Elektrozüge zwischen Chemnitz-Leipzig erst in zehn Jahren

Bahnreisende aus dem Großraum Chemnitz brauchen weiter Geduld. Die Elektrifizierung der wichtigen Strecke nach Leipzig lässt auf sich warten. Nach Jahren des Stillstands prüft die Bahn, wie Ostdeutschlands drittgrößte Stadt endlich ans Fernverkehrsnetz kommt.

Chemnitz (dpa/sn) - Auf der zentralen Bahnstrecke zwischen den Großstädten Chemnitz und Leipzig fährt frühestens in zehn Jahren ein Zug nur mit Elektroantrieb. Er könne heute noch nicht sagen, wann der erste Spatenstich für den Ausbau erfolgen könne, sagte der Konzernbevollmächtigte für die Region Südost, Eckart Fricke, am Mittwoch nach einer Bürgerversammlung in Chemnitz. «Über eines sollten wir uns sicher sein: Ein Zeitziel wird mit Sicherheit Ende der 2020er, Anfang der 2030er Jahre sein.»

Die Linie RE6 zwischen Chemnitz und Leipzig ist für Bahnreisende ein Dauerärgernis. Neben Verspätungen und Zugausfällen wird vor allem die veraltete Technik kritisiert. Die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB) bedient die Strecken mit Waggons der früheren Deutschen Reichsbahn aus DDR-Zeiten, die weder barrierefrei noch klimatisiert sind. «Im Grunde kann man es gar nicht fassen, dass es sowas noch gibt», sagte die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) und sprach von einem «Museumszug».

Abhilfe könnte mit Beginn des Winterfahrplans 2020 kommen. Fricke stellte in Aussicht, dass die Deutsche Bahn ein Dutzend zwölf klimatisierte Doppelstockwagen zur Verfügung stellen kann. «Wenn man uns heute fragen würde, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass wir zum Dezember 2020 die heute genannten zwölf Doppelstockwagen - und dann sogar klimatisiert - zur Verfügung stellen», sagte er.

Für den avisierten Ausbau der Strecke mit Stromleitungen gibt es zwei Trassenvarianten, die derzeit untersucht werden. Der Bund hat nach einer Kosten-Nutzen-Rechnung den Verlauf über Borna in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen. Der Grund sei, dass dort bis Geithain bereits ein Fahrdraht hänge, sagte Fricke. Der Freistaat Sachsen und die Bahn favorisieren die Strecke über Bad Lausick. Dies scheine der attraktivere Weg zu sein, so Fricke.

Dabei hat Sachsen ein generelles Problem mit der Elektrifizierung: Laut Fricke sind im Freistaat erst 40 Prozent der Trassen mit Stromleitungen versehen, bundesweit betrage der Wert 60 Prozent.

Chemnitz, drittgrößte Stadt Ostdeutschlands, hat keine Fernbahnanbindung. Die Elektrifizierung der Strecke nach Leipzig ist Voraussetzung für eine IC- oder gar ICE-Verbindung. «Es geht nicht nur um eine Elektrifizierung, sondern um eine Anbindung an den Fernverkehr im Idealfall in alle vier Richtungen», sagte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) bei der Veranstaltung.

Eine auf eine Leinwand im Sitzungssaal des Rathauses projizierte Übersicht verdeutlichte die Misere: Alle IC- und ICE-Züge in Sachsen lassen Chemnitz links liegen. Seit mehr als zehn Jahren ist die Stadt ohne Fernverbindung. Die Bahn will dies ändern, benötigt aber Zeit. «Solche Vorhaben realisieren sich nicht von heute auf morgen», sagte Marcus Schenkel, Leiter Großprojekte in der Region Südost. Es werde noch etliche Jahre dauern.

Intensiv geprüft wird eine Verlängerung der neuen IC-Linie von Dresden über Berlin nach Rostock. «Bis Herbst haben wir eine Antwort», sagte Fricke. Geplant ist überdies, die so genannte Mitte-Deutschland-Verbindung von Weimar über Gera nach Chemnitz bis 2028 auszubauen. Eine Verlängerung der IC-Linie von Magdeburg nach Leipzig bis nach Chemnitz hängt an der Elektrifizierung.

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