Fast jeder dritte Vogtländer ist älter als 65 Jahre

Südwestsachsen hat im Freistaat den höchsten Anteil an Senioren. Doch wie reagiert die Politik auf diese Entwicklung?

Chemnitz.

Das Vogtland hat den größten Anteil an älteren Menschen im Freistaat. 30,0 Prozent der im Vogtlandkreis wohnenden Männer und Frauen waren Ende vergangenen Jahres 65 und älter. Auch der Erzgebirgskreis (29,4 Prozent), Zwickau (29,2), Mittelsachsen (28,0) und Chemnitz (27,8) liegen mit ihrem Seniorenanteil deutlich über dem Sachsenschnitt von 26,1Prozent. In Leipzig zählte dagegen nur rund ein Fünftel der Einwohner zu dieser Altersgruppe. Prognosen zufolge wird sich die Anzahl der Sachsen, die 65 und älter sind, voraussichtlich auf bis zu 1,178 Millionen erhöhen. Damit hätte diese Altersgruppe einen Anteil von 30,4 Prozent an der Gesamtbevölkerung.

Auf sie könnten vor allem in kleineren Kommunen deutliche Einschnitte zukommen. Hier gibt es schon jetzt oftmals keine Läden, Ärzte oder Banken mehr. "Für Menschen mit körperlichen Einschränkungen und auch für Menschen, die kein Auto mehr fahren können, bricht dann möglicherweise die Versorgung zusammen", sagte Matthias Siedhoff, Demografieexperte an der Universität in Dresden. Kommunen und Landkreise sollten deshalb Anreize für Investoren schaffen. Mit mobilen Läden, Büchereien oder rollenden Sparkassen könne die Versorgung gesichert werden.

Als erstes Bundesland unterstützt Sachsen bereits seit 2007 mit einem eigenen Landesprogramm finanziell Maßnahmen zur Bewältigung der Folgen des demografischen Wandels. Seitdem wurden rund 220Projekte mit insgesamt rund 9,5Millionen Euro bezuschusst. Die Förderrichtlinie "Demografie" wurde im September angepasst und erweitert. So wird der Regelfördersatz von 70 auf generell 90 Prozent erhöht. Bislang war die Erhöhung nur mit Einzelfallprüfung möglich. Damit wird der bürokratische Aufwand für Antragsteller sowie Prüf- und Bewilligungsstellen reduziert, Vereine und Kommunen erhalten schneller Unterstützung. "Das Programm wirkt insbesondere in ländlichen Regionen und leistet einen wichtigen Beitrag zum Miteinander der Generationen", sagt der Chef der Staatskanzlei, Oliver Schenk.

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 11
    1
    UweG
    14.10.2019

    Noch gehöre ich nicht zu der Bevölkerungsgruppe Ü65 aber wenn ich was gegen die demografische Entwicklung tun will sind das nicht "mobile Läden, Büchereien oder rollende Sparkassen" sondern Arbeitsplätze, Infrastruktur (Glasfaser,...) und andere Anreize damit die Jungen auch hier bleiben. Mensch ihr in Dresden wacht endlich auf das Sachsen nicht nur die Metropolen umfasst.

  • 6
    3
    Echo1
    14.10.2019

    Jeder 3. über 65. Das ist klar. Warum das so ist, kommt im Artikel nicht vor. Das Ausbluten der Ostregionen, der Wegzug der jungen Leute, die Trennung der Familien mit all den Problemen, dem Fremdwerden der Generationen wird nicht gern thematisiert. Wie jetzt geholfen werden kann mit Fördermittel ist unklar. Kostenlose
    Gehhilfen für das Vogtland? Zuschüsse für private Pflegedienste? Die grosse Traurigkeit über die Enkel, die man nicht aufwachsen sieht, der Frust über die Situation wird bleiben. Ein Resultat des Anschlusses an die Bundesrepublik. Vielleicht könnte zumindestens eine Danksagung der Altbundesbürger ausgesprochen werden, dass wir ihnen 2 Ostgenerationen überlassen haben. Das hier ist der ganz normale Kapitaismus.
    Wirtschaft hat Vorrang, das Menschliche (Soziale) kommt an 2. Stelle.



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