Dreamhack in Leipzig: Ein Held ist nicht genug

Erstmals spielen an diesem Wochenende in der Messestadt 16 Teams um eine Million Euro Preisgeld. Die Gaming-Welt produziert längst ihre eigenen Stars.

Chemnitz/Leipzig.

Die eigene Basis verteidigen, das Hauptquartier des Gegners einäschern, auf dem Weg dorthin Verteidigungstürme und computergesteuerte Horden eliminieren - nur wenige können das so gut wie die vier Deutschen Adrian "Fata" Trinks, Maximilian "qojqva" Bröcker, Roman "mN-"Paley und Kuro "KuroKy" Salehi Takhasomi. Sie haben es in Dota-2 bis in die Weltspitze geschafft.

In diesem Multiplayer-Online-Game treten zwei Fünferteams gegeneinander an. Dabei muss jeder Spieler, bevor es losgeht, einen aus mehr als 100 Helden auswählen und ihn dann individuell steuern. Je besser das gelingt, desto stärker werden die gepixelten Charaktere. Das trainieren professionelle Gamer acht bis zwölf Stunden am Tag, dafür reisen sie zehn Monate im Jahr zu großen Turnieren rund um die Welt. Mit an Bord: ein Coach, oft auch der eigene Koch und Fitnesstrainer.

Ab diesem Freitag duelliert sich die Elite zum ersten Mal auf der Dreamhack in Leipzig. Am Start bei diesem Major-Turnier sind so gut wie alle Topteams aus Asien, Nordamerika und Europa, darunter auch die von Trinks, Bröcker und Takhasomi. Es geht um eine Million Euro Preisgeld - und am Ende werden die siegreichen Spieler für ihre Fans wieder selbst zu Helden.

Die Gaming-Welt produziert schon längst ihre eigenen Stars. Weltmeisterschaften in "Hearthstone", "League of Legends" oder "Hola" bringen jedes Jahr neue Preisgeld-Millionäre hervor. Beim "The International" ging es zuletzt um 34 Millionen US-Dollar, allein das Siegerteam kassierte rund 15 Millionen.

Aus LAN-Partys sind stadienfüllende Events geworden. Am jüngsten "Fortnite World Cup" haben nach Angaben des Veranstalters über 40 Millionen Spieler aus aller Welt teilgenommen, das Finale verfolgten mehrere Millionen Menschen weltweit via Online-Streams sowie 19.000 Zuschauer live in den USA - im ausverkauften New Yorker Arthur Ashe Stadion.

Auch zur Dreamhack in Leipzig, bei der sich an diesem Wochenende alles rund ums Gaming dreht, werden wieder tausende Menschen in die Messehallen strömen. - und Hunderttausende die Spiele des Dota-2-Major verfolgen. Der Pay-TV-Sender E-Sports-1 überträgt das Event von Freitag bis Sonntag. Dass Computerspiele derart viele Zuschauer anziehen, erklärt sich für den Leipziger E-Sports- und Radiomoderator, Spieler und Streamer Konstantin Winkler quasi von selbst. "Wenn ich in der Fußball-Kreisliga kicke, dann schalte ich auch die Sportschau an und staune, was die Profis können", hat er einmal gesagt. "Wenn man selber spielt, kann man das wertschätzen."

Zahlen der GfK-Marktforschung zufolge daddelt bereits nahezu jeder zweite Deutsche mehr oder weniger regelmäßig. Knapp die Hälfte davon sind Frauen. Im Durchschnitt sind die Spieler 35 Jahre alt. Das Durchschnittsalter steigt. Schon jetzt ist etwa jeder Vierte älter als 50.

Der Verband der deutschen Games-Branche hat auf Basis einer Erhebung der Marktforscher von You-Gov zudem ermittelt: Knapp jeder zehnte Gamer in Deutschland hat bereits selbst als Spieler an E-Sports-Turnieren und -Ligen teilgenommen. Das entspricht mehr als vier Millionen Menschen. Davon treten knapp drei Millionen Spieler sogar regelmäßig oder von Zeit zu Zeit bei Wettkämpfen an.

Eine Studie der Unternehmensberatung Deloitte sagt dem E-Sport ein rasantes Wachstum voraus. 2018 seien damit in Europa geschätzt 240 Millionen Euro umgesetzt worden. "Und das Wachstum geht weiter: Wir gehen von einer jährlichen Rate von etwa 23 Prozent aus. 2023 werden auf Europas E-Sports-Markt voraussichtlich Umsätze von rund 670 Millionen Euro erzielt - und davon 180 Millionen in Deutschland", sagt Deloitte-Experte Stefan Ludwig.

Im Vergleich zu den knapp 2,4 Milliarden Euro der Fußball-Bundesliga ist das zwar noch wenig. "Jedoch ist E-Sport nicht mehr weit von anderen etablierten Sportarten wie Handball, Basketball oder Eishockey entfernt", heißt es in der Deloitte-Studie.


Mehr als 2000 Spieler feiern in Leipzig eine Party 

Fans von Computerpielen können sich auf der Dreamhack in Leipzig auch selbst austoben: Erneut finden sich in der Neuen Messe mehr als 2000 Gamer zur größten LAN-Party Deutschlands ein, um drei Tage lang in einem lokalen Netzwerk offline mit- und gegeneinander zu zocken. Das beste LAN-Team im Spiel "Rainbow Six Siege" darf dann in einem Turnier gegen die drei Champions aus Deutschland, Österreich und der Schweiz um 30.000 Euro Preisgeld kämpfen. Zudem treffen Teams, die sich vor Ort qualifizieren, auf die festen Teams der "Farming Simulator League". Die Top-8-Teams spielen dann am zweiten Tag um Preise im Gesamtwert von 12.000 Euro. Außerdem kommen unter anderem die besten Smash-Spieler aus ganz Europa nach Leipzig. Geöffnet hat die Dreamhack Freitag und Samstag von 10 bis 20 und Sonntag von 9.45 bis 18 Uhr. Tagestickets kosten für 12- bis 15-Jährige 9,50 Euro und ab 16 Jahre 23,50 Euro, Dauerkarten 54 Euro. Das komplette Programm gibt es im Internet. www.dreamhack-leipzig.de

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