Corona-Infektionen nehmen weiter zu - nun acht Tote in Sachsen

In Sachsen lassen Erfolge im Kampf gegen das heimtückische Corona-Virus auf sich warten. Die Regierung warnt deutlich vor Nichteinhaltung der Ausgangsbeschränkungen.

Dresden (dpa/sn) - Angesichts einer weiter ansteigenden Corona-Infektionskurve in Sachsen haben Innenminister Roland Wöller (CDU) und Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) dringend zur Einhaltung der Allgemeinverfügung aufgefordert. "Bitte beachten Sie das, es wird mit Augenmaß und konsequent kontrolliert werden", sagte Wöller am Donnerstag, auch mit Blick auf das nächste Wochenende. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Donnerstagabend sind 1275 Menschen mit dem Virus infiziert. Acht Menschen starben, die beiden letzten Opfer stammten aus dem Landkreis Meißen und Görlitz.

Am Donnerstag trafen zwei weitere Covid-19-Patienten in einer italienischen Militärmaschine in Dresden ein. Sie sollen im Universitätsklinikum Dresden und dem auf Beatmungsmedizin spezialisierten Fachkrankenhaus in Coswig behandelt werden. Damit hat Sachsen nun sechs Schwerkranke aus dem besonders von der Corona-Krise heimgesuchten Land aufgenommen, vier davon waren nach Leipzig gebracht worden.

Gesundheitsministerin Petra Köpping kritisierte, dass noch immer Einzelne die Vorgaben der Allgemeinverfügung mit dem Verbot von Menschenansammlungen und Abstandsregeln zum Schutz aller nicht befolgten. "Aber die reichen zur Verbreitung des Virus", warnte sie. "Regeln machen nur Sinn, wenn sie eingehalten werden", mahnte auch Wöller. Physische Kontakte müssten auf ein Minimum reduziert werden, um Infektionsketten zu unterbrechen und die dynamische Verbreitung von Corona zu bremsen.

Spaziergang, Wandern, Sport im privaten Wohnumfeld sei mit Mitgliedern der Familie oder des Haushalts sowie Mindestabstand 1,5 Meter erlaubt, sagte der Minister. Das gelte auch, wenn man sich im Park hinlege. "Das private Wohnumfeld ist auf jeden Fall verlassen, wenn man als Dresdner in die Sächsische Schweiz zum Wandern oder Klettern geht oder als Görlitzer ins Vogtland fährt", sagte er mit Blick auf das kommende Wochenende.

Laut Wöller wurden seit Mittwoch 103 Straftaten im Zuge mit der Corona-Pandemie registriert, darunter waren 94 Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz. Es wurden Wochenmärkte oder eine widerrechtlich geöffnete Spielothek und Nutzungsverbote auf Spielplätzen durchgesetzt. "Noch immer finden zu häufig Feierlichkeiten im privaten Rahmen statt, das ist eine Gesundheitsgefahr", kritisierte der Innenminister. Der Krisenstab erarbeite einen Bußgeldkatalog, falls es weiterhin Verstöße gegen die Regeln gibt. "Es hängt davon ab, wie wir uns alle verhalten."

Unterdessen hält die Regierung trotz positiver Entscheidung der tschechischen Regierung für ihre Berufspendler ins Ausland an den zugesagten Hilfen für bestimmte Arbeitnehmer aus dem Nachbarland fest. Auch Polen, die weiter in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen in Sachsen arbeiten, sollen pro Tag und Person 40 Euro erhalten, Angehörige und Lebenspartner, die mitkommen, je 20 Euro, sagte Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD). Die Vergünstigungen müssten beim Arbeitgeber beantragt werden.

Im Zuge des Programms "Sachsen hilft sofort" haben nach seinen Angaben seit Montag 5519 Selbstständige und Freiberufler Anträge auf Hilfe gestellt. Die 67, die vollständig waren, seien alle bewilligt und die ersten Gelder ausgezahlt. "Das Landesprogramm ist kombinierbar mit Bundesprogramm", stellte er in dem Zusammenhang klar.

Köpping warnte vor "Abzocke und Betrug" in der Corona-Krise. Älteren Menschen werde über Telefon, zum Teil aber auch an der Haus- und Wohnungstür etwas zum Verkauf angeboten. "Sind Sie bitte sehr vorsichtig!", sagte sie. Das gelte auch für das Internet. "Machen Sie nie etwas mit Vorkasse."


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17Kommentare
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  • 3
    2
    saxon1965
    27.03.2020

    @ Lesemuffel: Ja, leider wird man den Verantwortlichen auch nicht nachweisen können, dass sie zu viel getan haben.

  • 4
    6
    Lesemuffel
    27.03.2020

    Ja saxxon, von Koordinierung, Logik ist immer weniger zu spüren, Aktionismus ist angesagt. Ob das hilft? Es beruhigt zumindest die Verantwortungdträger, die haben verboten, gesperrt, bestraft - man kann ihnen jedenfalls nicht vorwerfen, nichts getan zu haben.

