Ein bisschen Frühling: Geschäfte in Sachsen öffnen teilweise

Nach vier Wochen Zwangspause dürfen Geschäfte in Sachsen teilweise wieder öffnen. Die Inhaber atmen auf. Und halten sich akribisch an Hygienevorschriften.

Leipzig/Dresden (dpa/sn) - «Schön, dass Sie da sind», ist auf den weißen Mundschutz von Manuel Roth geschrieben. Der 37-Jährige durfte nach vier Wochen Zwangspause seinen Schreibwarenladen Rothstift in Leipzig wieder öffnen. Seit Montag können die Menschen in Sachsen wieder in Geschäften mit einer Verkaufsfläche bis zu 800 Quadratmetern einkaufen. Bei Kfz-, Fahrrad- und Buchhändlern ist die Größe egal, ebenso bei Bau- und Gartenmärkten.

«Wir wussten nicht so richtig, was uns da jetzt erwartet», so Roth. Er ist froh, dass es weitergeht. Wege durch das etwa 400 Quadratmeter große Geschäft sind abgeklebt, am Eingang stehen Desinfektionsmittel, Handschuhe und Körbe bereit. Mit den abgezählten Körben wolle er sicher gehen, dass nicht zu viele Kunden das Geschäft betreten.

«Wir wollen nichts riskieren», sagt Roth. Nichts wäre schlimmer, als wenn das Ordnungsamt den Schreibwarenladen mit seinen zehn Angestellten erneut schließen würde, sagt er. Doch der große Kunden-Ansturm bleibt aus: «Wie ein normaler Montag», so Roth. Stammkunde Robert Selder kommt in den Laden, braucht Stifte und Ordner. Nach vier Wochen sei sein Vorrat an Schreibwaren zu Ende gegangen, berichtet er.

Die Grenze von 800 Quadratmetern Verkaufsfläche hält der Handelsverband Sachsen für «völlig willkürlich». Auch Einrichtungshäuser, Elektromärkte, Warenhäuser und Modeläden müssten schnell wieder öffnen dürfen, teilte Geschäftsführer René Glaser mit. «Auch diese Unternehmen sehen sich durch die Schließung in ihrer Existenz bedroht und brauchen schnellstens eine Perspektive», so Glaser. Er betont, dass sich Kundenströme gerade in größeren Geschäften besser lenken ließen. Ohnehin kämen weniger Kunden in die Läden, auch weil wichtige Kaufanlässe wie Feste, Events und Urlaube entfielen, sagte Glaser.

Es sei «völlig unverständlich», warum Sachsen erneut einen eigenen, verschärfenden Weg im Vergleich zu anderen Bundesländern gehe, so Glaser. So sei es etwa im Freistaat anders als in einigen anderen Ländern nicht gestattet, Flächen auf 800 Quadratmeter zu reduzieren.

Die Verbraucherzentrale Sachsen begrüßte die Öffnung des Einzelhandels «um die Ecke». «Verbraucher haben damit die Chance, die ansässigen Unternehmer zu unterstützen», so der Vorstand der Verbraucherzentrale, Andreas Eichhorst. Die vergangenen Wochen hätten gezeigt, dass die Menschen sich auf die aktuellen Herausforderungen einließen.

Deutlich wird das auch vor einem Toom-Baumarkt in Leipzig: Dort stehen am Eingang Papier, Gummi und Tacker bereit, damit sich die Kunden auch kurzfristig einen Mundschutz basteln können - immerhin gilt die Maskenpflicht im Freistaat in Bahnen, Bussen und Geschäften seit Montag. Etwa 50 Meter misst die Schlange vor dem Leipziger Baumarkt am Montagmorgen. Die meisten Kunden verlassen den Markt mit Wagen voller Blumen. Wegen des sonnigen Wetters und der vielen Zeit zuhause sei die Nachfrage nach Pflanzen, Erde und Gartengeräten derzeit besonders groß, teilt Sprecherin Daria Ezazi mit. 28 Märkte zählt die Baumarktkette in Sachsen. Auch Geräte für den Innenausbau seien sehr gefragt.

Die Öffnung des kleinteiligeren Einzelhandels sei ein «notwendiger Schritt», betont der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig, Kristian Kirpal. «Viele gerade kleine und inhabergeführte Läden hätten eine weitere Schließung über Wochen kaum überstehen können», so Kirpal. Allerdings würden kleine Geschäfte in Einkaufszentren benachteiligt, da diese geschlossen bleiben müssten, kritisiert er. Auch die Begrenzung auf 800 Quadratmeter Verkaufsfläche müsse korrigiert werden, so Kirpal. Die Regelung führe zu weiteren Wettbewerbsverzerrungen innerhalb der Branche.

Für weitere Lockerungen sollte laut Kirpal entscheidend sein, dass die Unternehmen Hygienevorschriften und Abstandsregeln gewährleisten können. «Unter dieser Voraussetzung brauchen nun auch weitere Branchen, insbesondere das besonders schwer getroffene Gast- und Reisegewerbe sowie andere Dienstleister mit Publikumsverkehr, schnell eine Perspektive», so Kirpal.


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