Einzigartiger Keltenschmuck in Sachsen gefunden

Sachsen war anders als Mittelrhein oder Böhmen kein keltisches Kerngebiet. Doch ein unerwarteter «Wahnsinnsfund» zeugt nun von Einflüssen.

Dresden (dpa) - Phantastisch, wunderschön, atemberaubend: Rund 2500 Jahre alter Keltenschmuck lässt Sachsens Archäologen jubeln. Die Prunkstücke aus der frühen sogenannten La Tène-Zeit um etwa 450 vor Christus wurden im Oktober 2018 auf dem Gelände eines Kieswerkes im Westen von Pirna-Pratzschwitz (Sächsische Schweiz) an der Elbe entdeckt. «Sie sind von höchster künstlerischer Qualität und jedes für sich eine Besonderheit», sagte Landesarchäologin Regina Smolnik bei der Präsentation der inzwischen restaurierten Objekte am Donnerstag in Dresden. Drei Gewandspangen (Fibeln) zählten zu den handwerklich besten Stücken keltischer Kunst, auch wenn sie nicht aus Edelmetall sind. «Es ist ein kleiner, aber für uns bedeutender Fund.»

Das einst in ein Tuch gewickelte und in einem Keramiktopf in etwa einem Meter Tiefe vergrabene Konvolut stammt nach Einschätzung der Experten wohl aus Böhmen. Darin befanden sich auch fast 500 Glas- und Bernsteinperlen, die die Experten zwei Ketten zuordnen, sowie ein Kettencollier aus Bronze. Die Archäologen stießen ganz am Ende ihrer drei Jahre dauernden Arbeiten an der Kiesgrube auf den einzigartigen Schatz. «Ein Wahnsinnsfund für Sachsen, wir waren alle sprachlos, das gibt es hier eigentlich nicht», sagte Grabungsleiter Ingo Kraft.

Neben zwei gut erhaltenen Fibeln in Form von Raubvögeln enthielt er auch eine menschengestaltige und etruskisch verzierte Maskenfibel mit Tierfuß aus Bronze. «Sie ist keltische Kunst vom Feinsten wie selten zu dieser Zeit und ganz ungewöhnlich», sagte Kraft unter Verweis auf ein menschliches Gesicht mit Spitzohren sowie dem naturalistischen Kopf eines Wolfes oder Hundes. «Fibeln sind immer Einzelstücke und dieses ein wunderschönes, phantastisches und atemberaubendes.»

Für das ebenso freigelegte Kettencollier gibt es nach den Recherchen der Experten «bisher keine Parallele», sagte Kraft. «Es ist einzigartig, wir kennen kein weiteres Stück auf der Welt.» Die fast 700 offenen und zu fünf Strängen geflochtenen offenen Ringe, drei Kettenschieber und das gebogene Halsstück aus geschmiedetem Blech seien technisch raffiniert verbunden. In dem Topf wurden zudem etwa 360 Bernstein- sowie rund 130 Glasperlen vor allem aus typisch keltischem Blau gefunden, die zu zwei Ketten gehörten. Solcher Schmuck findet sich laut Smolnik in Fürstengräbern, in diesem Fall aber gebe es keine Hinweise auf eine Bestattung.

Wem die Kostbarkeiten der Keltenzeit gehörten, soll weiter untersucht, ebenso ihre Herkunft und wie und warum sie an den Fundort kamen. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Schmuck entweder importiert oder von Kelten aus anderen Regionen niedergelegt wurde, die von Spanien bis Anatolien wanderten, so in Kontakt mit Hochkulturen kamen und deren Einflüsse in einen eigenen markanten Kunststil umwandelten. «Sachsen ist kein keltisches Kerngebiet», sagte Smolnik. Der Fund führe aber erstmals «in Präsenz und Reinheit vor Augen, wie eng die Verbindung des sächsischen Gebietes im fünften Jahrhundert vor Christus mit den keltischen Stämmen war».

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