Coronakrise: Sachsen macht Gaststätten und Baumärkte dicht

Der Ministerpräsident droht Freiheitsstrafen bei Menschenansammlungen an. Derweil wird Sachsens erster Todesfall bekannt.

Dresden.

Um die weitere Verbreitung des Coronavirus zu unterbrechen, verschärft Sachsen die Auflagen und Einschränkungen für seine Bürger. In der Nacht von Samstag zu Sonntag tritt um 0.00 Uhr eine neue Allgemeinverfügung in Kraft. Danach müssen nun auch weitere Geschäfte wie Friseure und Baumärkte schließen. Auch Gaststätten, deren Öffnungszeiten erst seit Donnerstag auf 6 bis 18 Uhr beschränkt worden waren, ist der Betrieb untersagt. Erlaubt ist ihnen nur noch ein Außer-Haus-Verkauf bis 20 Uhr oder ein zeitlich uneingeschränkter Lieferservice. Den Geschäften für Waren des täglichen Bedarfs, die weiter geöffnet haben dürfen, werden strengere Hygienevorschriften auferlegt.

Zu einer landesweiten Ausgangssperre soll es in Sachsen zwar nicht kommen. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) verwies jedoch darauf, dass "Ansammlungen von Menschen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren bestraft werden" sollen. Er sprach von einer "harten Ansage", die aber notwendig sei.

Rechtsgrundlage dafür bietet das Infektionsschutzgesetz, laut dem sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren möglich ist. Diese kommt laut Innenminister Roland Wöller (CDU) für Partyveranstalter infrage, die vorsätzlich handelten. Allein am Donnerstag gab es 83 Eingriffe durch Polizei und Ordnungsbehörden in ganz Sachsen. Zumeist wurden Platzverweise ausgesprochen. Zudem musste nach "Freie Presse"-Informationen in Zwickau ein Restaurant geräumt werden.

In Bayern treten bereits am Samstag landesweite Ausgehbeschränkungen in Kraft. Das Verlassen der Wohnung ist dort nur noch aus triftigen Gründen erlaubt, wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ankündigte. Dazu zählten etwa der Weg zur Arbeit, notwendige Einkäufe, Arzt- und Apothekenbesuche, Hilfe für andere, Besuche von Lebenspartnern, aber auch Sport und Bewegung an der frischen Luft - entweder allein oder mit den Personen, mit denen man zusammenlebt.

Auch in Sachsen sollten die Menschen noch vor die Tür und spazierengehen können, so Kretschmer. Wer zusammen lebe, solle sich "selbstverständlich" miteinander bewegen können - nicht aber "sechs Jugendliche", die sich in einem Park treffen und gegenseitig die Getränke austauschen. Dies würde dann als "Menschenansammlung" gewertet, bei der Ordnungsdienst und Polizei einzuschreiten hätten.

Eine Ausgangssperre könne als Instrument "regional nötig" werden, nicht aber für ein gesamtes Land gelten, so Kretschmer. Indirekt stellte er eine mindestens dreiwöchige Geltung der Maßnahmen in Aussicht. In den nächsten zehn Tagen sei mit einer Zunahme der Infizierten-Zahlen in Sachsen zu rechnen. Am Ostersonntag - also in drei Wochen - solle die Wirksamkeit der Maßnahmen bewertet werden. Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) gab an, dass bis zum Freitagnachmittag in Sachsen 562 Infizierte registriert worden seien und damit 173 mehr als einen Tag zuvor. Zudem gab es den ersten sächsischen Todesfall. Dabei handelt es sich um einen älteren Mann aus dem Landkreis Bautzen mit Vorerkrankungen, wie das Ministerium bestätigte.

Medizinprofessor Christoph Lübbert vom Universitätsklinikum Leipzig warnte derweil vor einer falschen Interpretation der Fallzahlen. So gebe es in seiner Heimatstadt Leipzig offiziell 119 Fälle, doch liege die Dunkelziffer seriös beim Sieben- bis Zehnfachen. "Das heißt: Schon heute ist einer von 600 Leipzigern Coronavirus-positiv." Zehn Prozent der Menschen merkten davon nichts: "Das macht es so tückisch, diese Epidemie zu kontrollieren."

Das Robert-Koch-Institut forderte die Bundesbürger eindringlich zum Abstandhalten und zu deutlich mehr Rücksichtnahme auf. "Wir können diese Epidemie nur verlangsamen, wenn wir uns alle an die Spielregeln halten", warnte Präsident Lothar Wieler. "Diese Krise hat ein Ausmaß, das ich mir nie hätte vorstellen können". (mit dpa)

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3Kommentare
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    Interessierte
    22.03.2020

    Dort an der Ampel , da sitzt man bis abends schön in der Sonne ...

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    d0m1ng024
    22.03.2020

    Neben nicht nennenswerte Symptome meint er sicherlich auch die Personen, die noch in der Inkubationszeit sind. Es kann ja bis zu 14 Tage dauern, bis man Symptome bemerkt. Aber trozdem trägt man diesen Virus bereits in sich und verbreitet diesen auch.

  • 1
    3
    saxon1965
    21.03.2020

    Herr Lübbert, wie kann es sein, dass bei 119 Fällen ( getestete Personen) und einer Dunkelziffer von 7 bis 10fach nur 10 Prozent der Fälle nichts merken von ihrer Grippe? Verstehe ich nicht bzw. Habe einen Denkfehler? Kann es auch sein, dass 90 Prozent keine nennenswerten Symptome haben?