Grippe: In diesem Jahr erhalten alle Patienten den Vierfach-Schutz

Sachsen meldet die ersten Grippefälle. Dabei beginnt die Grippesaison eigentlich erst zum Jahresende. Wie ist der Freistaat auf eine Influenzawelle vorbereitet?

Chemnitz.

Seit Mitte September nehmen in Deutschland die akuten Atemwegserkrankungen wieder zu. Derzeit seien sechs Prozent der Deutschen betroffen, meldet das Robert-Koch-Institut (RKI). Während Infekte eher leicht verlaufen, kann die Influenza - die echte Grippe - schwere Komplikationen auslösen, zum Beispiel Lungen- oder Herzmuskelentzündung.

Innerhalb der letzten beiden Wochen hat es in Sachsen bereits zwölf bestätigte Grippefälle gegeben. Deutschlandweit erkrankten bisher 98 Menschen. Die meisten von ihnen infizierten sich laut RKI im Ausland und mussten im Krankenhaus behandelt werden. In Deutschland beginnt die Grippewelle meist erst um den Jahreswechsel. Genügend Zeit also, sich impfen zu lassen, so Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU). Zu lange warten sollte man aber nicht, da der Impfschutz zwei Wochen braucht, um sich vollständig aufzubauen. "Die Influenzaimpfung ist sicher und sehr gut verträglich", sagt sie.

Einen Impfstoffengpass wie im letzten Jahr dürfte es dem Paul-Ehrlich-Institut zufolge 2019 nicht wieder geben. 16,5 Millionen Impfdosen stünden aktuell zur Verfügung - vier Millionen mehr als letztes Jahr. Erstmals dürfen Kassenärzte alle fünf am Markt befindlichen Grippeimpfstoffe einsetzen und abrechnen. Die Zeiten, nach denen stets der billigste Impfstoff ausgewählt werden musste, sind damit vorbei. Pro Einzeldosis fallen Kosten zwischen 8,73 und 10,08 Euro an. Vor allem chronisch Kranke, Senioren, Schwangere und medizinisches Pflegepersonal sollten sich laut der bundesweit agierenden Ständigen Impfkommission schützen lassen. Die Sächsische Impfkommission geht weiter. Für sie ist die Impfung generell für Menschen ab dem siebenten Lebensmonat sinnvoll.

2019 kommt ausschließlich Impfstoff zum Einsatz, der gegen alle vier Influenzatypen gleichzeitig schützen soll. Das soll vor allem die Wirksamkeit erhöhen. In der Grippesaison 2018/19 hätten sich die Erwartungen weitgehend erfüllt: Die Wirksamkeit dieses Impfstoffs war mit 61 Prozent bislang am höchsten, so das RKI. In vorherigen Jahren seien teils kaum 25 Prozent erreicht worden, zum Beispiel in der Saison 2016/17.

In Sachsen ließen sich im vergangenen Jahr etwa 30 Prozent der Bürger impfen. Das seien zwar knapp zwei Prozent mehr als 2017 gewesen, doch immer noch zu wenig, um die Bevölkerung zuverlässig vor Influenza zu schützen. Dafür müssten es mindestens 75 Prozent sein.

Die zurückliegende Grippewelle gehörte zu den schwersten seit Beginn der Meldepflicht im Jahr 2001. Sachsen hatte 22.642 Erkrankte, bundesweit waren es 182.000. 3,8Millionen Arztbesuche sollen auf das Konto der Grippe gegangen sein, wie Lothar Wieler, Präsident des RKI, sagt. Mehr als 1000 Neuerkrankungen pro Woche gab es in Sachsen ab Ende Januar 2019. Ihren Höhepunkt hatte die Grippewelle im Februar mit wöchentlich bis zu 3400 Fällen. Insgesamt 74 Menschen starben. Das jüngste Todesopfer war 45 Jahre alt, das älteste 97 Jahre.

Neben der Impfung rät das RKI zum gründlichen Händewaschen und Abstandhalten zu Erkrankten. Damit verringere sich auch das Risiko für Infekte, gegen die es keine Impfung gibt.

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