Einreisestopp für Pendler: Autozulieferer in Not

Der Einreisestopp für Berufspendler aus Tschechien hat viele Automobilzulieferer im Erzgebirge kalt erwischt. Seit Wochenbeginn fehlen ihnen wichtige Facharbeiter. Die Branche fürchtet hohe Strafzahlungen, sollten Unternehmen in Lieferverzögerungen geraten.

Annaberg-Buchholz (dpa/sn) - Die strikten Einreisebeschränkungen für Pendler aus Tschechien setzen viele Automobilzulieferer in der Grenzregion unter Druck. «Das ist ein Riesenproblem», sagte Dirk Vogel vom Branchenverband AMZ der Deutschen Presse-Agentur. Manchen Unternehmen im Erzgebirge fehlten aktuell 30 Prozent der Belegschaft und mehr. Das wirke sich erheblich auf die Produktionskapazitäten aus und bei Lieferverzögerungen drohten immense Strafzahlungen. Jan Kammerl von der Wirtschaftsförderung des Erzgebirgskreises berichtete, dass Firmen Schichten zusammenstreichen mussten, weil Mitarbeiter aus Tschechien nicht mehr einreisen können.

Wirtschaftsvertreter mahnen daher dringend Nachbesserungen an. «Viele Unternehmen haben bereits betriebsinterne Testregime entwickelt», betonte Kammerl. Damit könnten Pendler aus Tschechien täglich auf eine Corona-Infektion getestet werden. Er kritisierte, dass die Einreiseregeln sehr kurzfristig verschärft worden seien und sich Unternehmen und Beschäftigte darauf nicht ausreichend vorbereiten konnten. «In vielen Firmen wurden dadurch die Planungen über Nacht über den Haufen geworfen.» Betroffen seien längst nicht nur die Automobilzulieferer, sondern auch andere Branchen, betonte Kammerl.

Der Landrat des Erzgebirgskreises Frank Vogel (CDU) sprach sich am Mittwoch in einem Pressegespräch für Verhandlungen mit dem Freistaat aus, um weitere Berufsgruppen in die Quarantäne-Verordnung aufzunehmen. In ihrer jetzigen Fassung sehe er keine Spielräume für die Behörden, um Entscheidungen zugunsten von Unternehmen etwa der Automobilbranche und ihren Beschäftigten zu treffen. «Die Probleme sind mir bekannt», betonte er. Er habe zahlreiche E-Mails von betroffenen Unternehmen erhalten.

Tschechien gilt seit dem Wochenende als Gebiet, in dem sich mutierte Varianten des Coronavirus stark verbreitet haben. Deswegen dürfen von dort fast nur noch Deutsche und Ausländer mit Wohnsitz in Deutschland einreisen. Ausnahmen gibt es für Beschäftigte bestimmter Branchen wie Medizin, Pflege und Landwirtschaft. Das Sozialministerium hatte am Dienstag bekanntgegeben, die Einreisemöglichkeiten auf Berufspendler weiterer Branchen auszudehnen wie Wasser, Energie, Pharmaindustrie und Informationstechnik. Die Automobilzulieferer sehen sich hier bisher nicht berücksichtigt.

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