Einbruch Grünes Gewölbe: erstmals Phantombild

Der Diebstahl wertvoller Brillanten aus dem Grünen Gewölbe bekommt erstmals ein Gesicht. Ein junger Mann steht im Verdacht, das Fluchtauto erworben zu haben. Bislang gingen knapp 1300 Hinweise ein.

Dresden (dpa/sn) - Gut drei Monate nach dem spektakulären Einbruch in die Dresdner Schatzkammer Grünes Gewölbe haben die Ermittler erstmals das Phantombild eines Verdächtigen veröffentlicht. Der etwa 25 Jahre alte Mann soll den Fluchtwagen - einen Audi S6 - in Magdeburg abgeholt haben, nachdem das 2017 abgemeldete Auto im August 2019 von einer Privatperson an einen Unbekannten verkauft worden war. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Abholer mit dem späteren Einbruch in einem Zusammenhang steht.

Zwei Unbekannte waren am 25. November 2019 im Schutz der Dunkelheit über eines der vergitterten Fenster in das Grüne Gewölbe eingedrungen und hatten mit einer Axt eine Vitrine im Juwelenzimmer eingeschlagen. Nach kurzer Zeit konnten sie mit Diamanten und Brillanten von unschätzbarem Wert flüchten. Der Einbruch sorgte international für Schlagzeilen. Die Polizei bildete eine Sonderkommission namens «Epaulette». Bisher gingen knapp 1300 Hinweise ein, eine heiße Spur gibt es aber offenkundig noch nicht. Für Hinweise zur Ergreifung der Täter ist eine Belohnung von einer halben Million Euro ausgesetzt.

Polizei und Staatsanwaltschaft gehen inzwischen von mindestens sieben Tätern aus. Das hätten Einschätzungen aus einer Fallanalyse des Landeskriminalamtes Sachsen sowie umfassende Videoauswertungen ergeben, hieß es am Donnerstag. «Gleichzeitig ist die These, wonach von einer längerfristigen Planungsphase der Täter auszugehen ist, weiter untermauert worden», so die Behörden.

Nach Angaben der Ermittler wurde das Fluchtfahrzeug möglicherweise kurz vor der Tat farblich verändert. Ursprünglich sei der Audi stratosblau gewesen. Zeugen hätten ein derartiges Fahrzeug Tage vor dem Einbruch in Dresden gesehen, hieß es. «Es gibt Hinweise darauf, dass die Täter den Audi umlackiert beziehungsweise umfoliert haben könnten, so dass dieser am Tattag als helles Fahrzeug mit dunklem Dach wahrgenommen wurde.»

Im Rahmen der Ermittlungen hatte die Dresdner Sonderkommission auch Kontakt zu Berliner Kollegen aufgenommen. Es sollten mögliche Parallelen zu dem Diebstahl der 100 Kilo schweren Goldmünze aus dem Bode-Museum 2017 in Berlin abgeglichen werden, hieß es im vergangenen Dezember.

Am Donnerstag war der Einbruch in das Grüne Gewölbe auch Thema bei einer Sitzung des Innenausschusses im Sächsischen Landtag. Linke- Fraktionschef Rico Gebhardt zeigte sich im Anschluss enttäuscht und warf der Regierung «Aussageverweigerung» vor. «Weder der Innenminister noch der Landespolizeipräsident oder weitere Vertreter der Staatsregierung waren willens oder in der Lage, meine heutigen Fragen umfassend zu beantworten», erklärte Gebhardt. Im Ergebnis der kargen Auskünfte hätten sich sogar neue Fragen ergeben.

«Ich frage mich, warum bei der Polizei nicht automatisch und ohne Zeitverzug die Alarmglocken geschrillt haben, als die Diebe das Fenster «aufsprengten», wie Direktor Dirk Syndram es formuliert hat. Solche Systeme sind heute durchaus üblich, ebenso Vorkehrungen, die Diebe am Entkommen hindern», betonte Gebhardt. Vermutlich habe man aus Kostenerwägungen Sicherheitslücken in Kauf genommen. Parlament und Öffentlichkeit müssten erfahren, ob alle Möglichkeiten ausgeschöpft worden sind, um den Staatsschatz zu schützen.

Die «Sächsische Zeitung» hatte unlängst von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden Details über die künftige Präsentation im Grünen Gewölbe erfragt. Demnach soll der vom Einbruch betroffene Teil der Schatzkammer im Frühling wiedereröffnet werden. Ein genaues Datum wurde nicht genannt. Zunächst müsse das Sicherheitskonzept neu bewertet und überarbeitet werden, hieß es. Die aufgebrochene Vitrine soll bei auf Weiteres leer bleiben.


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