Dresdner Friedenspreis an starke Stimme für die Bildung

Der Dresden-Preis würdigt alljährlich das Engagement für Frieden und Völkerverständigung - diesmal hat die Jury damit ein Zeichen für die Zukunft gesetzt.

Dresden (dpa) - Statement für das Recht auf Bildung: Die Syrerin Muzoon Almellehan hat für ihr Engagement für die Bildung von Kindern in Krisengebieten den mit 10 000 Euro dotierten Internationalen «Dresden-Preis» erhalten. Die Auszeichnung des Vereins Friends of Dresden wurde ihr am Sonntag in der Dresdner Semperoper verliehen. «Sie ist ein Vorbild dafür, wie man in einer scheinbar hoffnungslosen Situation sein Leben zurückholen kann, und das von anderen auch», sagte die Vorjahrespreisträgerin Kim Phuc Phan Thi, die als «Napalm Girl» auf einem Foto aus dem Vietnamkrieg bekannt wurde, als Laudatorin.

Almellehan habe schon als Kind erkannt, dass Bildung ein Zukunftsthema ist. «Bildung ist die Grundlage für alles im Leben und Wissen das Beste gegen Hass und damit gegen Kriege.» Die Klaus Tschira Stiftung als Preisstifterin sieht in Almellehan ein Symbol dafür, dass «jeder seinen Beitrag zum Frieden leisten kann, auch wenn er machtlos erscheint». Sie kämpfe mit Leidenschaft für die Zukunft von Kindern, damit sie ihr Leben erfüllt leben könnten, sagte Ex-Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) vom Verein Friends of Dresden. «Sie ist eine Preisträgerin, die uns Mut macht.»

Die heute 21-Jährige war zwölf, als der Krieg in ihr Leben brach. Zwei Jahre später flüchtete ihre Familie nach Jordanien, Almellehan nahm nur ihre Schulbücher mit. Im Flüchtlingslager konnte sie wider Erwarten weiter zur Schule gehen, während andere Mädchen sie abbrachen. Almellehan überzeugte viele Eltern und Kinder im Lager, wie wichtig Schule ist. «Wenn du Bildung hast, kann dir das niemand mehr nehmen.»

Almellehan will Bildung für jeden. «Sie ist wichtig für alle, überall, egal welche Nationalität und welches Alter», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Bildung müsse absolute Priorität haben und darin entsprechend investiert werden. Dabei gehe es nicht nur um Basisbildung, sondern «mindestens zwölf Jahre Schulzeit für alle». Almellehan appellierte zudem an die Weltgemeinschaft, Kriege und Konflikte zu vermeiden. «Damit Kinder in Frieden lernen können, überall auf der Welt.»

Der Preis ist für die junge Syrerin, die ihr Engagement mit ihrer Freundin, Friedensnobelpreisträgerin Malala, teilt, Anerkennung und Wertschätzung ihrer Arbeit, aber «zugleich Ansporn, weiterzumachen». Seit Ende 2015 lebt Muzoon in Newcastle (Großbritannien), schloss die Schule mit Bestnoten ab und studiert nun Internationale Politik. Mit 19 Jahren wurde sie die jüngste Sonderbotschafterin der Unicef und ist die erste in der Geschichte des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen mit Flüchtlingsstatus.

Das gibt ihr eine viel größere Bühne, die sie nutzt, um mit Hilfe vieler Unterstützer denen eine Stimme zu geben, die nicht gesehen und gehört werden, wie sie in ihrer Dankesrede sagte. «Krieg raubt den Menschen die Zukunft», sagte Almellehan. Er könne Häuser, Schulen und Heimat zerstören, «uns aber nicht zwingen, unser Recht auf Bildung aufzugeben», sagte sie. «Wir verdienen es, in Frieden zu leben und ein normales Leben zu haben.»

Einen mit 5000 Euro dotierter Sonderpreis bekam das Dresdner Musikprojekt «Musaik - Grenzenlos Musizieren», das seit zwei Jahren Kinder aus Flüchtlingsfamilien und Mädchen und Jungen in einem Plattenbauviertel der Stadt beim gemeinsamen Musizieren vereint. Der «Dresden-Preis» wird seit 2010 an Persönlichkeiten verliehen, die sich in besonderem Maße um Frieden und Völkerverständigung verdient gemacht haben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow, Pianist und Dirigent Daniel Barenboim und Kriegsfotograf James Nachtwey.


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    10
    Distelblüte
    09.02.2020

    Muzoon ist der beste Beweis dafür, dass es nur darauf ankommt, was IM Kopf ist, nicht, was obendrauf ist. Siehe auch Malala Youzafzai.