  • 12
    5
    saxon1965
    27.03.2020

    Es stellen sich einige Fragen nach der Sinnhaftigkeit manches Handelns?
    - Wochenmarkt an der frischen Luft zu, aber Kaufhalle offen!
    - Noch paar Leute auf Arbeit lassen, aber wandern in der Sächsischen Schweiz und einzelnes Rumliegen im Park verboten!
    - Tröpfcheninfektion, aber Gesichtsmasken für Gesunde? (med. Personal ist nicht gemeint)
    - Ein Koch hat Corona, die gesamten Küchenmitarbeiter müssen in Quarantäne und werden nicht getestet? Lieber schließt man die Küche zu!
    - Grenzen zu, aber bei der Einreise per Flugzeug kein Fiebermessen o. ä. m.
    … ich höre auf, das langt für x Rote Daumen.

  • 5
    4
    Echo1
    27.03.2020

    In nicht Krisenzeiten tat sich die Politik schon schwer auf Fragen der Bevölkerung
    einzugehen. Soziale Medien war für sie nur
    ein Gefahrengemenge. Positives, Anregung, Handlungsaufforderung zu sehen war nicht. Und werden wir jetzt mit unseren Fragen ernst genommen?
    Wäre zu hoffen.

  • 16
    4
    Deluxe
    27.03.2020

    Einerseits sollen große Abstände eingehalten werden. Es gibt quasi Ausgangssperren und Kontrollen überall.
    Andererseits streichen die selben Verantwortlichen in den Kommunen die Taktzeiten des ÖPNV zusammen. Ergebnis: Brechend volle Busse und Bahnen, in denen man sich anstecken kann wie am Fließband.

    Das ist unverantwortlich!
    Und es geht dabei auch wieder nur um wirtschaftliche Erwägungen, die mit dem Infektionsschutz absolut unvereinbar sind!

    Privaten Unternehmen wird der Hahn abgedreht. Ob die sich jemals wieder erholen, interessiert kaum. Aber Busfahrten müssen dringend auch jetzt Gewinne abwerfen und werden aufgrund sinkender Fahrgastzahlen zusammengestrichen, bis die Fahrzeuge endlich richtig voll sind. Welch ein krankes System! Und welche Verlogenheit der Verantwortlichen!

  • 11
    1
    Hinterfragt
    27.03.2020

    Nun, bei einer Inkubationszeit von bis zu 14 Tagen, sollte man mit Aussagen zur Anstiegsgeschwindigkeit mindestens paar Tage mehr als 14 Tage warten.
    Alles Andere ist Trübwasserfischen.

  • 20
    0
    Annett1610
    27.03.2020

    Natürlich steigen die Infektionszahlen weiter an, das war in allen Ländern so, muss aber nichts mit der Nichteinhaltung der Maßnahmen zu tun haben. Es gehen ja auch immer noch Menschen zur Arbeit, die können das Virus auch weiter verbreiten, ohne es zu wissen. Vor allem Menschen mit Kunden - oder Patientenkontakt.

  • 14
    4
    KTreppil
    27.03.2020

    Warum können die Verantwortlichen nicht spezifisch definieren, wann man sich noch im Wohnumfeld bewegt, das kann doch nicht so schwer sein? Dann wird es vielleicht auch eingehalten. Die Angaben in diesem Artikel sind ja auch nur schwammig bis grotesk mit dem Beispiel Görlitz-Vogtland.
    Was mich auch total aufregt, ist das Verhalten mancher Mitbürger beim Einkauf. Da werden die Abstandshinweise und -regeln mißachtet, gerempelt, gedrängelt und einem oftmals noch immer fast ins Genick gesprungen oder gar gehustet. Auffällig ist, dass es sich dabei häufig um die Generation 70+ handelt, diejenigen, zur deren Schutz das öffentliche Leben angehalten wird. Die hauptsächliche Sorge mancher scheint noch immer zu sein, ob es endlich Klopapier gibt, hoffentlich bleibt es bei nur dieser Sorge.

  • 7
    3
    d0m1ng024
    27.03.2020

    @cn3boj00
    Ich bin ganz Deiner Meinung. Allerdings muss ich dir in einem Punkt wiedersprechen. In den Supermärkten/Discounter hat sich das die letzten Tage extrem verbessert. Die Betreiber wollten sich sicherlich nicht vorwerfen lassen, eine der größten Infektionsquellen zu sein.

    Bei Kaufland und Penny ist es zumindest so, dass Security am Eingang steht und die Leute kontrolliert. In Kaufland darf ausschließlich nur 1 Person pro Korb rein und nur soviel wie Körbe da sind. Ich glaub 150... Nach jedem Kunden werden die Körbe desinfiziert, bevor der nächste diesen nutzt. Draußen bei den wartenden wird strikt auf die Einhaltung der Abstände geachtet. Bei Penny bekommt man sogar Hausverbot, wer nicht drauf achtet.

