Casus-Zentrum in Görlitz: Zukunftsforschung an der Neiße

Im neugegründeten Casus-Zentrum in Görlitz wollen Wissenschaftler mit Hilfe von Superrechnern Lösungen unter anderem zur Energiewende entwickeln. Der Bund und Sachsen lassen sich das rund 11 Millionen Euro kosten. Auch für ein weiteres Görlitzer Forschungsprojekt gibt es grünes Licht.

Görlitz (dpa/sn) - Die Folgen des Klimawandels, der Aufbau des Sternensystems oder der Verkehr in einer Metropole - diese Themen haben eines gemeinsam: Es handelt sich um komplexe Systeme aus vielen unbekannten Größen und einem vielfältigen Ursache-Wirkung-Geflecht. Mit Hilfe neuartiger digitaler Methoden, Riesenrechnern und Künstlicher Intelligenz wollen Wissenschaftler des neugegründeten Casus-Instituts in Görlitz für diese Phänomene Zukunftslösungen entwickeln.

Zum Start des Casus-Zentrums für datenintensive Systemforschung am Dienstag kam auch Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU). «Casus wird zeigen, welche Chancen in der Digitalisierung für unsere Gesellschaft liegen», sagte sie. «Es ist ein fach- und grenzüberschreitendes Leuchtturmprojekt, das in der deutschen Forschungslandschaft gebraucht wird. Dieses Wissenschaftszentrum des 21. Jahrhunderts ist eine Chance für Görlitz, die Lausitz und Europa

Casus steht für Center for Advanced Systems Understanding. In dem deutsch-polnischen Forschungszentrum werden Mathematiker, Computer- und Datenwissenschaftler und «wissenschaftliche Grenzgänger» aus aller Welt interdisziplinär zusammenarbeiten. Bereits Ende des Jahres sollen die ersten 15 Experten ihre Arbeit für das Projekt in der Görlitzer Altstadt aufnehmen. Perspektivisch ist für das Institut ein Neubau geplant.

Die Idee eines solchen Instituts an der Neiße entstand vor gut zwei Jahren im Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR). Partner fand es für das Projekt im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig, dem Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik Dresden, der TU Dresden sowie auf polnischer Seite mit der Universität Breslau. «Wir wollen, dass das heutige Spezialwissen der Wissenschaftler morgen für alle nutzbar ist, zum Beispiel durch neue Codes, die nicht nur auf Großrechner arbeiten, und innovative Software-Methoden«, sagte HZDR-Direktor Roland Sauerbrey.

Der Aufbau des Casus-Zentrums wird mit rund elf Millionen Euro aus Bund- und Land gefördert. Für Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) ist das Forschungszentrum ein konkreter Schritt für den Strukturwandel in der Lausitz. Wie auch der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) unterstrich Kretschmer, dass Casus kluge Köpfe für die Region anziehen werde und sich Görlitz als Forschungsstandort weiter etablieren könne. Ursu nannte das Forschungszentrum einen «Meilenstein für die Entwicklung von Görlitz als Stadt der Forschung und der neuen Technologien».

Unterdessen gab es am Dienstag auch grünes Licht für ein geplantes Wasserstoff-Forschungszentrum in Görlitz. Die Mittel für das Fraunhofer Hydrogen Laboratory Görlitz (HLG) wurden nach Angaben der Staatskanzlei in Dresden freigegeben. Die Fraunhofer-Gesellschaft und Siemens wollen das Erzeugen, Speichern und die Nutzung von Wasserstoff untersuchen. Damit soll Görlitz zu einem Kompetenzzentrum für Wasserstoff werden.

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