Glückwunsch-Tweet mit Folgen

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer gratuliert ihrem Parteifreund Octavian Ursu zum Sieg in Görlitz. Damit verärgert sie viele in Sachsen. Warum?

Dresden.

Das vorläufige Endergebnis der Oberbürgermeisterwahl in Görlitz stand gerade einmal anderthalb Stunden fest, da schaltete sich die CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer ein. Via Kurznachrichtendienst Twitter schickte sie Glückwünsche an den frisch gewählten künftigen Oberbürgermeister und ihren Parteifreund Octavian Ursu: "Die CDU ist die bürgerliche Kraft gegen die AfD." Danach brach ein Sturm der Entrüstung los. Denn Kramp-Karrenbauer hatte in den Augen vieler einen wichtigen Umstand eben nicht erwähnt.

Zu den Besonderheiten des Görlitzer Wahlkampfes gehörte es, dass sich die CDU prominente Unterstützung sichern konnte. Neben den Linken sprachen sich beispielsweise die Grünen für die Wahl von Ursu aus, um so den Einzug von AfD-Mann Sebastian Wippel ins Rathaus zu verhindern. Franziska Schubert (Grüne), die als Drittplatzierte vor drei Wochen hinter Wippel und Ursu gelegen hatte, verzichtete deswegen auf ihre Kandidatur. Auch Linken-Kandidatin Jana Lübeck, die allerdings nur vergleichsweise wenig Stimmen im ersten Wahlgang geholt hatte, trat nicht mehr an.

Als einer der ersten Politiker wies SPD-Landeschef Martin Dulig Kramp-Karrenbauer darauf hin, dass sie einen Fehler gemacht habe: "Das war ein gemeinsamer Erfolg vieler", antwortete er ihr bei Twitter. "Es als CDU-Erfolg darzustellen, zeigt, dass Sie nicht verstanden haben, was hier in Sachsen passiert." Der Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag, Rico Gebhardt, sagte: "In Görlitz hat sich nicht die Person des CDU-Kandidaten durchgesetzt, sondern das Motiv ,Nichtwahl der AfD'. Die CDU hat einfach nichts begriffen und gehört daher abgewählt, im Bund wie in Sachsen."

Vor allem die sächsischen Grünen zeigten sich regelrecht erbost darüber, wie Kramp-Karrenbauer die Rolle von Franziska Schubert bei Ursus Wahl nicht erwähnte. Parteivorsitzende Christin Melcher twitterte, dass die CDU-Bundeschefin "kein Format" habe. Der Landtagsabgeordnete Valentin Lippmann empfahl auch der sächsischen CDU Demut und einen Dank an alle, "die das möglich gemacht haben".

Die Wut bei den Grünen ist vor allem deswegen so groß, weil die Auslassung der CDU-Bundesvorsitzenden in das Bild der vergangenen Wochen passt. Der sächsische CDU-Vorsitzende und Ministerpräsident Michael Kretschmer schießt mittlerweile vermehrt gegen die Ökopartei. Kretschmer hält ihr beispielsweise vor, sie würde ähnliche Methoden wie die AfD anwenden und zur "Hysterie" neigen. Von der grünen Basis ist deswegen zu hören, dass die CDU nach der Landtagswahl gar nicht anzukommen brauche, wenn sie auf die Grünen angewiesen sei, um eine Koalition zu bilden.

Immerhin der sächsische CDU-Generalsekretär Alexander Dierks lobte die Grünen am Montag: Er sprach von einer "verantwortungsvollen Entscheidung der Spitzenkandidatin der Grünen, Franziska Schubert". Und auch Kramp-Karrenbauer versuchte noch am Sonntagabend die Lage zu beruhigen. Knapp anderthalb Stunden nach ihrer ersten Nachricht legte sie nach: "Natürlich ist der Sieg von Octavian Ursu der Sieg eines breiten Bündnisses, für das ich dankbar bin." Im Berliner Koalitionsausschuss hätten sich alle parteiübergreifend gefreut.

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    0
    Ghllrtv
    17.06.2019

    Da kann AKK mit weiteren Tweets relativieren wie sie will, mir der ersten Äußerungen hat sie das gesagt was sie wirklich denkt. Eine wirkliche Aufarbeitung der görlitzer Gegebenheiten findet nicht statt. Das wird sich auch zur Landtagswahl nicht ändern. Ich warte nur auf die Kommentare danach wie "warum sind die Bürger nur so dumm und wählen rechts".

  • 1
    1
    Tauchsieder
    17.06.2019

    Sie haben es halt nicht anders verdient !



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