Burkhard Jung bleibt Oberbürgermeister in Leipzig

Der Amtsinhaber der SPD setzt sich knapp gegen Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow durch. Jung verspricht, die gespaltene Stadt wieder zu einen.

Leipzig.

Der Sozialdemokrat Burkhard Jung bleibt Leipziger Oberbürgermeister. Der 61-Jährige siegte am Sonntag nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis mit 49,1 Prozent der abgegebenen Stimmen. Er setzte sich gegen Sebastian Gemkow (CDU/47,6 Prozent) durch. Die dritte Kandidatin Ute Elisabeth Gabelmann (Piraten) kam mit 3,3 Prozent abgeschlagen auf Platz drei. Im zweiten Wahlgang benötigt ein Kandidat nur die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen für den Sieg.

Man habe gezeigt, dass die SPD Wahlen gewinnen könne, sagte Jung nach seinem Erfolg. "Zur Wahrheit gehört: Wir haben in der Tat eine gespaltene Stadt." Er wolle aber der "Oberbürgermeister aller Leipzigerinnen und Leipziger" sein und deswegen auch auf die anderen zugehen. Er zollte Gemkow seinen Respekt: Ihn könne man als Wissenschaftsminister aus Leipzig gut in Dresden brauchen.
Gemkow selbst beglückwünschte Jung zum Sieg, zeigte sich aber aufgrund des knappen Ergebnisses enttäuscht. Jung möge es gelingen, die gespaltene Stadt wieder zusammenzubringen, wünschte er sich. Man müsse nun zur Sachpolitik zurückkehren.

Im ersten Wahlgang am 2. Februar, bei dem insgesamt acht Kandidaten angetreten waren, hatte noch Gemkow mit 31,6 Prozent vorn gelegen. Jung kam damals auf 29,8 Prozent. In der Folge zogen die Kandidatinnen von Grünen und Linken zurück und unterstützten mehr oder weniger offen Burkhard Jung. Mit dem Amtsinhaber handelten sie im Gegenzug Zugeständnisse aus - unter anderem beim Umweltschutz und beim sozialen Wohnungsbau.

Zudem führten SPD, Linke und Grüne in den vergangenen Wochen einen Lagerwahlkampf, bei dem sie davor warnten, dass Leipzig im Falle eines Sieges des CDU-Kandidaten weniger weltoffen und weniger tolerant werden würde. Auch mutmaßten sie, dass die CDU und Gemkow, der in der sächsischen Union für eine eher liberale Politik steht, sich von den Stimmen der AfD abhängig mache. Der AfD-Kandidat trat zum zweiten Wahlgang nicht mehr an, gab aber keine Wahlempfehlung ab. Ebenso hielt es die FDP.

Jung hatte im Wahlkampf mit Vorwürfen zu kämpfen, er würde sich nur aus der Not heraus noch einmal um das Oberbürgermeisteramt bewerben. Er hatte im vergangenen Jahr versucht, Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes zu werden. Insgesamt waren 470.000 Leipziger am Sonntag aufgerufen, ein neues Stadtoberhaupt zu wählen. Die Wahlbeteiligung lag bei 48,4 Prozent.


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20Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    1
    Interessierte
    04.03.2020

    OB von der großen Stadt Leipzig scheint ein ausgesprochen anspruchsvoller Job zu sein , wie man bei der Wahl heraus hören konnte im SF

  • 0
    2
    gelöschter Nutzer
    03.03.2020

    Oder wegen!?

  • 4
    4
    gelöschter Nutzer
    03.03.2020

    Tb...: Also in Dresden sind die Touristenzahlen gestiegen trotz des Nazinotstandes.

  • 6
    4
    tbaukhage
    02.03.2020

    @all: peggi hat Recht! Wenn solche Leute Leipzig nun fernbleiben, werden die Touristenzahlen sinken - um ein, zwei oder drei, oder so.

  • 3
    9
    gelöschter Nutzer
    02.03.2020

    Distel...: Ein kleiner Teil sicherlich, das glaub ich gern.

  • 7
    7
    Distelblüte
    02.03.2020

    @peggi: Leipzig wird es Ihnen danken.

  • 7
    6
    gelöschter Nutzer
    02.03.2020

    Zeitung...: Wie "positiv" sich Leipzig unter Jung entwickelt hat man ja schon mehrfach anschaulich gesehen, z.b. Silvester, abgefackelte Kräne, Kriminalität in der Eisenbahnstraße usw. usw.

  • 7
    7
    Zeitungss
    02.03.2020

    @Peggy: Bleiben Sie mal samt Anhang, es kann nur positiv für Leipzig sein, anders kann man Ihre Zeilen nicht bewerten und man muss es auch nicht. Die Stadt wird ohne Ihre Anwesenheit überleben, schon einmal durchgerechnet ???

  • 9
    7
    gelöschter Nutzer
    02.03.2020

    Die linksextremistische Szenen wurde und wird ja in Leipzig viele jahre verharmlost, ja man könnte fast sagen gefördert. Das Ergebnis kann man in Connewitz und Leipzig allgemein anhand von gewalt und straftaten ja sehr gut sehen.

