Freistaat streicht vorerst keine Betten in Kliniken auf dem Land

Die Alterung der Menschen und zunehmender Ärztemangel werden die Rolle der Krankenhäuser deutlich verändern.

Dresden.

Trotz des anhaltenden Bevölkerungsrückgangs in den ländlichen Regionen soll es vorerst keinen Abbau von Krankenhausbetten geben. Dies ist die Kernbotschaft des am Freitag von Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU) vorgestellten neuen Krankenhausplanes für den Freistaat. Dieser tritt am Samstag in Kraft. Perspektivisch allerdings wird sich die Rolle der Krankenhäuser vor allem in den ländlichen Regionen verändern. "Diese Entwicklungen müssen aber mit großer Sorgfalt und Augenmaß vorbereitet und begleitet werden", sagte Barbara Klepsch mit Blick auf die kommenden Jahre.

Der Krankenhausplan ist für die Krankenhäuser in Sachsen die Grundlage für die Investitionsförderung und berechtigt die Kliniken zur Abrechnung der im Rahmen des Versorgungsauftrages definierten Leistungen gegenüber den Krankenkassen. Dabei geht es um rund vier Milliarden Euro. Der neue Plan sieht für Sachsen 78 Krankenhäuser vor, die über insgesamt 25.547 Betten verfügen.

Ein Schwerpunkt der künftigen Krankenhausstruktur liegt in der Versorgung von älteren Menschen. So werden die stationären Angebote um zehn Akutgeriatrien erweitert, um etwa Versorgungslücken in der Stadt Chemnitz und in einzelnen Landkreisen zu schließen. In geriatrischen Abteilungen werden vor allem spezielle Erkrankungen älterer und alter Patienten behandelt. "Damit haben wir dann im Schnitt in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt drei solcher wichtigen Angebote", so Klepsch. Auch die spezialisierte Behandlung von krankhaftem Übergewicht berücksichtigt der neue Krankenhausplan stärker als bisher. Da die Behandlungsfälle insgesamt zunehmen, werden die bisherigen vier Spezialeinrichtungen um zwei weitere Einrichtungen in Südwestsachsen ergänzt.

Für eine Anpassung der Krankenhausstruktur in den ländlichen Regionen plädiert auch der stellvertretende Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen, Friedrich München. Angesichts fehlender niedergelassener Haus- und Fachärzte gewännen die ambulanten Angebote der Krankenhäuser vor allem außerhalb der Ballungszentren an Bedeutung und müssten ausgebaut werden. Für die Zukunft sieht München zwei Wege: wirtschaftliche und strukturelle Konsolidierung der Krankenhäuser auf dem Lande und Ausbau der Krankenhäuser in den Ballungszentren.

Erstmals werden für Sachsen 23 sogenannte Krankenhauszentren ausgewiesen. Diesen Kliniken, die über eine besondere Leistungsfähigkeit verfügen, wird auf diese Weise der Weg freigemacht, um für die Erbringung besonderer Aufgaben auch eine zusätzliche Vergütung zu erhalten. Diese Neuerung gefällt vor allem den Krankenkassen, die schon lange eine Spezialisierung in der Krankenhauslandschaft fordern, nicht zuletzt aus Kostengründen.

"Die Bildung von Kompetenzzentren für spezielle Krankheitsbilder begrüßen wir ausdrücklich", sagte Rainer Striebel, Vorstandsvorsitzer der der AOK Plus. Nicht jedes Krankenhaus müsse alles können. Versicherte nähmen bei planbaren Operationen auch längere Wege in Kauf, wenn dafür die Behandlungsqualität steige, so Striebel. "Der nun beschlossene Krankenhausplan ist eine stabile Basis für sinnvolle Weiterentwicklungen in genau dieser Richtung." Gleichzeitig betonte er, dass es richtig und gut sei, eine flächendeckende Krankenhausversorgung in Sachsen zu gewährleisten.

Der Landesgeschäftsführer der Barmer Krankenkasse, Fabian Mangerl, forderte klare Qualitätskriterien für Krankenhäuser und die Festlegung von Mindestmengen, die sie bei der Behandlung von schweren und seltenen Erkrankungen nachweisen müssen.

Um eine Stärkung der Pflegeberufe zu erreichen, werden zwei neue medizinische Berufsfachschulen ausgewiesen. Damit und mit der Aufstockung von Ausbildungsplätzen an bereits vorhandenen Einrichtungen erhöht der Freistaat die Anzahl der Ausbildungsplätze um 660 auf nunmehr 5484 Plätze.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...