Corona-Krise: Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit gestiegen

Der sächsische Arbeitsmarkt ächzt unter den Folgen der Corona-Krise. Seit März sind mehr als eine halbe Million Menschen von Kurzarbeit betroffen. Zudem ist erstmals seit der Wiedervereinigung die Zahl der Arbeitslosen in einem April gestiegen.

Chemnitz (dpa/sn) - Die Corona-Krise hat dem Arbeitsmarkt in Sachsen schwer zugesetzt. Seit dem Lockdown im März haben rund 47 000 Betriebe im Freistaat Kurzarbeit für mehr als eine halbe Million Mitarbeiter angezeigt. Dies seien 42 Prozent aller etwa 111 500 Betriebe in Sachsen, teilte die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Chemnitz am Donnerstag mit. Betroffen davon sind mehr als 521 000 Menschen und damit etwa jeder dritte Arbeitnehmer im Freistaat.

Zugleich kletterte die Arbeitslosenquote im April mit 6,1 Prozent auf den höchsten Wert seit Januar 2019. Dies sind 0,6 Prozentpunkte mehr als vor dem «Shutdown» Mitte März. Die Zahl der arbeitslosen Männer und Frauen stieg um rund 12 600 auf mehr als 129 000. Damit wurde der langjährige Trend des Rückgangs der Arbeitslosigkeit im Frühjahr gebrochen. Im April 2019 waren bei einer Quote von 5,5 Prozent 117 000 Arbeitslose gemeldet.

Die Corona-Krise setze den Arbeitsmarkt deutlich unter Druck, sagte der Leiter der Regionaldirektion, Klaus-Peter Hansen. «In diesem April haben wir erstmalig seit der Wiedervereinigung die Situation, dass die Arbeitslosenzahlen gegenüber dem März gestiegen sind», erläuterte er. Laut Landesagentur ist nur durch die Kurzarbeit ein noch größerer Zuwachs verhindert worden. «Die gute Nachricht: Das Kurzarbeitergeld wirkt und sichert viele Jobs», so Hansen.

Durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft hat die Zahl der Kurzarbeitsanmeldungen in Sachsen den höchsten Wert überhaupt seit Einführung der aktuellen Regelungen vor 13 Jahren erreicht. Wie die Landesarbeitsagentur auf Nachfrage mitteilte, hatte es seit 2007 bis Februar dieses Jahres insgesamt 30 000 Anzeigen für 453 000 Mitarbeiter gegeben, obwohl in diesen Zeitraum auch die Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 gefallen ist. Im gesamten Jahr 2019 waren lediglich 900 Anzeigen auf Kurzarbeit gestellt worden.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Sachsen hat das Funktionieren der Kurzarbeiterregelungen gelobt. Binnen zwei Monaten seien die Kurzarbeitsanzeigen in Sachsen auf einen Rekordstand gestiegen, sagte der Vorsitzende Markus Schlimbach. Die hohe Zahl der Anzeigen von Kurzarbeit habe auch eine gute Seite: Denn überall da, wo Kurzarbeit angemeldet werde, könnten Jobs erhalten bleiben. «Der Damm Kurzarbeit hält und wir müssen alles dafür tun, dass er nicht bricht», betonte Schlimbach.

Von Kurzarbeit betroffen sind nahezu alle Wirtschaftsbereiche, teilte die Agentur mit. Mit mehr als 9400 Betrieben ist die Branche Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kfz am stärksten betroffen. Dahinter folgt das Gastgewerbe mit mehr als 5700 Betrieben. An dritter Stelle rangiert das Verarbeitende Gewerbe (rund 5200), das mit gut 157 600 Mitarbeitern die meisten Beschäftigten für Kurzarbeit angemeldet hat.

Für die Bearbeitung der Anträge auf Kurzarbeit und die Auszahlung der Gelder hat die Regionaldirektion nach eigenen Angaben intern ihr Personal aus anderen Teams aufgestockt. So werde für die Auszahlung des Kurzarbeitergeldes wie vor der Corona-Krise 15 Tage gebraucht. «Unser Fokus liegt damit weiter klar in der schnellen Auszahlung von Leistungen. Das Geld darf nicht im Schaufenster liegen», sagte Hansen.

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