Chemnitz-Leipzig: Fernzüge sollen über die Bummelstrecke

Das Bundesverkehrsministerium hat für die Verbindung eine künftige Fahrzeit von 59 Minuten errechnet - und stößt damit auf Widerspruch.

Chemnitz.

Wenn der geplante Teilausbau der Strecke Chemnitz-Leipzig einmal geschafft sein sollte, könnten Fernzüge zwischen den zwei Großstädten verkehren. Denn dann gäbe es mit der Route über Borna eine durchgängig elektrifizierte Trasse. Allerdings wären diese Züge kaum schneller als die bisherigen Nahverkehrsbahnen. Die "kürzeste Fahrzeit" via Borna werde bei 59 Minuten liegen, schreibt des Bundesverkehrsministeriums in einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen. Bislang brauchen die RE-Züge, die über Bad Lausick verkehren, 58 beziehungsweise 65 Minuten.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn hält die 59 Minuten aber für nicht realistisch. "Das ist höchstens theoretisch erreichbar, wenn man alle anderen Verkehre auf der Strecke ausblendet." Nach seinen Recherchen muss von 70 bis 75 Minuten Fahrzeit ausgegangen werden. Denn die Teilstrecke über Borna (schon elektrifiziert) ist etwas länger, zudem bewegt sich der Fernzug dort auf eingleisigen Abschnitten, auf denen Kreuzungen mit anderen Zügen nötig sind. Die Teilstrecke ist fast zur Hälfte (Neukieritzsch bis Geithain) nur für Tempo 100 ausgelegt. Und: Der Abschnitt zwischen Borna und Markkleeberg ist dicht von Nahverkehrszügen befahren. Eine Behinderung des Fernverkehrs sei so wahrscheinlich.

Der Bund hatte im Herbst die Signale für den Ausbau der Strecke Chemnitz-Leipzig zwar auf Grün gestellt - das Projekt steht nun in der höchsten Prioritätsstufe des Verkehrswegeplans. Jedoch soll nur zwischen Chemnitz und Geithain modernisiert werden. Der Abschnitt werde umgesetzt, da er wirtschaftlich sei, schreibt das Bundesverkehrsministerium (BMVI). Auf den Ausbau Bad Lausick-Leipzig treffe das nicht zu. Kühn kann das nicht nachvollziehen: Schließlich ist der Abschnitt bereits für Tempo 160 ausgelegt. "Warum soll dort eine Elektrifizierung nicht wirtschaftlich sein?" Das BMVI will aber nicht ausschließen, dass das Teilstück später ausgebaut wird. Das sei "Gegenstand weiterer Untersuchungen zum Deutschland-Takt", heißt es. Im BMVI ist man zudem überzeugt davon, dass im Citytunnel keine technischen Anpassungen erforderlich sind. Der Fernverkehr, der beim Weg über Borna die Röhre nutzen müsste, könne in den bestehenden Verkehr integriert werden. Jedoch gilt der Tunnel, durch den bereits heute zwölf S-Bahnen pro Stunde und Richtung fahren, als ausgelastet.

Kühn meint daher: "An der Elektrifizierung über Bad Lausick führt kein Weg vorbei, alles andere wäre eine Verschwendung von Steuergeld." Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht das ähnlich. Die jetzigen Ausbaupläne seien "enttäuschend und völlig unzureichend". Die Streckenführung über Borna lehne man ab.

Der Chemnitzer CDU-Landtagsabgeordnete Peter Patt allerdings ist sich sicher, dass das Problem inzwischen gelöst ist: Die Staatskanzlei in Dresden habe sich eingeschaltet und erreicht, dass die Strecke von der Kohlekommission des Bundes im Rahmen der geplanten Maßnahmen für die Strukturentwicklung in den Braunkohleregionen berücksichtigt werde. "Es können damit also zwei Linien ausgebaut werden", so Patt. Die Staatskanzlei wollte dies allerdings nicht bestätigen. Welche Vorschläge am Ende umgesetzt würden, lasse sich heute nicht sagen. Der Prozess sei noch nicht abgeschlossen. Daher könne man auch zu einzelnen Projekten keine Aussagen treffen, teilte Regierungssprecher Ralph Schreiber mit.

Bei Pro Bahn pocht man nicht nur auf den Ausbau, sondern fordert auch ein durchgängiges zweites Gleis zwischen Chemnitz und Leipzig. Eine überwiegend eingleisige Strecke könne eine Kombination von Fern- und Nahverkehr nicht bewältigen, so Markus Haubold, Pro-Bahn-Sprecher für Südwestsachsen.

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5Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    0
    Zeitungss
    13.02.2019

    @ViS: Wünschen Sie es sich nicht, dass am geplagten Bahnkunden auch noch Tests durchgeführt werden. Die Erzgebirgsbahn testet seit langer Zeit einen Hybridtriebwagen, über Erfolge schreiben nicht einmal die Medien, da er die Werkstatt kaum verlässt.
    Was die C-L Linie betrifft, viele Köche verderben den Brei, was schon bei der Planung ersichtlich ist. Jeder gibt seinen Senf dazu und KEINER hat die Fäden in der Hand. Die Reichsbahn elektrifizierte in ihren letzten Atemzügen jährlich noch über 300 km Strecke. Allerdings hatte damals auch nicht jeder Gartenfreund und Vogelliebhaber ein Mitspracherecht, was heute gängige Praxis ist. Zwei Verbünde ohne schlüssiges Konzept für diese Strecke, geben den Rest. Was erwartet man also unter solchen Vorbedingungen vom Streckenbetreiber (DBAG) ??? Ein Konzept aus EINER Hand, würde eine Lösung näher bringen, was bei der derzeitigen Kleinstaaterei schon zum Scheitern verurteilt ist.

  • 1
    2
    VaterinSorge
    12.02.2019

    Ok. Es gibt auch moderne, leise Diesel -Triebwagen, Hybrid- oder Wasserstofftechnik. Wäre ne gute Teststrecke....

  • 4
    3
    bicicleta
    12.02.2019

    @VaterinSorge: Dieseltriebwagen bitte nicht. Die letzten von DB Regio waren so laut, dass die alten Schütteln der MRB noch besser auszuhalten sind (wenn denn mal eine funktionsfähige Lok und ein dienstbereiter Lokführer zusammenkommen).

  • 6
    7
    516315
    12.02.2019

    Da schweb ich lieber über die A72 nach Leipzig, da die Autobahn dort im Vergleich zu anderen Autobahnen kaum frequentiert ist, reist man sehr entspannt. Bei zügiger Fahrweise in unter 50 Minuten problemlos machbar.

  • 11
    0
    VaterinSorge
    12.02.2019

    Man sollte mal die Nutzer fragen und das vielleicht, nach Fertigstellung der BAB 72 bis zum Kreuz Leipzig Süd.
    Dann merkt man schnell, dass es nicht ausschließlich um 58 oder 65 Minuten geht, sondern um Zuverlässigkeit, Service, Pünktlichkeit, Komfort und natürlich persönliche Wirtschaftlichkeit. Das System muss alle Punkte berücksichtigen, unabhängig ob Stadt oder Land, unabhängig des Alters und des Grundes der Reisen. Also wären sicherlich beide Trassenführungen interessant, könnte man sich ja in Geithain entscheiden und ggf. umsteigen. Ob nun Dieseltriebwagen oder elektrisch betrieben interessiert den Fahrgast weniger, Hauptsache es geht mal los.



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