    Und ganz wichtig, es steht jetzt schriftlich am Eingang das pro Kunde nur 1 Packung Toilettenpapier, Taschentücher und Desinfektionsmittel gekauft werden darf. Offen liegende Backwaren gibt es auch nicht mehr. Verkäuferinnen machen alles mit Handschuhen und das EC-Kartengerät wird nach jeder Benutzung abgewischt.

    Mittlerweile ist der größte Infektionsherd der öffentliche Nahverkehr, vorallem in den Pendelzeiten. Hier wäre ich dafür, das zu Arbeitswegzeiten (06-09 Uhr & 15-18 Uhr) ausschließlich arbeitende Menschen mitfahren dürfen. Also mit Kontrolle der Arbeitsbescheinigung. Die Zeit von 09-15 Uhr ist dann für die Rentner und Schüler, die sich nich mit der Ausgangsbegrenzung nicht abfinden können. Damit sind die Busse und Bahnen zu den Pendelzeiten nicht mehr so voll und der Infektionsherd etwas eingedämmt.

    Am besten wäre es natürlich, wenn die älteren und Risikobehafteten Bürger umsonst mit dem Taxi fahren dürften (zum Arzt, Termine, Physiotherapie, Apotheke, Laden...), da sind die erstmal weitestgehend abgeschirmt von Menschenmassen. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse oder der Staat. Oder die Taxifahrer dürfen überall umsonst tanken....

  • 4
    1
    Pixelghost
    26.03.2020

    @acals, im Übrigen auch über die ARD-Mediathek 24/7

  • 17
    1
    BuboBubo
    26.03.2020

    Zum Thema Cosbudener See (mdr Sachsenspiegel vom 25.03.):

    Ausgangspunkt war eine verunglückte "Handlungsorientierung", die die PD Leipzig an ihre Vollzugsbeamten ausgereicht hat, die aber wieder eingesammelt ist.
    Die Polizeidirektion Leipzig hat sich dafür entschuldigt und stellt klar: Die 5 km gelten NICHT.

    Ein unnötiges Foul - aber keine Katastrophe.

    Quelle: https://www.l-iz.de/politik/sachsen/2020/03/Coronavirus-Wohnumfeld-als-5-Kilometer-Regel-Nicht-praktikabel-laut-Polizei-Leipzig-323518

  • 7
    1
    Pixelghost
    26.03.2020

    @acals, ARD Alpha 9-12 - vielleicht ist das ja was. Hab nur von dem Angebot gehört, kenne es nicht im einzelnen.

  • 26
    3
    acals
    26.03.2020

    Wäre es eigentlich zu transportieren, dass der MDR Sachsen sein Vormittagsprogramm auf essentielle Schulstunden umstellt? In die Pflicht sind ja aktuell alleine die Eltern genommen - die über Lernsax Aufgaben bekommen, so die Lehrer dieses tun.
    Zur Abwechslung fänden wir es hervorragend, wenn auch mal 45 min über die Flimmerkiste kommt - gerne auch über App der ARD, KIKA, ZDF usw usf

  • 41
    4
    cn3boj00
    26.03.2020

    Wo steht was von 5 km? Und wo ist das Problem? Die Frage ist doch überhaupt nicht wie weit man spaziert, sondern dass man Abstand zu allen Personen hält, mit denen man nicht sowieso zusammenlebt. Ist das denn so schwer zu begreifen? Für manche wohl doch, wie auch die Chemnitzer Stadtverwaltung. Man darf sich in einen Park legen, wenn man Abstand hält, aber sich nicht auf eine Bank setzen?
    Und wenn ich mit meinem Hund alleine übers Feld spaziere ist die Ansteckungsgefahr 0, im Gegensatz zum Supermarkt, wo man trotz aller Bemühungen, sich von anderen fernzuhalten, von Idioten angerempelt wird.
    Dass zu den allgemeinen Regeln dann noch bürokratische Bestimmungen kommen, da man ja Grenzen ziehen muss, liegt doch nur daran weil es zu viele Idioten gibt, die den Sinn der Regeln, sich von anderen Personen fernzuhalten, einfach nicht begreifen wollen.

  • 6
    4
    Pixelghost
    26.03.2020

    Die Bewohner der Stadtteile Bernsdorf, Schloßchemnitz, Sonnenberg, Kaßberg... laufen alle bis ins Stadtzentrum. Sind ja keine 5 km, also Wohnumfeld.

    Hund? Schwanz? Da war doch was?

  • 9
    6
    Pixelghost
    26.03.2020

    Wenn 5 km zu meinem Wohnumfeld zählen, bewege ich mich im Stadtzentrum von Chemnitz. Und ich wohne im Stadtteil Markersdorf.

    Hä?

  • 8
    28
    christophdoerffel
    26.03.2020

    Mit Augenmaß kontrollieren? So wie in Leipzig am Cospudener See?

    Wie konnten Grüne und SPD diesen Maßnahmen nur zustimmen?