Für viele junge Leute werden Bus und Bahn deutlich billiger

Im Streit um das Bildungsticket haben der Freistaat und die Landkreise einen Kompromiss erzielt. Grünes Licht gibt es damit auch für mehr Busse im ländlichen Raum - sowie einen Sachsentarif.

Sachsens Schüler können künftig für 10 Euro pro Monat Bus und Bahn fahren - allerdings vorerst nur in ihrer Freizeit. Im Streit um die Einführung des sogenannten Bildungstickets haben sich Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) und die Verkehrsverbünde auf einen Kompromiss verständigt. Der sieht neben dem jeweils verbundweit gültigen Freizeitticket auch die Einführung eines ganztätigen ausschließlich für Azubis gültigen Tickets vor, das monatlich 48 Euro für den ersten Verbund sowie 5 Euro für jeden weiteren kostet.

Beide Tickets gibt es nur im Jahresabo, ab August sind sie erhältlich. Für Dulig sind sie nur Zwischenschritte auf dem Weg zum sachsenweit gültigen, kostengünstigen Bildungsticket, das auch Fahrten zur Schule abdeckt. Die Landräte als Vorsitzende der Verkehrsverbünde versprachen ihm zufolge, für dieses Ticket ab dem Schuljahr 2020/2021 einzutreten. Mit der Einigung kann nun auch das Konzept der Plus- und Taktbusse im ländlichen Raum umgesetzt werden. Spätestens Ende 2020 soll es soweit sein. Ebenso ist die Einführung eines verbundübergreifenden Sachsentarifs beschlossene Sache. Einen Zeitplan dafür gibt es jedoch - mit Verweis auf die komplexe Planung - noch nicht.

Die zusätzlichen Kosten all dieser Vorhaben trägt der Freistaat. Zur Förderung des ÖPNV stehen im aktuellen Doppelhaushalt 75 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung.

Mit der Idee eines einheitlichen Landesverkehrsverbundes konnte sich Dulig in der Koalition nicht durchsetzen. Er halte an diesem Ziel fest, sagte der Minister gestern in Chemnitz. Beim jetzigen Kompromiss sei es aber um kurzfristige Verbesserungen gegangen.

Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus. So lobte der Sächsische Landkreistag ebenso wie der hiesige Städte- und Gemeindetag, beide an den Verhandlungen beteiligt, das Ergebnis. "Damit können wir die Attraktivität des ÖPNV erheblich voranbringen", so Mischa Woitscheck, Geschäftsführer des Städte- und Gemeindetags. Andre Jacob vom Landkreistag sprach von einem "guten Tag für Sachsen". Die Plus-Busse würden den ländlichen Raum stärken und zu mehr Fahrgästen führen. Jacob verwies auch darauf, dass Azubis derzeit im Schnitt 115 Euro monatlich für die Fahrt zur Ausbildungsstätte zahlen und damit das neue Ticket erheblich für Entlastung sorge. Entsprechend begrüßte auch die DGB-Jugend das Ticket als "richtigen und wichtigen Schritt".

Kritik äußert die Landtagsopposition. Viele Azubis müssten nicht ganzjährig zum Ausbildungsbetrieb oder zur Berufsschule, "sie zahlen also indirekt drauf", sagt Marco Böhme (Linke) mit Blick auf das Jahres-Abo beim Azubiticket. Und das Schülerticket nur für die Freizeit sei unzureichend: "Das heißt, dass Eltern trotzdem noch bis zu 250 Euro im Jahr für die Beförderung ihrer Kinder in die Schule zahlen müssen." Auch Katja Meier (Bündnis 90/Grüne) bemängelt, dass das Bildungsticket nicht fest vereinbart ist: "Das lange angekündigte und versprochene Schülerticket ist auf den St.-Nimmerleins-Tag verschoben." Kurz vor Ende der Legislatur versuche Dulig, "halbgare Lösungen als Nonplusultra zu verkaufen".

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
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    saxon1965
    14.02.2019

    Aber so richtig "Butter bei die Fische" ist es auch wieder mal nicht!
    Es gab bei uns schon mal einen wesentlich besser funktionierenden und damit auch ausgelasteten Nahverkehr.
    Und in Zeiten von Luftverschmutzungen, Dieselfahrverboten, Verkehrswende ect. schafft es die Politik wieder mal nicht konsequente Schritte zu unternehmen, damit sich grundlegend was ändert. Deutschland wird bei immer mehr Themen Schlusslicht.



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