Experten erwarten in Sachsen eine neue Zeckenplage

Die Zahl der Zecken hat sich innerhalb eines Jahres stellenweise verdoppelt. Das hat Auswirkungen auf die Gesundheit.

Chemnitz.

Bei den derzeitigen Temperaturen denkt kaum einer an Zecken. Laut Robert-Koch-Institut sollte man das aber, denn im Winter ist die beste Zeit für die Impfung. "2018 war ein Rekord-Zeckenjahr. Die Zeckendichte hat sich fast verdoppelt, wenn auch hauptsächlich in Süddeutschland", sagt Dr. Gerhard Dobler vom Konsiliarlabor für Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) in München.

Auch die Menge an Tieren im Nymphenstadium - einer Vorstufe zur erwachsenen Zecke - lasse für den bevorstehenden Sommer eine neuerliche Plage erwarten, so der Veterinärmediziner auf dem Parasitologenkongress in Wien.

Auf 23 Kontrollflächen in Deutschland zählen Wissenschaftler die Zecken und erforschen ihre Entwicklung. "Stellenweise haben wir 2018 mehr als 400 Zecken auf einem Areal von zehn mal zehn Metern festgestellt. In den Jahren zuvor waren es im Schnitt 260", sagt Dobler. Diese Zunahme der Zeckenpopulation sei eine Auswirkung der Klimaerwärmung, so Dobler. Sie macht den Wissenschaftlern Sorgen, weil Zecken Krankheiten übertragen können, zum Beispiel die Gehirnhautentzündung FSME.

2018 wurden laut Koch-Institut deutschlandweit 587 Erkrankungen gemeldet - so viele wie seit 18 Jahren nicht. Die höchsten Zahlen hatten Bayern und Baden-Württemberg. Die Länder stellen mehr als 80 Prozent der FSME-Patienten. In Sachsen gab es zwölf gemeldete Fälle, wobei die Dunkelziffer höher liegt. Zeckenspezialisten wie der Mikrobiologe Professor Jochen Süß aus Jena machen für den Anstieg der Erkrankungen nicht nur die zunehmende Zeckendichte, sondern vor allem das Freizeitverhalten verantwortlich. "In einem langen, heißen Sommer wie dem letzten flüchten sich die Menschen in schattige Waldgebiete. Doch dort warten auch die Zecken."

Der beste Schutz vor FSME ist die Impfung. Laut Koch-Institut braucht es drei Impftermine, um einen zuverlässigen Schutz aufzubauen. Zwischen der ersten und zweiten Dosis sollten höchstens drei Monate liegen, zwischen der zweiten und dritten neun bis zwölf Monate. Dafür hält der Schutz dann auch mindestens drei Jahre an. Werden nur zwei Impftermine wahrgenommen, reiche der Schutz nur ein Jahr. Die Krankenkassen übernehmen die Impfkosten für Personen, die in Risikogebieten arbeiten oder sich dort längere Zeit aufhalten.

Seit 2018 gibt es in Sachsen vier FSME-Risikogebiete: das Vogtland, Zwickau, den Erzgebirgskreis und Bautzen. Mit der Gefahr stieg auch die Impfbereitschaft. Der AOK Plus zufolge ließen sich im letzten Jahr 79 Prozent mehr Sachsen impfen als 2017. Der Trend gilt auch deutschlandweit. Laut Medizindatenbank Insight health verordneten Ärzte 2018 knapp vier Millionen Impfdosen - 30 Prozent mehr als 2015.

FSME ist eine heimtückische Erkrankung, die wie ein harmloser Infekt beginnt, aber zu Lähmungen und zum Tod führen kann. Vor allem ab dem 40. Lebensjahr nehme die Schwere der Erkrankungen zu, sagen Neurologen. Deshalb müsse der Impfschutz aufgefrischt werden.

Gegen die häufiger vorkommende Zecken-Borreliose gibt es keinen Impfschutz. 2100 Fälle wurden 2018 in Sachsen gemeldet, 1900 ein Jahr zuvor. Die Dunkelziffer ist auch bei Borreliose sehr hoch, denn die Krankheit wird oft verkannt.

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