Dresden soll zweites Standbein deutscher Krebsforschung werden

Freistaat und Deutsches Krebsforschungszentrum planen für fast 25 Millionen Euro einen Dresdner Ableger des renommierten Instituts aus Heidelberg.

Dresden/Heidelberg.

Im 55. Jahr seines Bestehens will das in Heidelberg ansässige Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) erstmals eine Außenstelle gründen - in Dresden. Unter maßgeblicher finanzieller Unterstützung des Freistaats plant die mit mehr als 3000 Mitarbeitern nach eigenen Angaben größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland für 20 Millionen Euro einen Bau auf dem Onkologischen Campus der Dresdner Hochschule. Zu ihren über 1300 Wissenschaftlern, die in Heidelberg erforschen, wie Krebs entsteht, sollen in Dresden künftig weitere 100 Forscher arbeiten, die Zukunftstechnologien im Kampf gegen die Krankheit entwickeln.

Es gehe darum, Behandlung, Früherkennung und Prävention von Krebs mittels Künstlicher Intelligenz und sogenannter Smarter Anwendungen zu verbessern, hieß es am Montag, als die DKFZ-Führung und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) in Dresden zusammenkamen, um bei einer Feierstunde die Gründungsvereinbarung zu unterzeichnen.

Als Beispiel für den Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Früherkennung nennt DKFZ-Sprecherin Ulrike Grönefeld jenen bereits entwickelten Algorithmus, der anhand eingesandter Foto-Dateien von auffälligen Hautstellen eine Krebsdiagnostik ausführen kann - völlig automatisch. Es gehe nicht darum, den Hautarzt zu ersetzen, sondern dessen Arbeit zu flankieren, den Arzt früher aufmerksam zu machen.

Über die Baukosten hinaus soll der Ausbau der Außenstelle 4,3 Millionen Euro kosten. Der Freistaat geht in Vorleistung. Ab 2024 soll der Bund 90 Prozent der Kosten des Forschungszentrums tragen. So ist die Finanzierung auch am DKFZ-Standort in Baden-Württemberg geregelt.

Fallzahlen an Krebserkrankungen nähmen in den nächsten Jahren weltweit dramatisch zu, betonte der Vorstandschef des DKFZ, Michael Baumann, am Montag. Das erfordere nicht nur bessere Therapien, sondern auch neuartige Digitaltechnologien. "Weltweit besteht für solche Zukunftstechnologien enormer Forschungsbedarf", so Baumann. In Dresden sollen eine Professur und zwei Nachwuchsforschergruppen in den Bereichen Smart Sensors und Künstliche Intelligenz entstehen.

Gleichzeitig will man eine Präventionsambulanz einrichten, in der Forscher Anwendungen direkt überprüfen können. Auch eine Beratung der Bürger, die ihr Krebsrisiko senken wollen, ist geplant. Das Dresdener Pilotprojekt solle zeigen, dass praktische Krebsprävention und Spitzenforschung an einem Standort Hand in Hand gehen können.

"Der Standort Dresden bietet ein international herausragendes technologisches Umfeld für die Entwicklung von mikroelektronischen und datenwissenschaftlichen Zukunftstechnologien", lobte Baumann. Dies sei ein bestimmender Faktor für die Auswahl gewesen. Zusammen mit der Hightech-Industrie und weiteren Krebsforschungszentren ergäben sich in Dresden einmalige Voraussetzungen. "Damit erreichen wir die für internationale Spitzenforschung notwendige kritische Masse." Bisher hat das DKFZ zusammen mit der Dresdner Hochschulmedizin und dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf den Dresdner Partnerstandort des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen, das Nationale Zentrum für Radioonkologie und eine Außenstelle des Krebsinformationsdienstes aufgebaut. Mit der ersten DKFZ-Außenstelle in Deutschland komme Dresden seiner "Vorreiterrolle in der Entwicklung innovativer und schlagkräftiger Strukturen" nach, sagte Ministerpräsident Kretschmer.

Der Dresdner Uni-Rektor Hans Müller-Steinhagen stellte die Interdisziplinarität in den Vordergrund: "Echte wissenschaftliche Durchbrüche entstehen zunehmend durchs Zusammenwirken von Spitzenwissenschaftlern an Grenzen zwischen den einzelnen Fächern." Neben ihrer Spitzenmedizin verfüge die TU Dresden auch über international führende Forschungskompetenz in den für die neue DKFZ-Außenstelle so entscheidenden Bereichen Mikroelektronik, Netzwerk-Kommunikation und Datenwissenschaften.

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