Chemnitzer Müller-Rosentritt ist neuer FDP-Vorsitzender

Nach dem verfehlten Landtagseinzug wagen die Liberalen den personellen Neuanfang. Ex-Chef Zastrow rechnete derweil mit seinen Kritikern ab.

Neukieritzsch.

Manchmal geht es ziemlich fix: Vor fünf Jahren war Frank Müller-Rosentritt in die FDP eingetreten. Vor zwei Jahren wurde der gebürtige Karl-Marx-Städter als Chemnitzer FDP-Chef zu einem der drei stellvertretenden Landesvorsitzenden gewählt und zog über Platz 3 der FDP-Landesliste in den Bundestag ein. Und seit Samstag ist Müller-Rosentritt Chef der sächsischen FDP.

Als einziger Kandidat erhielt der Vater dreier Töchter auf dem Landesparteitag der Liberalen in Neukieritzsch (Landkreis Leipzig) 75,6 Prozent der Stimmen. 189 Delegierte stimmten für ihn, während sich zwölf enthielten und 49 gegen ihn stimmten. Müller-Rosentritt wuchs im Erzgebirge auf und war nach seinem Abitur in Hohenstein-Ernstthal zunächst Sanitätssoldat bei der Bundeswehr und Trompeter im Heeresmusikkorps in Erfurt, bevor er nach der Ausbildung zum Diplom-Betriebswirt in Stuttgart und dem Berufsstart als Bankmitarbeiter 2011 nach Sachsen zurückkehrte.

In seiner Bewerbungsrede bezeichnete er es als wichtigste Aufgabe der neuen FDP-Spitze, "die Partei in ihrer ganzen Vielfalt zu einen". Auf seinen Vorschlag hin wurde der Dresdner Robert Malorny zum Generalsekretär gewählt, er bekam knapp 66 Prozent der Stimmen. Der 40-Jährige sagte, dass er Müller-Rosentritt seit 2015 kenne. Beide hätten schnell gemerkt, dass sie sich "gegenseitig gut ergänzen, dass wir super miteinander klarkommen, dass wir auf einer Wellenlänge schwimmen". Malorny hatte im Mai 2017 erfolglos versucht, Landeschef Holger Zastrow abzulösen. Der Amtsinhaber setzte sich damals mit 127 zu 101 Stimmen durch.

Neue Landesvize sind Ex-JuliA-Chef Philipp Hartewig, zuletzt noch Mitarbeiter im Wahlkreisbüro von Müller-Rosentritt, sowie Judith Münch aus dem Kreisverband Leipzig. Bei der besonders umkämpften Wahl des dritten Vize setzte sich letztlich der Dresdner Carsten Biesok gegen seinen Erzgebirger Ex-Landtagsfraktionskollegen Tino Günther durch. Von den Zastrow-Vertrauten gehört somit nur noch Torsten Herbst dem geschäftsführenden Vorstand an: Der bisherige Generalsekretär wurde mit 62 Prozent zum Schatzmeister gewählt.

Zastrow hatte zuvor in seiner knapp halbstündigen Abschiedsrede zwar die Verantwortung für das enttäuschende Landtagswahlergebnis (4,5 Prozent) übernommen, dem Landesverband aber zugleich ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. "Letztendlich sind wir an uns selbst gescheitert", sagte der 50-Jährige, der 20 Jahre an der Spitze der Sachsen-FDP gestanden hatte. "Wir waren kein Team, nicht mal ansatzweise." Er habe sogar Parteimitglieder "draußen abklatschen sehen, die sich freuen, dass wir es nicht geschafft haben". Er selbst habe sich entschieden, eine "landespolitische Pause" einzulegen. "Ich hoffe, die FDP wird wieder zum Team."

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