Ein Grollen aus 14 Kilometern Tiefe

Südlich von Werdau bebte am Wochenende die Erde. Das blieb nicht unbemerkt. Woanders grollte es aber noch mehr.

Glauchau/Collm.

In der Nacht zum Samstag, so ziemlich genau um 2 Uhr, spürte Hans-Walter Mehner einen "dumpfen Bums" am Haus. "Als wäre etwas gegen die Grundmauer gestoßen. Dann wackelte der Dachstuhl und ein leichtes Klirren war zu vernehmen", schreibt der Glauchauer in einer Leserzuschrift an die "Freie Presse" und fragt, ob das ein Erdbeben gewesen sei.

Genau das war es, wie Petra Buchholz vom Geophysikalischen Observatorium Collm der Universität Leipzig am Sonntag bestätigt. Demnach ereignete sich das Beben Samstagfrüh um 2.03 Uhr und erreichte eine Stärke von 2,9 auf der nach oben offenen Richterskala. Das Epizentrum habe in 14 Kilometern Tiefe, etwas südlich von Werdau gelegen. Laut Buchholz war es das bislang stärkste Beben in Deutschland in diesem Jahr. Dem Erdstoß seien kurz darauf zwei kleinere Beben mit einer Magnitude von 2,2 und 1,5 gefolgt.

Ein Erdbeben von dieser Stärke sei für Deutschland zwar exotisch, so die Expertin. So kämen hierzulande nur etwa aller drei Jahre Erdstöße mit einer Magnitude von drei vor. Zu fürchten brauche man sich davor aber nicht. "Denn erst ab einer Stärke von vier bis fünf wird es gefährlich", so Buchholz. Am schwersten sei Deutschland in den letzten Jahrhunderten beim sogenannten Roermondbeben 1992 getroffen worden. Das Beben mit Epizentrum nahe der niederländischen Stadt Roermond habe zu erheblichen Sachschäden in Nordrhein-Westfalen geführt und Dutzende Verletzte gefordert.

Allein am Samstag verzeichneten die Seismologen in Collm weltweit 22 Erdbeben-Ereignisse - das heftigste davon mit einer Stärke von 5,6 in Oklahoma in den USA. Aber auch die jüngst von heftigen Beben zerstörten Regionen in Mittelitalien hätten wieder Erdstöße der Stärke 4,5 erlebt, so Buchholz.

Inwiefern das "harmlose Erdgrollen" von Werdau von den Bewohnern der Region wahrgenommen werden konnte, hängt Buchholz zufolge von einigen Faktoren ab. Zum einen spiele die Beschaffenheit des Bodens eine Rolle. Lockerer Untergrund übertrage die Schwingungen stärker als felsiger Boden. Auch die Art der Gebäude wirke sich auf die Wahrnehmung der Schwingungen aus. In den oberen Etagen eines Hochhauses etwa seien Erdbeben deutlicher zu spüren als weiter unten, erläutert Buchholz. Insofern lasse sich von Collm aus schwer sagen, bis wohin das Werdauer Beben verspürt worden sei - möglicherweise aber bis ins Westerzgebirge.

Heftigere Erdstöße in der Region hatte es zuletzt im Mai 2014 bei einem Schwarmbeben im sächsisch-tschechischen Grenzgebiet gegeben. Das Grollen erreichte Werte von 4,2. Anders als beim Werdau Erdgrummeln bestünden "Schwarmbeben aus vielen Beben mit ähnlicher Magnitude, die über Wochen und Monate andauern können", so Buchholz.

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