Ein Himmelssteig für den höchsten Gipfel des Erzgebirges

Auf dem tschechischen Keilberg plant ein Investor einen 50 Meter hohen Aussichtsturm. Von der neuen Attraktion dürfte auch der Tourismus in Oberwiesenthal profitieren. Doch der Skywalk Klínovec gefällt nicht allen.

Jáchymov/Oberwiesenthal.

Das Vorbild steht auf halbem Weg zwischen Prag und Ostrava an der Grenze zu Polen: Im Glatzer Schneegebirge ließ der tschechische Unternehmer Jiří Rulíšek vor vier Jahren einen spektakulären Aussichtsturm errichten. Besucher können dort auf einem Wendelsteig über Holzbohlen nach oben steigen, auf einem Stahlnetz 55 Meter über dem Boden schweben und über die Baumwipfel hinweg weit ins Land schauen.

Der Skywalk Dolní Morava, gelegen auf 1116 Metern über dem Meeresspiegel, ist eine Touristenattraktion, die dem Wintersportgebiet im Dreiländereck Böhmen-Mähren-Schlesien auch im Sommer viele Besucher beschert. Jetzt will der Unternehmer das Konzept direkt an die Grenze zu Sachsen holen. Auf dem 1244 Meter hohen Keilberg, dem höchsten Gipfel des Erzgebirges mit Blick auf Oberwiesenthal, soll der Skywalk Klínovec entstehen.

"Wenn es nicht zu Verzögerungen kommt, werden wir im Herbst mit dem Bau beginnen und im September 2020 eröffnen", sagte Rulíšek Anfang der Woche auf einer Pressekonferenz in Jáchymov/Sankt Joachimsthal. Die Bergstadt unterstützt das Projekt; auf ihrem Grund soll der Turm mit einer integrierten Rutsche errichtet werden - in einem Waldstück knapp 500 Meter südöstlich des Gipfels in einer Höhe von 1205 Metern. Rund 250 Millionen Kronen, das entspricht etwa 10 Millionen Euro, will Rulíšek investieren. Beteiligt ist auch die Betreibergesellschaft des Skiareals Klínovec.

Man rechnet mit jährlich 200.000 Besuchern. Sie sollen ihre Autos vorwiegend auf den Parkplätzen des Skigebiets am Fuß des Berges abstellen und mit den Sesselliften nach oben fahren, da es auf dem Gipfel nur wenige Stellflächen gibt.

Ursprünglich sollte der Himmelssteig auf dem Keilberg 92 Meter hoch werden, dann wurde mit 75 Metern geplant, jetzt sollen es noch 50 Meter werden. Etwa ein Dutzend Behörden seien beteiligt, sagte Rulíšek. "Wir haben alle Genehmigungen für den höheren Turm." Er glaubt, es werde daher auch bei der kleineren Variante keine Probleme geben - "es sei denn, es kommt zu irgendwelchen politischen Interventionen".

Und die drohen offenbar. Denn die kleine Bergstadt Boží Dar/Gottesgab ist als unmittelbarer Anrainer strikt gegen den Turm. Bürgermeister Jan Horník sagte der "Freien Presse", sein Gemeinderat habe das Projekt einstimmig abgelehnt. Horník sprach von einem technischen Disneyland, von Verschandelung des höchsten Gipfels des Erzgebirges, Zerstörung von Waldflächen und Schäden für das sensible Ökosystem. Zudem sei die Region einem solchen Massentourismus nicht gewachsen. Horník behauptet, die Investoren würden intern sogar mit bis zu 500.000 Besuchern rechnen.

In Boží Dar wurde eine Petition gegen das Projekt gestartet; in der Touristinformation liegt eine Unterschriftenliste aus. Der Gottesgaber Bürgermeister, der zugleich im Senat in Prag sitzt, erklärte zudem, man habe wegen des Skywalks die Suche nach einem Investor für den verfallenen Hotelkomplex auf dem Keilberg-Gipfel eingestellt.

Seit 15 Jahren gehört dem Ort die Immobilie - bis auf die Sanierung des historischen Aussichtsturms tat sich nichts. Skywalk-Investor Rulíšek sagte dazu, ohne Aufhebung des Denkmalschutzes für die maroden Gebäude werde eine Erneuerung auch nicht gelingen. Zusammen mit dem Besitzer des Skiareals Klínovec, Petr Zeman, war er am Montag wegen des Skywalks in Boží Dar. Hinterher sagte er: "Mit Herrn Horník werden wir uns nicht einigen - das habe ich heute begriffen." Alle anderen tschechischen Anrainerorte seien für die neue Touristenattraktion, nur Boží Dar stelle sich quer. Gerade angesichts der kürzer werdenden Winter müsse der Keilberg aber auch im Sommer attraktive Angebote für Besucher machen. Die Betreibergesellschaft des Skiareals sprach von einem logischen Schritt, um den Ganzjahresbetrieb für den Tourismus am Berg zu sichern und damit die Attraktivität der gesamten Region zu steigern.

Aus Oberwiesenthal, wo der Skywalk deutlich zu sehen sein wird und von wo aus viele Touristen hinüber auf die tschechische Seite fahren, bekamen die Investoren nach eigenen Aussagen bisher keine Reaktionen. Aus dem Rathaus des Kurorts hieß es, das Projekt sei der Stadt offiziell noch gar nicht bekannt.

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