Generationswechsel der Linken

Zwar führt mit Rico Gebhardt der 55-jährige Fraktionschef seine Partei erneut in den Landtag. Dahinter gab es aber manche Überraschung - anders als bei den Grünen.

Leipzig.

Rico Gebhardt ist kaum gewählt, da greift er schon das erste Mal ein. Inzwischen geht es um die Plätze 4 und 6, über die Sachsens Linke im Block entscheidet. Das Wahlverfahren sei ein bisschen kompliziert, er bitte dennoch darum "zu berücksichtigen, dass wir tatsächlich vier Frauen unter den ersten fünf Plätzen wählen wollen".

Geklappt hat es nicht. Gebhardts Favoritin Sarah Buddeberg - im Landtag Parlamentarische Geschäftsführerin - erhält mit 154 von 241 Stimmen zehn weniger als Marco Böhme, der in dem von mehreren Parteigremien abgesegneten Personalvorschlag von Gebhardt und Landeschefin Antje Feiks erst für Platz 6 vorgesehen war - nun aber auf Platz 4 landet. Ein ebenfalls aus Leipzig stammender Gegenkandidat, der von der scheidenden Bildungspolitikerin Cornelia Falken vorgeschlagene Lehrer Marco Götze, bleibt mit 91 Stimmen chancenlos.

Damit werden auf den landesweiten Wahlscheinen am 1. September für die Linken nun doch nicht die Namen von vier Frauen stehen, sondern nur von dreien - und die von Gebhardt und Böhme. Ein Schönheitsfehler, der ein wenig an 2014 erinnert. Die zum damals sechsköpfigen "Kernteam" um Gebhardt gehörende Luise Neuhaus-Wartenberg war allerdings sogar auf Platz 11 durchgereicht worden.

Vor fünf Jahren war Gebhardt mit 70,5 Prozent der Stimmen zum Spitzenkandidaten gewählt worden, dieses Mal sind es 77,6 Prozent: 184 Genossen stimmen für den mittlerweile 55-Jährigen, 41 gegen ihn, 12 enthielten sich. Diese größere Zustimmung passt zum Ergebnis des Mitgliederentscheids, bei dem er 88,7 Prozent erhalten hatte.

Er gehe davon aus, dass es außer ihm im Saal noch mehr Sozialisten gebe, hatte Gebhardt schon zu Versammlungsbeginn erklärt: "Deswegen sollten wir gemeinsam uns auf den Weg machen, dem Kapitalismus ein Ende zu bereiten". Und: "Eine zweite Sozialdemokratie und eine zweite grüne Partei braucht dieses Land echt nicht." Er sagte auch: "Jedes Prozent mehr für die Linke ist ein Prozent weniger für mögliche Mehrheitsbeschaffer der CDU."

Bei der späteren Blockwahl der "Kernteam"-Plätze 2, 3 und 5 schneidet Fraktionsvize Susanne Schaper (77 Prozent) von den drei Kandidatinnen am besten ab. Deutlich geringer ist die Zustimmung für Parteichefin Feiks (61 Prozent), die damit Platz 3 erreicht, und Mittelsachsens Linke-Chefin Marika Tändler-Walenta (59 Prozent) auf Platz 5.

Insgesamt halten sich die Änderungen im Vergleich zum Personalvorschlag bis Platz 20 zwar in Grenzen, bleiben aber nicht ohne Auswirkungen. Da sich mit René Jalaß (Platz 14), Juliane Nagel (Platz 15) und Verena Meiwald (Platz 19) gleich drei Abgeordnete durchsetzen, die nicht auf der Liste gestanden hatten, sind plötzlich die Kreisverbände Meißen und Bautzen nicht mehr in der Top 20 vertreten - und das, obwohl beide mit Uta Knebel und der Landtagsabgeordneten Marion Junge zwei Favoritinnen benannt hatten. Junge schafft es schließlich auf Platz 21, für Meißen landet Tilo Hellmann auf Platz 24.

Damit kommt es letztlich auch zur Umsetzung einer Verabredung der Kreischefs, für die der später auf Platz 30 gewählte Chemnitzer Kreischef Tim Detzner eigens auf seine Bewerbung verzichtet hatte. Für das Vogtland geht die Abgeordnete Janina Pfau auf Platz 17 ins Rennen, für den Kreisverband Zwickau Lehramtsstudent Alexander Weiß aus Hohenstein-Ernstthal auf Platz 20. Erst auf Platz 18 steht der Dresdner Rechtsanwalt André Schollbach.

Noch weiter hinten sind mit Landesvize Jana Pinka (Platz 25) und dem innenpolitischen Sprecher der Fraktion, Enrico Stange (Platz 26), zwei auch über die Parteigrenzen hinaus anerkannte Fachpolitiker platziert. "Vergesst eure Schlachtrösser nicht", hatte Pinka bei ihrer Bewerbung ab Platz 13 gewarnt. Für Stange, der sich ab Platz 20 beworben hatte, war auch Fraktionschef Gebhardt als Fürsprecher aufgetreten.

Ihr Verbleib in der neuen Fraktion hängt nun also wesentlich vom Wahlergebnis am 1. September ab. 2014 reichten die 18,9 Prozent für 27 Sitze, darunter das von Juliane Nagel im Leipziger Süden erkämpfte Direktmandat. Das beste Ergebnis aller Kandidaten erzielt in Leipzig Kulturpolitiker Franz Sodann mit 82 Prozent auf Platz 8. Als Kandidatin des Jugendverbands schafft es Anna Gorskih auf Platz 7. Mit ihr sind es letztlich vier Bewerber in den Top 20, die noch nicht im Landtag sitzen.

Die Aussteiger: Wer von den Linken-Abgeordneten nicht mehr kandidiert 

Sieben der 27 aktuellen Linke-Abgeordneten treten bei dieser Landtagswahl nicht wieder an. Mit Ausnahme der inzwischen 24-jährigen Anja Klotzbücher, die 2014 als Kandidatin des Jugendverbandes neu ins Parlament kam, handelt es sich dabei um langjährige Abgeordnete der Partei.

Rechtsausschusschef Klaus Bartl (68 Jahre) sitzt seit 1990 im Landtag, Haushaltsausschusschef Klaus Tischendorf (56) seit 1999. Landtagsvizepräsident Horst Wehner (67) und Bildungspolitikerin Cornelia Falken (62) haben genauso wie Kathrin Kagelmann (54) seit 2004 ein Mandat. Ihre Fraktionskollegin Kerstin Lauterbach (59) kam als Nachrückerin im Januar 2006 ins Parlament.

Kaum Chancen auf einen Verbleib im Landtag hat zudem Heiko Kosel (52). Der Sorbe saß schon von 1999 bis 2014 im Landtag, bevor er Ende 2015 als Nachrücker erneut einzog. Dazu verhalf ihm damals Listenplatz 28. Nun ist es aber nur noch Platz 60. (tz)

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1Kommentare
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  • 1
    3
    acals
    15.04.2019

    Schon Lenin sprach ueber Sozialisten aus echtem Schrot und Korn, aber was bitte bedeutet es bei neuzeitlicher Linke das dem Kapitalismus das Ende zu bereiten ist?

    In Ermangelung fundierter Erklaerungen lese ich: Saegen wir doch den Ast ab, auf dem wir sitzen.



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