Der Bundesverkehrsminister Carsten Schnieder (CDU) hatte im vergangenen Oktober angekündigt, mit einer Reform die Kosten der Führerscheinausbildung senken zu wollen. (Symbolbild)
Der Bundesverkehrsminister Carsten Schnieder (CDU) hatte im vergangenen Oktober angekündigt, mit einer Reform die Kosten der Führerscheinausbildung senken zu wollen. (Symbolbild) Bild: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Sachsen
Fahrlehrerverband: Reform macht Führerschein nicht günstiger

Mehr als 3.000 Euro sind für eine Fahrerlaubnis fällig. Die Pläne der Bundesregierung, die die Kosten senken will, treffen bei den Fahrlehrern im Freistaat auf Skepsis.

Dresden.

Aus Sicht von Sachsens Fahrschulen wird der Führerschein durch die Reformpläne von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) nicht günstiger. "Die größten Kosten der Fahrschulausbildung entstehen durch die steuerlichen Belastungen: Mindestens die Hälfte der Gesamtkosten fließt direkt in die Staatskasse", sagte Peter Losleben, Vorsitzender des Landesverbandes Sächsischer Fahrlehrer, auf Anfrage. Wer den Führerschein als notwendig erachte, solle nicht maximal abkassieren und gleichzeitig von den Fahrschulen unrealistische Lösungen erwarten.

Bundesverkehrsminister will Kosten senken

Schnieder hatte im vergangenen Oktober angekündigt, mit einer Reform die Kosten der Ausbildung senken zu wollen. Geplant sind etwa weniger Fragen in der theoretischen Prüfung, ein Ende für verpflichtenden Präsenzunterricht in Fahrschulen, den Einsatz von Fahrsimulatoren sowie weniger verpflichtende Sonderfahrten nachts oder auf Autobahnen. 

Die sächsische Regierung brachte in der vergangenen Woche eine Initiative zur zügigen Umsetzung der angekündigten Reform in den Bundesrat ein. Die Kosten für einen Führerschein liegen in Sachsen bei durchschnittlich rund 3.300 Euro, im deutschen Schnitt sind es etwa 100 Euro mehr. 

Fahrschulen: Pläne verlagern Kosten lediglich

Bei den sächsischen Fahrschulen seien Schnieders Pläne auf großes Unverständnis gestoßen, so Losleben. Die vorgeschlagenen Maßnahmen würden die Kosten nicht senken, sondern lediglich auf andere Kostenträger verlagern. "Bereits heute können rund drei Viertel des Theorieunterrichts digital durchgeführt werden, Präsenzunterricht findet nur in minimalem Umfang statt." Auch in der praktischen Ausbildung dürften bis zu 70 Prozent auf Simulatoren erfolgen. 

Keine Anmeldeflaute in Sachsen

Von dem bundesweiten Trend sinkender Anmeldezahlen nach Schnieders Ankündigung sind die sächsischen Fahrschulen jedoch laut Verband bisher nicht betroffen. Im Gegenteil suchten viele Fahrschulen weiterhin Fachkräfte, betonte Losleben. Die langjährigen Belastungen der Branche hätten in Sachsen zu einem Demografieproblem geführt, "dessen Folgen uns noch über längere Zeit begleiten werden".

In Sachsen sind laut Angaben des Infrastrukturministeriums rund 2.200 Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer erfasst, etwa ein Viertel davon schon älter als 65. Es gibt demnach derzeit 554 Fahrschulen, 409 im eher ländlichen Raum, 145 in den drei kreisfreien Städten. (dpa)

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