Endspurt an der Niederschlesien-Magistrale

520 Millionen Euro investierte die Deutsche Bahn in den zweigleisigen Ausbau und die Elektrifizierung der Strecke von Knappenrode nach Horka bis zur polnischen Grenze. Davon profitiert auch der Güterverkehr zwischen den Häfen im Norden und Asien.

Niesky (dpa/sn) - Ein Mammutprojekt der Bahn geht zu Ende. Nach über zehn Jahren Planung und Bau rollen ab 9. Dezember zwischen Knappenrode, Horka und der polnischen Grenze wieder die Züge. Wie DB-Projektleiter Ulrich Mölke am Montag in Niesky sagte, prüft die Deutsche Bahn für eines der größten Bahnverkehrsprojekte in der Region seit den Morgenstunden den Betrieb der Anlagen. «Es verkehren Spezialfahrzeuge und Züge, die zum Teil mit der Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde fahren, um zum Beispiel die Lage der Gleise zu kontrollieren und die Signaltechnik zu testen». Damit sind die Arbeiten für den zweigleisigen Ausbau und die Elektrifizierung der 55 Kilometer langen Bahnstrecke fast abgeschlossen.

Neben dem Personennahverkehr profitiert vor allem der Güterverkehr vom Streckenausbau. Ausgelegt ist die Strecke auf täglich 180 Züge, 160 davon im Güterverkehr sowie 20 Personenzüge. Vor dem Umbau rollten hier nach Mölkes Angaben an guten Tagen 30 Güter- und 20 Personenzüge. Wie viele Güterverkehrsunternehmen die Strecke nutzen werden, steht noch nicht fest. Die Anmeldephase laufe noch, sagte der DB-Projektleiter. Zurück geht die Eisenbahnlinie als Teilstück der Fernverbindung zwischen Wroclaw (Breslau) und Magdeburg, deren Bau am 1. Dezember 1869 genehmigt wurde.

Den Anstoß für den Streckenneubau gut 130 Jahre später gaben die Vereinbarungen zwischen Deutschland und Polen im Rahmen der EU-Osterweiterung, die grenzüberschreitenden Schienenverbindungen zwischen Ost- und Westeuropa zu verbessern. Der Ausbau der sogenannten Niederschlesien-Magistrale soll es möglich machen, dass Container künftig innerhalb von fünf Tagen von den Seehäfen in den Niederlanden und in Norddeutschland auf der Schiene durch die Lausitz bis in die Ukraine und nach Asien gelangen können.

Eine Herausforderung für die Planer und die Baufirmen war die Großbaustelle im oder entlang des Biosphärenreservats Oberlausitzer Heide- und Teichland. «Im Vergleich zu anderen Projekten war der Anteil an Naturschutzmaßnahmen sehr groß. 380 Hektar kommen Ausgleich,- Ersatz- und Schutzmaßnahmen zu Gute», sagte Mölke. Zum Beispiel soll noch ein Beobachtungsturm auf einem Schießplatz in ein Fledermausquartier umgewandelt werden.

Die Maßnahme beinhaltete darüber hinaus unter anderem den Bau oder Umbau von 31 Eisenbahn- sowie vier Straßenbrücken, die Modernisierung von 33 Bahnübergängen, den Neubau von fünf elektronischen Stellwerken sowie die grenzüberschreitende Ausrüstung mit dem digitalem Zugfunk. Finanziert wurde das 520-Euro-Millionen-Projekt aus Mitteln des Bunds, der Europäischen Union und des Freistaates Sachsen.

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