Dürre lässt verschwundene Geschichte sichtbar werden

Archäologische Untersuchungen aus der Luft profitieren von den Auswirkungen der Hitze. Die Funde geben auch Auskunft über die ersten sesshaften Bewohner Sachsens.

Dresden.

In Sachsens Boden schlummert so manches Geheimnis aus vergangenen Zeiten. Ihnen ist Ronald Heynowski, Referent am sächsischen Landesamt für Archäologie, aus ungewöhnlicher Perspektive auf der Spur. Zusammen mit einem Piloten startete Heynowski bereits mehrmals in diesem Sommer mit einem Ultraleichtflugzeug vom Flugplatz Großenhain, um den Boden aus der Luft nach Strukturen zu untersuchen, die Menschen in vergangenen Zeiten angelegt haben.

Eine Veränderung des Bodens durch den Menschen hat auch nach mehreren Tausend Jahren noch Auswirkungen auf das Wachstum der Pflanzen. "Vergleichbar mit einem Computerbildschirm, wirkt jede Pflanze von oben gesehen wie ein Pixel", erklärt der Archäologe. Je kleiner die Pflanzen sind, desto höher auflösend sind die Strukturen im Feld erkennbar. "Weizen bildet die Strukturen zum Beispiel deutlicher ab als Mais", erläutert Heynowski.

Eine besondere Rolle bei den Untersuchungen spielt auch das Wetter. Ist der Boden vom Menschen einmal bearbeitet worden - etwa durch das Anlegen von Gräben - so hat sich dadurch auch seine Fähigkeit verändert, Wasser zu speichern. Dies wiederum hat Auswirkungen auf das Wachstum der Pflanzen, welche besonders bei anhaltender Dürre gut sichtbar werden.

Relikte aus über 7000 Jahren Menschheitsgeschichte konnte Heynowski bereits finden und fotografieren. Auf einem Feld nahe der Ortschaft Groß Treben (Landkreis Nordsachsen, siehe Foto) ließen sich aus der Luft zahlreiche Kreise ausmachen. "Es handelt sich hierbei um ein großes bronzezeitliches Hügelgräberfeld, das vor etwa 3200 Jahren angelegt wurde", erklärt Heynowski. Auch im Landkreis Meißen wurde der Archäologe fündig. In der Nähe der Ortschaft Zehren konnte er eine hochmittelalterliche Wallburg mit vorgelagerten Gräben aus dem 11. und 12. Jahrhundert lokalisieren.

Nahe Groß Dalzig (Landkreis Leipzig) stieß der Forscher sogar auf Strukturen, die auf jungsteinzeitliche Hausgrundrisse hindeuten. Es dürfte sich dabei um Relikte der ersten sesshaften Bewohner Sachsens handeln. Sie stammen aus der Zeit der sogenannten Linienbandkeramik und sind demnach zwischen 5200 und 4800 Jahre alt. Doch wie lassen sich diese Strukturen im Boden datieren? "In jeder Epoche wurde anders gebaut", erklärt Heynowski. Die Größe und Stärke der Strukturen sowie die Anzahl von Stützbalken in den Grundrissen geben Hinweise auf das Alter der Gebäude, erläutert der Forscher.

"Es handelt sich bei den Untersuchungen um nichtinvasive Eingriffe", sagt der Wissenschaftler. Gegraben werde an den Fundstellen nur, wenn Baumaßnahmen anstehen. Da sich die Fundstellen oftmals auf bewirtschaftetem Boden befänden, würde aber meist eine Absprache mit den Bauern genügen, an den entsprechenenden Orten weniger tief zu pflügen. Ziel sei es, die Funde zu erhalten, deren Anzahl in Sachsen zwar zahlreich, aber nicht unendlich sei, so Heynowski.

Doch auch für den Wissenschaftler hat die Dürre mitunter Nachteile. Das trockene Wetter sorgt für einen außergewöhnlich schnellen Reifeprozess der Pflanzen und somit auch für eine zeitigere Ernte. Mit dem Einholen des Korns ist auch für den Forscher die Saison beendet.

Auch aus anderen Regionen Europas wurden in den zurückliegenden Wochen archäologische Funde gemeldet, die aus der Luft entdeckt worden sind. In der englischen Grafschaft Staffordshire wurden Umrisse von Gebäuden gefunden, die zum ehemaligen Herrenhaus Tixall Hall gehörten. Das Anwesen aus dem 16. Jahrhundert erlangte Bekanntheit durch die Internierung der schottischen Königin Maria Stuart im Jahre 1587. Wie ein Sprecher der Behörde Historic England mitteilte, wurden zudem nahe der Gemeinde Eynsham in der Grafschaft Oxfordshire ein römischer Bauernhof sowie eine Beerdigungsstätte aus der Bronzezeit entdeckt.

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1Kommentare
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  • 0
    0
    aussaugerges
    21.08.2018

    Ist schon sensationell.



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