Eiszeit und Vulkanen auf der Spur - Geoparks locken Besucher

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Vom Edelsteinfelsen bis zum Vulkan: In Geoparks lässt sich erdgeschichtliches Wissen entdecken. Damit wollen die tektonisch interessanten Regionen Sachsens nun stärker bei Touristen punkten.

Muldenhammer/Grimma.

Seine weingelben Kristalle haben den kunstvoll geschwungenen Felsen berühmt gemacht. Als geschliffene Topase finden sie sich im Grünen Gewölbe in Dresden und wohl auch in der englischen Königskrone. Nun soll der 23 Meter hohe Schneckenstein im Wald von Muldenhammer im Vogtland das Zentrum eines neuen Geoparks in Sachsen werden. "Die Geologie der Region spiegelt sich in vielen Bereichen wider, auch in der Industrie oder der Architektur", erklärt dessen Geschäftsführer Dennis Loos. Neben dem Topasfelsen Schneckenstein soll auch Wissen über die vogtländischen Schwarmbeben, die Floßgräben, die Quellen und die Moore auf Wanderrouten und an Infopunkten vermittelt werden. Die Ausbildung von eigenen Park-Rangern, die künftig die Touristen führen sollen, sei gerade in Arbeit. Ab 2023 will das Team den Antrag zur Zertifizierung als Nationaler Geopark stellen. Im Mai 2020 hatte das Management laut Loos die Arbeit aufgenommen.

Der Geopark im Vogtland ist der vierte in Sachsen. In diesen Parks könnten Besucher die Erdgeschichte hautnah erleben, betont Karin Bernhardt vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Die Behörde unterstütze und begleite die Geoparks mit Fachwissen. "Die Parks bewahren geologische Strukturen und landschaftliche Gebilde als wichtigen Bestandteil des Welterbes - aus der letzten Eiszeit im Muskauer Falkenbogen über Supervulkane im Porphyrland bis hin zu Klimaarchiven und Edelsteinfelsen im Vogtland."

Das Zertifikat als Nationaler Geopark steht im Herbst als wichtigster Schritt im Geopark Sachsens Mitte an. Der Antrag wird bei der Kommission Nationale Geoparks in Potsdam gestellt. Die steinernen Sehenswürdigkeiten in der Region des Tharandter Waldes zwischen Dresden und Freiberg rund um die Erdgeschichte könnten zu einem umweltschonenden Tourismus zwischen dem Erzgebirge und dem Dresdner Elbtal führen, hofft Eva Pretzsch als dortige Geoparkmanagerin. "Wir wollen, dass sich die Region zukünftig als Geopark identifiziert", sagt sie über die fünfjährige Arbeit des dazugehörigen Vereins.

Große Pläne stehen auch im Muskauer Faltenbogen an, dem einzigen Unesco-Geopark in Sachsen. Landkreise und Kommunen formten aktuell eine neue, grenzübergreifende Trägerstruktur, so Nancy Sauer aus der Geschäftsstelle in Klein Kölzig in Brandenburg. Dabei wollen Deutsche und Polen in einem Europäischen Verbund für territoriale Zusammenarbeit die Entwicklung des Geoparks vorantreiben.

Auf fast 600 Quadratkilometern befindet sich der Geopark zu je einem Drittel in Sachsen, Brandenburg und Polen. "Er ist einer von nur vier transnationalen Geoparks weltweit", erläutert Sauer. "Der Muskauer Faltenbogen präsentiert in dem weltweiten Netzwerk die jüngere Erdgeschichte, insbesondere die Eiszeit, sowie seine außergewöhnliche Rohstoff- und Industriegeschichte, die aus der deutsch-polnischen Region eine einzigartige Kulturlandschaft machte."

169 Regionen weltweit tragen den Status eines Unesco Global Geopark. Der Titel wird seit 2015 an herausragende geologische Stätten und Landschaften von internationaler Bedeutung vergeben. Seit 20 Jahren wird der Muskauer Faltenbogen für den Tourismus erschlossen - die 200 Kilometer Radwege, Wanderpfade und Aussichtstürme führten zu einer erstaunlich guten Resonanz bei den Besuchern, sagt Sauer.

Im Nationalen Geopark Porphyrland stehen das Vulkangestein des Porphyrs und die damit verbundenen Spuren eines ehemaligen Supervulkans von vor drei Millionen Jahren im Mittelpunkt. Das Gebiet erstrecke sich von Rochlitz im Landkreis Mittelsachsen rund 60 Kilometer in den Norden, erläutert Annett Steinert vom Trägerverein in Grimma. "Auch wenn wir aktuell unsere Angebote wieder ausdehnen, müssen wir feststellen, dass viele Buchungen bisher ausbleiben."

Dabei könnte auf verschiedenen Routen zu Fuß oder Rad die Theorie der Eiszeit gut an der frischen Luft nachempfunden werden. "Verschiedene Geotope dienen wie ein Fenster in die Erdgeschichte, darunter Steinbrüche, Quellen und Gruben." Über 20 ausgebildete Geopark-Ranger warten darauf, dass die Besucheranfragen wieder anlaufen. 2019 sei bisher mit fast 21.000 Gästen an den Infostellen das beste Jahr für das Gebiet gewesen. (dpa)

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