Geldautomatenknacker kommen näher

Auch in Sachsen haben es Diebe nicht mehr nur auf Hartgeld aus Fahrkarten- oder Zigarettenautomaten abgesehen.

Dresden.

Bankraub war gestern. Mit rund 350 Sprengungen von Geldautomaten bundesweit bilanzierte das Bundeskriminalamt (BKA) bereits im Vorjahr einen bisherigen Höchststand bei jenem neuen Delikt, das im Jahr 2005 zum ersten Mal in Deutschland festgestellt worden war. Mit 17 Geldautomatensprengungen fand 2018 etwa jeder 20. Fall in Sachsen statt. Die Methode scheint somit auch im Freistaat angekommen, wo Attacken mit Sprengkörpern in Jahren zuvor meist Fahrkarten-, Parkschein- oder Zigarettenautomaten betrafen.

Fürs laufende Jahr liegen noch keine Zahlen vor. "Sie können aber davon ausgehen, dass die Zahlen nicht gesunken sein werden", sagt Kathlen Zink, Sprecherin des Landeskriminalamtes (LKA) auf "Freie Presse"-Anfrage. Man müsse sich nur jüngste Meldungen aus den Polizeidirektionen ansehen. Im aktuellen Jahr wurden Fälle aus Meerane, Crimmitschau, Hohenstein-Ernstthal, Chemnitz, Stollberg und Frankenberg gemeldet. Fälle, in denen es oft zu erheblichen Schäden an Gebäuden und zur Gefährdung von Bewohnern kam. Denn während Täter Fahrkartenautomaten meist mit illegaler Pyrotechnik zu Leibe rücken, kommen bei Geldautomaten ganz andere Mittel zum Einsatz.

Per Schlauch leiten die Täter Gas ins Gerät und zünden dieses. Die Detonation lässt mitunter Gebäudeteile einstürzen. Trotzdem ist die Methode nicht immer erfolgreich. Während in einem Fall das Gemisch nicht reichte, das Automatengehäuse zu knacken, pulverisierte es im anderen gleich alle Geldscheine. In anderen europäischen Ländern haben viele Banken ihre Automaten inzwischen zudem mit Farbbomben ausgerüstet. Bei einem Angriff machen diese das nach der Explosion manchmal sogar auf die Straße flatternde Bargeld wertlos.

Bei Angriffen auf Bankautomaten ging man im BKA bisher von Mitgliedern organisierter Banden als Täter aus. Im Bereich Berlin-Brandenburg kämen diese aus dem ost- und südosteuropäischen Raum, in Nordrhein-Westfalen auch aus den Niederlanden, erörterte man schon vor dem Höchststand. Einen Hinweis liefert die Wahl der Tatorte, die meist an Straßen mit schnellem Zugang zur Autobahn liegen. Das war auch bei den Angriffen auf die Meeraner Commerzbank und die Sparkasse in diesem Jahr so. Beim nächtlichen Angriff auf zwei Geldautomaten in Hohenstein-Ernstthal sah ein Zeuge einen dunklen Kombi oder Pick-up mit lautem Motorengeräusch flüchten. Aufgeklärt ist aber auch dieser Fall noch nicht.


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