Chemnitz will Start-up-Zentrum für Senioren-Produkte werden

Chemnitz zählt in Europa zu den Regionen mit einer besonders stark alternden Bevölkerung. Das wollen Start-up-Experten nutzen und die Stadt zu einem Vorreiter für Unternehmensgründungen bei Produkten und Technologien für Senioren in Mitteleuropa machen.

Chemnitz (dpa/th) - In Chemnitz ist heute schon fast jeder zweite Einwohner 50 Jahre und älter. Und nach Prognosen von Statistikern wird das Durchschnittsalter in den kommenden Jahren weiter steigen. «Das wird häufig als Manko oder Defizit gesehen, ist aber auch eine Chance», sagte der künftige Oberbürgermeister Sven Schulze (SPD) am Mittwoch. Denn damit könne die Stadt von der wachsenden «Silver Economy» profitieren und zu einem Reallabor für junge Unternehmen rund um neue Technologien und Produkte für Senioren werden.

Entsprechende Pläne verfolgt das Gründerzentrum Q-Hub in Chemnitz. Ziel sei es, Firmengründer anzulocken, die in der Stadt und dem Umland ihre Konzepte ausprobieren, weiterentwickeln und hier mit Investoren in Kontakt kommen, erklärte Geschäftsführer Mario Geißler. Dazu sei eine Start-up-Schule geplant, die im kommenden Jahr ihre Arbeit aufnehmen soll. Dabei gehe es etwa um Innovationen in Pflege, Wohnen und Gesundheit - und um einen großen Markt. Denn die «Silver Economy» boome angesichts der steigenden Lebenserwartung in Europa.

Seit Mittwoch tauschen sich in Chemnitz Branchenexperten, Investoren und Unternehmensgründer aus dem Bereich Alterstechnologien beim «Age Tech Bootcamp» aus, das als Vorläufer für die Start-up-Schule dienen soll. Nach Angaben der Veranstalter zählt das Treffen rund 300 Teilnehmer vor Ort oder digital zugeschaltet. Dabei stellen auch zahlreiche junge Unternehmen ihre Angebote vor und diskutieren sie nicht nur mit Fachleuten, sondern auch mit der Zielgruppe selbst - also Senioren in der Stadt.

Ein Problem sei, dass neue Produkte häufig an den Bedürfnissen und Interessen älterer Menschen vorbei entwickelt würden, sagte Georg Jahn, Professor für Angewandte Gerontopsychologie und Kognition an der TU Chemnitz. «Auch ein Hörgerät muss gut aussehen.» Neben Design und Funktionalität sei für ältere Menschen Service besonders wichtig. Dafür sind sie nach Einschätzung von Experten bereit zu zahlen. So bräuchten ältere Menschen keine speziellen Seniorenmöbel, wohl aber jemanden, der ihnen neu gekaufte Möbel zu Hause aufbaue, hieß es.

Geißler und Schulze bauen darauf, dass neue Produkte und Ideen für Senioren künftig in Chemnitz nicht nur ausprobiert werden, sondern sich auch junge Unternehmen aus diesem Sektor in der Stadt und dem Umland ansiedeln und so Arbeitsplätze schaffen. Und von den Innovationen könnten auch ältere Menschen in der Region selbst profitieren, betonte Schulze. Denn sie böten häufig ein Mehr an Lebensqualität.

11 Kommentare
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  • 10
    4
    lax123
    14.10.2020

    Meine Befürchtung ist dass auch dieser sicherlich gut gemeinte Ansatz im Sande verlaufen wird. Spezielle Seniorenprodukte sind doch noch nie gut gelaufen.
    Wer will sich als Senior schon eingestehen, dass er zu den Senioren gehört? Wohl die Wenigsten.