgliedern der SPD-Fraktion" zusammenarbeite. Für Gebhardt ist dieses Beispiel neben diversen parlamentarischen Initiativen seiner Fraktion mit den Grünen im Landtag ein Beleg dafür, dass es trotz der Regierungsbeteiligung der SPD rot-rot-grüne "Projekte zur Überwindung der konservativen Übermacht" gebe.

Die Regierungspartei CDU lehnt das längere gemeinsame Lernen kategorisch ab. Das von ihr geführte Kultusministerium stützte sich bislang darauf, dass Bildungswissenschaftler von Strukturreformen abrieten und diese in Zeiten des Lehrermangels "grob fahrlässig" wären. In der Bevölkerung ist die Forderung aber durchaus populär: Nach einer von der Linken in Auftrag gegebenen und bereits vor einem Jahr vorgestellten Umfrage lehnen 64 Prozent der Sachsen die bisher übliche Aufteilung nach Klasse vier ab.

In der DDR war das gemeinsame Lernen zunächst bis zur 8. Klasse, später sogar bis zur 10. Klasse Praxis. Für einen Volksantrag braucht es 40.000 Unterschriften. Stimmt der Landtag trotzdem nicht zu, wären mindestens 450.000 Unterschriften nötig, um einen Volksentscheid zu erzwingen, bei dem dann alle Sachsen abstimmen könnten. Als zumindest denkbarer Termin gilt die Landtagswahl am 1. September 2019.

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1Kommentare
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    vomdorf
    28.08.2018

    Na klasse....im Zuge der Wiedervereinigung musste unser gut funktionierendes Schulsystem unbedingt kaputt gemacht werden, weil nicht sein kann was nicht sein darf.
    Die Lehrerausbildung wurde derart zurückgefahren, dass man es schon als kriminell bezeichnen kann, die Schulgebäude sind dank vieler Schulschließungen so, dass man nicht einfach mal zwei Schuljahre mehr unterbringen kann.

    Man sollte erstmal dafür sorgen, dass gut ausgebildete Lehrer an die Schulen kommen, dass Seiteneinsteigern das beim Studium beigebracht bekommen, was sie an der Schule brauchen, denn ein Hochschulabschluss in irgendeinem Fach befähigt nicht zum Lehrer.

    Es gibt so viel zu tun....man muss nicht ständig eine andere Sau durchs Dorf treiben.



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