Freie Wähler engagieren Ex-Grüne Hermenau

Mit einer Ansammlung "parteiloser Experten" soll 2019 erstmals der Sprung in den Landtag gelingen. Ein prominentes Duo hilft - ohne selbst anzutreten.

Dresden.

Bei der letzten Landtagswahl landeten die Freien Wähler noch abgeschlagen auf Platz 8 - zwischen FDP und Tierschutzpartei. 26.434 Zweitstimmen reichten am 31. August 2014 gerade mal zu 1,6 Prozent - bei einer Wahlbeteiligung von desaströsen 49,1 Prozent. Damit das Resultat am 1. September 2019 ganz anders ausfällt und "Sachsens größte Bürgerbewegung", wie sich die Freien Wähler selbst nennen, erstmals in der Geschichte des Freistaates in den Landtag einziehen, sind sie nun ein Bündnis mit der "Bürgerbewegung für Sachsen" eingegangen. Dahinter steckt eine neue Sammlungsbewegung unter Führung von Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger. Der Parteilose ist seit 17 Jahren Rathauschef, zuletzt wurde er 2015 mit knapp 90 Prozent (und exakt 10.465 Stimmen) im Amt bestätigt - das er auch 2019 nicht aufzugeben gedenkt. Berger, der im Kreistag des Landkreises Leipzig der Fraktion der Unabhängigen Wählervereinigung/Freie Wähler angehört, will nun zwar die Bürgerbewegung in den Landtag führen, aber nicht selbst kandidieren.

Ähnlich verhält es sich auch bei einer anderen prominenten Unterstützerin: Antje Hermenau, die bis zur Landtagswahl 2014 zehn Jahre Grünen-Fraktionschefin war. Als die damaligen schwarz-grünen Sondierungen scheiterten, gab Hermenau ihr Mandat ab und verließ schließlich auch die Partei. Von Sachsens Grünen, die die CDU kürzlich zum Hauptgegner erklärten, trennen die nunmehr 54-Jährige längst Welten.

Vor einem halben Jahr habe sie einen "kleinen Beratervertrag" mit den Freien Wählern geschlossen und "ab und zu mal meinen Senf dazugegeben", sagt sie selbst. Daraus habe sich dann eine "gemeinsame Strategie" entwickelt. Ergebnis: Ab Januar wird Hermenau Landesgeschäftsführerin der Freien Wähler sein. In dieser Funktion soll sich die Parteilose um die Programmarbeit kümmern. Klar ist schon die Position zum UN-Migrationspakt. Dieser werde solange abgelehnt, bis es dazu eine Volksbefragung gebe, hieß es.

Doch auch bei der Kandidatenfindung dürfte Landeschef Steffen Große große Stücke auf Hermenau setzen. Auf der Landesliste zur Landtagswahl sollen "parteilose Experten" stehen. Überzeugt zeigten sich Hermenau und Berger davon, für alle 60 Wahlkreise geeignete Direktkandidaten zu finden - was den Freien Wählern 2014 nicht gelang.

Dabei müsste die Basis stark sein, gehören ihren 996 unabhängigen Wählervereinigungen in Sachsen doch laut Große 10.000 Mitglieder an - die bei der Kommunalwahl 2014 landesweit auf 24 Prozent kamen. Besser war damals nur die CDU, der nach eigenen Angaben 10.451 Mitglieder angehören - womit sie "Sachsens größte Bürgerbewegung" schon noch übertrumpft.

Sollte die Union nach der Landtagswahl zur Mehrheitsbildung auf die Hilfe der Freien Wähler angewiesen sein, hätten Berger und Hermenau ihr Ziel erreicht. "Unser Anspruch mitzuregieren, ist kein Selbstzweck", erklärt Berger - und ist überzeugt: "Wir sind sicher drin."

Als Hypothek könnte sich freilich erweisen, dass es nicht gelang, Frauke Petry vom gemeinsamen Projekt zu begeistern. Wenn die Ex-AfD-Chefin 2019 mit ihrer Blauen Partei antritt und eine wiedererstarkende FDP um die Rückkehr in den Landtag kämpft, buhlen doch recht viele Kräfte um dieselben Wähler.

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1Kommentare
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  • 1
    5
    Interessierte
    15.11.2018

    Diese kluge Frau paßt auch nicht zu den Grünen ...



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