  • 6
    0
    saxon1965
    02.03.2020

    @Hankmann: "Mit steigendem Wohlstand differenzieren sich Gesellschaften anscheinend stärker. Zugleich sind die sozialen Gegensätze gewachsen, weil der wachsende Wohlstand eben sehr ungerecht verteilt ist."
    Das haben sie aber sehr höflich und wohlwollend formuliert.
    Ich würde sagen: Die zunehmenden sozialen Ungerechtigkeiten in Deutschland und der Welt vertiefen gesellschaftliche Spaltungen und werden zu Unruhen führen, über kurz oder lang.

  • 5
    9
    gelöschter Nutzer
    02.03.2020

    Ich denke mal es werden sich außer mir noch viele viele andere dafür entscheiden Leipzig in nächster Zeit NICHT zu besuchen. Die schwindenden Touristenzahlen werden es zeigen.

  • 3
    8
    MuellerF
    02.03.2020

    @Lesemuffel: Die Kriminalitäts-Brennpunkte in Leipzig finden sich (wie eigtl. in jeder Stadt) im Innenstadtbereich, d.h. weder in Connewitz, noch in der Eisenbahnstraße. Das sagen jedenfalls die erfassten Fallzahlen.Medial wird da jedoch oft ein anderes, mindestens unvollständiges Bild gezeichnet - Dramatisierung bringt eben Aufmerksamkeit.

  • 7
    5
    Hankman
    02.03.2020

    @Lesemuffel: Wie kommen Sie darauf, dass sich das unter einem OB Gemkow geändert hätte? Weil er CDU-Mitglied ist? Ich fürchte, Sie überschätzen die Möglichkeiten eines OBs. Er kann nicht ohne den Stadtrat und mit Notverordnungen regieren. In Connewitz und der Eisenbahnstraße ist vor allem die Polizei gefragt, und das ist Sache des Freistaates. Die Stadt kann nur unterstützend wirken, mit ihrem Vollzugsdienst, mit Konzepten, auch mit Dialog. In Connewitz macht eine kleine Minderheit immer wieder Stunk. Da ist auch die große Mehrheit der Bewohner gefragt, sich klar zu positionieren. Aber dass allein ein OB mit CDU-Parteibuch die kleine radikale Minderheit erzittern ließe, halte ich für abwegig.

  • 6
    4
    Zeitungss
    02.03.2020

    @Lesemuffel: Der CDU-Mann hätte wohl persönlich an diesen Brennpunkten Ordnung geschaffen ? Bleiben Sie mal etwas realistisch.

  • 12
    12
    Lesemuffel
    02.03.2020

    Damit haben sich die Leipziger dafür entschieden, dass die Brennpunkte Connewitz und Eisenbahnstrasse auch in Zukunft bleiben.

  • 12
    12
    tbaukhage
    02.03.2020

    @peggi: Schon allein deshalb hätte ich Jung gewählt!

  • 14
    7
    Zeitungss
    02.03.2020

    @peggy: Realistisch gesehen, Leipzig wird auf Sie auch verzichten können.

  • 16
    6
    Hankman
    02.03.2020

    Ach @Peggi, da hätten Sie die letzten 14 Jahre Leipzig immer weiträumig umfahren müssen. Denn so lange ist Jung im Amt. Die SPD stellt seit 1990 ununterbrochen den OB - und schauen Sie mal, welchen Weg die Stadt seither genommen hat! Man muss Jung nicht lieben, aber die Stadt ist cool und steht ziemlich gut da. Probleme gibt es natürlich auch. Die haben fast alle großen Städe, so oder so. Und der ländliche Raum hat noch mehr.

    Ob Leipzig wirklich so "gespalten" ist, kann ich nicht beurteilen. Ich bin immer skeptisch, wenn ich solche Formeln höre. Auch, wenn es um die Gesellschaft ganz allgemein geht. Es sind halt in der Welt Dinge in Bewegung, und nicht bei allen ist klar, wo das mal hinsteuert. Das macht vielen Angst. Unsere Gesellschaft ist stark fragmentiert, es gibt viele verschiedene Gruppen und Milieus mit völlig unterschiedlichen Interessen. Mit steigendem Wohlstand differenzieren sich Gesellschaften anscheinend stärker. Zugleich sind die sozialen Gegensätze gewachsen, weil der wachsende Wohlstand eben sehr ungerecht verteilt ist. Es gibt vielerlei Konflikte - manche muss man aushalten, andere muss man austragen. Aber bitte würdevoll, wenn's geht. Es könnte uns voranbringen. Aber dieses Jammern und Barmen, das man immer wieder hört, bringt uns nicht weiter.

  • 10
    17
    christophdoerffel
    01.03.2020

    Glückwunsch an Herrn Jung.

    Bleibt zu hoffen, dass in Chemnitz ein OBM gewählt, der die Stadt ähnlich voran bringt wie Herr Jung und seine Vorgänger Leipzig.

  • 8
    36
    gelöschter Nutzer
    01.03.2020

    Werde wohl in nächster Zeit NICHT mehr nach Leipzig fahren.