"Der Flaschenhals ist das Testen der Bevölkerung"

An den Corona-Ambulanzen in Chemnitz, Zwickau oder Dresden wollen sich viele Menschen testen lassen - aber nicht alle kommen dran.

Dresden/Chemnitz/Zwickau.

Engpässe bei den Coronatests? Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) verneint die Frage am Dienstag vor der Presse: Es gebe "im Moment genügend Test-Kits", auch wenn es "immer mal wieder zu Lieferverzögerungen kommt". Sie verfüge jedenfalls über "keine offiziellen Informationen, dass sie knapp werden". In Sachsen werde "sehr viel" getestet, was zu einer "guten Datengrundlage" führe.

Eine gute Stunde später hört sich das etwas anders an. Dresdens Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke) erklärt, dass das Städtische Klinikum der Landeshauptstadt theoretisch inzwischen täglich bis zu 200 Proben nehmen könnte, dazu aber die erforderlichen Testkits fehlten. Der Grund: Anders als vor wenigen Tagen angekündigt, habe der Freistaat sie aufgrund deutschlandweiter Lieferprobleme den Kommunen nicht weitergeben können, so Kaufmann. "Insofern ist der Flaschenhals wirklich das Testen der Bevölkerung. Ich gehe aber davon aus, dass man schnellstmöglich diesen Flaschenhals weiten wird." Für sie ist klar, dass dies zur "Erhellung der Dunkelfelder" führen werde - also weitaus mehr positive Testergebnisse als bisher.

Einen Überblick über die Anzahl der auf Corona getesteten Sachsen gibt es auch deshalb nicht, weil die Daten ganz offenkundig nicht an einer Stelle zusammenlaufen. Köpping verweist darauf, dass die Landesuntersuchungsanstalt nur die von den Gesundheitsämtern angeordneten Tests durchführe. Dazu gebe es aber auch noch die Tests der Kinder- oder Hausärzte, die an Labore gingen - und zudem die Corona-Ambulanzen, die mittlerweile nach und nach in Sachsen entstehen.

Dass dort eine Reihe von Menschen, die sich testen lassen wollten, wieder weggeschickt wird, hat vor allem einen Grund: fehlende Voraussetzungen. Momentan komme "jeder, der sagt, er möchte mal getestet werden", dorthin, dabei seien die Ambulanzen nur für "Risikopatienten" gedacht, so Köpping. Man halte sich an die offiziellen Vorgaben und teste nur in begründeten Verdachtsfällen, bestätigt Cathleen Schubert, Sprecherin des Zwickauer Heinrich-Braun-Klinikums (HBK). Das bedeutet, dass das Auftreten von typischen Symptomen allein nicht reicht. Nur, wenn jemand darüber hinaus entweder in einem Risikogebiet war oder Kontakt zu einer nachweislich infizierten Person hatte, kommt er für einen Test infrage. Zu Abweisungen kam es deshalb nicht nur an den Ambulanzen in Dresden und Leipzig, sondern auch an den beiden seit Dienstag geöffneten Einrichtungen in Zwickau (11 bis 17 Uhr) und Chemnitz (8 bis 18 Uhr).

In der Chemnitzer Ambulanz können bis zu 140 Menschen zeitgleich untersucht werden. Bis zum Abend wurden etwa 300 untersucht, bei 107 wurden Rachenabstriche genommen. Auf die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln soll verzichtet werden - zur Minimierung der Ansteckungsgefahr. An kostenlosen Parkplätzen mangelt es nicht. Den Autokennzeichen nach wollen auch viele aus dem Umland das neue Ambulanz-Angebot nutzen - nicht immer erfolgreich.

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    0
    quatschkopf
    18.03.2020

    Natürlich erhöht sich die Zahl "drastisch". Ohne "Bremse" verdoppelt sich die Zahl der infizierten alle 2 bis 3 Tage. Kann sich jeder ausrechnen wie schnell wir bei ein paar tausend sind. Da wären wir in zwei Wochen bei etwa 8000. Davon muss nur ein Teil ins KH und davon wieder nur ein Teil auf die Intensivstation aber bei 1500 Intensivbetten merkt eigendlich jeder das es nicht lange braucht um die zu füllen.
    Das es da nicht lange dauert bis die te Kapazität der Labore für die Tests aufgebraucht sind ist auch kein Wunder.
    Es geht nicht drum dass ich jetzt genau wissen muss ob ich infizierten bin sondern das ich mich so verhalte dass ich niemanden anstecke. Jeder, egal ob ich nun huste oder nicht, egal ob Fieber oder nicht.

  • 1
    2
    saxon1965
    18.03.2020

    Ach so, man testet also nur Personen, die Symptome haben und aus einem Risikogebiet kommen oder Kontakt zu einer nachweislich infizierten Person hatten.
    Aber nicht dass es dann später heißt: "90 Prozent haben Corona!"
    … findet den Fehler!