Geiselnahme-Prozess: Angeklagter beruft sich auf Notlage

Geiselnahme-Prozess: Angeklagter beruft sich auf Notlage

Görlitz (dpa/sn) - Mehr als eineinhalb Jahre nach einer Geiselnahme im Sächsischen Krankenhaus in Großschweidnitz steht ein 35-Jähriger in Görlitz vor Gericht. Der Angeklagte aus Königswartha (Kreis Bautzen) gab zum Prozessauftakt am Montag vor dem Landgericht an, er habe aus einer Notsituation heraus gehandelt. Die aus seiner Sicht zu hohe Medikamentengabe in der geschlossenen Unterbringung habe bei ihm zu einem permanenten Unruhezustand geführt. Der Mann war wegen Suizid-Gedanken in dem Fachkrankenhaus. Laut Anklage hat er am 15. Januar 2016 einem anderen Patienten eine Rasierklinge an den Hals gehalten, um seine Entlassung zu erzwingen.

Die Geiselnahme veranlasste das Krankenhauspersonal damals, die Türen zu öffnen. Davor ließ der Angeklagte sein Opfer jedoch wieder frei. Der 35-Jährige sagte vor Gericht, die Medikamente hätten zu einem Unruhezustand mit Kribbeln auf der Haut und Stimmen im Kopf geführt. «Ich kenne mich selbst so nicht. Gefängnis oder mich erschießen lassen - alles wäre besser an diesem Tag gewesen als die Stimmen. Ich wollte sterben», sagte er. Zudem gab er an, er habe die Aktion mit seinem späteren Opfer abgesprochen.

Eine Geiselnahme wird laut Strafgesetzbuch mit Haft nicht unter fünf Jahren bestraft, wenn kein minderschwerer Fall vorliegt. Das Urteil wird beim nächsten Prozesstermin am 16. August erwartet.

0Kommentare Kommentar schreiben