Gauck: «Toleranz ist mitunter Zumutung»

Halle (dpa) - Altbundespräsident Joachim Gauck hat für mehr Toleranz gegenüber den politischen Überzeugungen anderer geworben. «Die Vielfalt der Menschen sorgt dafür, dass es verschiedene Vorstellungen gibt», sagte Gauck am Samstag im Nachrichtenradio «MDR Aktuell». Man müsse auch solche politischen Programme ertragen, die man falsch finde. Toleranz sei mitunter Zumutung. Dabei gebe es jedoch eine Grenze. «Wo Hass anfängt und das Grundgesetz verlassen wird, da muss der tolerante Mensch auch intolerant werden», erklärte der ehemalige Bundespräsident. Er beklagte zudem ein weit verbreitetes Schwarz-Weiß-Denken. Besonders im Osten gebe es eine Neigung zur Eindeutigkeit. Die sei in einer offenen Gesellschaft aber nicht immer zu erreichen, so Gauck.

Am Montag will der Altbundespräsident in Plauen an Veranstaltungen teilnehmen, mit denen an die Massenproteste am 7. Oktober 1989 in der Stadt erinnert werden. «Es ist wichtig, dass wir den Plauenern ihr Recht lassen, vorangegangen zu sein», sagte Gauck. Während in Berlin die Proteste zusammengeknüppelt worden seien, seien die Plauener siegreich geblieben. Das habe viele Ostdeutsche inspiriert und Mut gemacht, erklärte Gauck dem MDR.

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7Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    6
    tbaukhage
    05.10.2019

    @franzudo: "... und fördert das Denunziantentum." Du meinst sowas wie die Lehrer-Anscheißer-Portale der AfD?

  • 3
    10
    Haecker
    05.10.2019

    Joachim Gauck zeichnet "die Vor-Wende-Zeit" keineswegs in den "finstersten Farben". "Vor-Wende-Zeit"? Was ist das denn für ein Begriff! Die DDR war eine Diktatur, die zynisch als "Sozialistische Demokratie" bezeichnet wurde. Die war zwar längst nicht das finsterste Kapitel deutscher Geschichte des 20.Jahrhunderts, aber dunkel genug.

  • 11
    10
    franzudo2013
    05.10.2019

    Intoleranz ist die größere Zumutung. Sie führt zu Ausgrenzung und fördert das Denunziantentum.
    Dank Gaucks Wegschauen hat sich eine Stasi 2.0 den Weg gebahnt. Frau Merkel ist so fasziniert von China. Da wird jeder Schritt ueberwacht dank Gesichtserkennung und flaechendeckender Kameraueberwachung. Der große Bruder weiß immer wo Du bist. Das ist Dunkeldeutschland.

  • 11
    5
    Malleo
    05.10.2019

    Ja, und für mich ist es eine Zumutung, wenn solche Erkenntnisse immer erst dann an die Öffentlichkeit gelangen, wenn das Staats-, Minister oder Parteiamt Geschichte sind und ein direkter Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse nicht oder nur noch bedingt möglich sind.
    Das alles ist um so verwerflicher, weil ich behaupte, dass solche "Erkenntnisse" nicht erst vom Himmel gefallen sind, wenn das Amt out ist und die Memoiren geschrieben werden.
    Ein weiteres Beispiel dieses Mannes gefällig?
    Rede Gaucks anlässlich seiner Gastprofessur an der Heine Universität in Düsseldorf
    Titel: "Nachdenken über des eigene und Fremde" Lohnt sich zu lesen, weil es ein Schlag ins Gesicht aller Ostdeutschen ist!
    Da wird von Gefühlen der Fremdheit, dem Nationalstaat, der Notwendigkeit von Heimat, großen Veränderungen in Europa, Verbündeten von Islamisten sowie
    Zitat" Wohin der Multikulturalismus geführt hat, das hat mich erschreckt"- gesprochen.
    Aktuelle Bezüge zu Drehofers Reise: "2015 darf sich nicht wiederholen" sind rein zufällig.

  • 12
    3
    Echo1
    05.10.2019

    Besonders im Osten gebe es eine Neigung zur Eindeutigkeit. Die sei in einer offenen Gesellschaft aber nicht immer zu erreichen, so Gauck.
    Was meint nun der Herr? Ist es schlecht, wenn das Volk wissen will, was Fakt ist, was wahr ist. Die Wahrheitsfindung ist bei den vielen unterschiedlichen Meinungen und Interessen nicht einfach, aber anzustreben. Das ist gut diese Neigung zur
    Eindeutigkeit. Vieldeutig ist der Herr Gauck.
    Deshalb passt ihm das nicht.

  • 12
    7
    Freigeist14
    05.10.2019

    Herr Gauck beklagt ein simples Schwarz-Weiß-denken - . Ausgerechnet er , der die Vor-Wende-Zeit in finstersten Farben zeichnet , sich selber in die Nähe des Widerstandes rückt und vor 5 Jahren Bedenken gegen eine Linke-Regierung in Thüringen äußerte .

  • 9
    3
    Echo1
    05.10.2019

    Was Herr Gauck sagt ist ja auf den ersten
    Blick ja nicht falsch.
    Am Donnerstag wurde ein Gespräch mit
    Ihm im Fernsehsender N-TV ausgestrahlt.
    Sein Zitat:
    "Ich teile die Auffassung der politischen Menschen,
    die in Deutschland die Zeit noch nicht für gekommen sehen, die AfD als eine Partei,
    mir der man jetzt koalieren kann, zu betrachten."
    Jetzt nicht. Aber später bestimmt. Sagen Sie doch gleich für wem Sie sind.



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