Dulig sieht Sachsen vor wirtschaftspolitischer Zeitenwende

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Nach Beginn des Ukraine-Kriegs kündigte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) eine geopolitische Zeitenwende an. Diese wirke sich auch auf Sachsens Wirtschaft aus, meint sein Parteifreund Martin Dulig.

Dresden.

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) sieht sein Bundesland als Industriestandort mit dem größten Modernisierungsprozess seit 1990 konfrontiert. Die stabilen Jahre seien schon vor dem Beginn des Angriffskrieges in der Ukraine vorbei gewesen, sagte Dulig in einer Regierungserklärung am Mittwoch im Sächsischen Landtag. Die von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) angekündigte geopolitische Zeitenwende verschärfe nun die Herausforderung, die Wirtschaft souverän und unabhängig zu machen.

"Die Umwälzungen in Folge des russischen Angriffskrieges treffen auf eine Welt, die sich bereits im rasanten Wandel befindet: ökonomisch, ökologisch und sozial", stellte Dulig fest. Ganze Wirtschaftszweige würden neu geordnet und auf die Herausforderungen von Klimawandel, Digitalisierung und Automatisierung ausgerichtet. "Es geht dabei auch um die Sicherung und Modernisierung von Hunderttausenden von Arbeitsplätzen in der Industrie."

Dulig betonte, dass Sachsen seine Industrie beim Umbau unterstützen müsse, um die Umbrüche erfolgreich zu bewältigen. Es brauche Investitionen in Zukunftsindustrien wie Wasserstoff und Mikroelektronik. Diese bräuchten aber auch Platz, dabei sei er sich mit dem Regionalentwicklungsminister Thomas Schmidt (CDU) einig. "Investorenanfragen können aber nur dann bedient werden, wenn geeignete und große Flächen in einem ausreichenden Entwicklungszustand schnell zur Verfügung stehen - wie dies zum Beispiel bei den großen Ansiedlungen von Tesla und Intel der Fall war." Die Staatsregierung habe das Thema erkannt und arbeite an einer Lösung.

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine mache noch einmal deutlicher, dass man raus müsse aus der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern, sagte Dulig. "Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist nicht nur eine ökologische Notwendigkeit, sondern inzwischen eine Frage der nationalen Sicherheit geworden." Darin sei er sich mit Energieminister Wolfram Günther (Grüne) einig. Er biete die Unterstützung seines Ministeriums bei der Beschleunigung des Ausbaus der Energien an.

Zugleich kündigte der SPD-Politiker Hilfen für Unternehmen an, die unter den Sanktionen gegen Russland litten. Hohe Energiepreise verteuerten die Produktion, Liefer- und Wertschöpfungsketten würden unterbrochen, Rohstoffe und Vorprodukte seien nicht verfügbar. "Einige Unternehmen treffen diese ökonomischen Folgen besonders hart. Wir lassen sie nicht im Regen stehen."

Bei einer Aussprache bemängelte die Opposition, dass die Regierungserklärung wenig Substanzielles geboten habe. "Der Staatsminister liebt es: Erklärungen mit pathetischen Titeln, in denen er Dinge beschreibt, die bei näherem Hinschauen bekannt oder nicht beschlussreif sind", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Linksfraktion, Nico Brünler. Bei der Fachkräftesicherung, Digitalisierung und beim Strukturwandel gebe es viele Defizite. Dulig habe etwa am Montag das Zentrum für Fachkräftesicherung und Gute Arbeit (ZEFAS) in Chemnitz eröffnet. "Was sein Mehrwert ist, muss sich aber noch erweisen", sagte Brünler.

Der AfD-Abgeordnete Frank Peschel nannte die Regierungserklärung inhaltsleer. Es fehlten seiner Ansicht nach konkrete Aussagen, etwa wie viele neue Arbeitsplätze in Sachsen entstehen sollten.

Der sächsische Bezirksvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Markus Schlimbach, mahnte mehr Einsatz für Investitionen in die Zukunft an. Diese seien notwendig, um den nächsten Generationen ein lebenswertes Sachsen mit gut bezahlten, sicheren Arbeitsplätzen und hochwertigen öffentlichen Dienstleistungen in Städten und ländlichen Räumen zu bieten. "Nun muss in Sachsen schnell die unflexible Schuldenbremse reformiert werden, damit sie nicht zur Investitionsbremse wird." (dpa)